Carbon180

The Humane League
Carbon180 Grafik zu "Direct Air Capture"
Carbon180 Titelbild

Der Atmosphäre CO2 entziehen

Carbon180 ist eine gemeinnützige Organisation, die sich auf „negative Emissionen“ konzentriert, also die Unterstützung natürlicher und technologischer Maßnahmen, um der Atmosphäre CO2 zu entziehen. Der Weltklimarat (IPCC) hält negative Emissionen für unvermeidlich, wenn das Ziel von netto Null CO2– oder Treibhausgasemissionen erreicht werden soll. Dazu müssen bestehende Ansätze in großem Stil skaliert und neue, noch kosteneffektivere Technologien entwickelt werden.

Analysten der Charity-Bewertungsorganisation Founders Pledge schätzen, dass eine Spende an Carbon180 in Höhe von 1 € perspektivisch dazu führen wird, dass der Atmosphäre deutlich mehr als eine Tonne CO2 entzogen wird.

Das Problem

Den Treibhausgas-Ausstoß schnell in Richtung Null zu drücken reicht nicht aus, um die Ziele des Pariser Weltklimaabkommens zu erreichen, also den menschengemachte globalen Temperaturanstieg auf möglichst 1,5 °C bzw. weniger als 2°C gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Es ist inzwischen wissenschaftlicher Konsens, dass Carbon Dioxide Removal (CDR), also der Einsatz von Methoden zur Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre, unvermeidlich ist, um schwer zu vermeidende Restemissionen auszugleichen.[1]

Grund hierfür ist zum einen, dass es für einige Industriezweige kaum Ansätze gibt, mit denen sie komplett ohne den Ausstoß von CO2 oder anderen Treibhausgasen auskommen könnten.[2] Zum anderen wurden bzw. werden bekannte Lösungen zur Dekarbonisierung weiterhin nicht schnell genug umgesetzt.

Für das Ziel der Klimaneutralität gilt es also, nicht oder kaum vermeidbare Rest-Emissionen auszugleichen. Und sofern wir netto-Null Emissionen nicht sehr schnell erreichen, müssen auch diese zusätzlichen Treibhausgase durch „negative Emissionen“ ausgeglichen werden, um die Temperaturziele langfristig zu erreichen. Das Systems Change Lab geht davon aus, dass technologisches CDR bis 2030 auf 30-690 MtCO2 pro Jahr und bis zum Jahr 2050 sogar auf 740-5.500 MtCO2 pro Jahr gesteigert werden muss, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.[3]

Zwar gibt es bereits verschiedene Ansätze der Atmosphäre CO2 zu entziehen, allerdings werden diese noch zu wenig umgesetzt. Entsprechend sieht das Systems Change Lab zwar eine positive Entwicklung, die aber bei weitem nicht ausreicht, um die bis 2030 und 2050 notwendigen Mengen an CDR zu erreichen. Gründe hierfür sind insbesondere die noch sehr hohen Kosten oder auch der oft fehlende politische Rahmen.

Negative Emissionen, aber wie? 6 Vorschläge (© MCC)
Negative Emissionen, aber wie? 6 Vorschläge (© MCC)

Die Lösung

CO2-Entnahme muss rechtzeitig machbar werden. Damit „negative Emissionen“ sicher, kostengünstig und in der notwendigen Größenordnung erzielt werden können, ist es wichtig, jetzt in die Erforschung und Pilotierung neuer Verfahren zu investieren sowie die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass bekannte Ansätze ausgerollt werden können.[4] Dafür setzt sich Carbon180 in den USA ein, insbesondere entlang der folgenden 3 Bereiche:

  • Politische Interessenvertretung – Auf der politischen Ebene wirkt Carbon180 auf Rahmenbedingung zur Förderung und Ausweitung von Negativ-Emissionstechnologien (NET) in den USA ein.
  • Innovationsförderung – Carbon180 arbeitet direkt mit Start-ups und der Wissenschaft zusammen in einem Netzwerk aus Industrieexperten und Wissenschaftlerinnen, um Wachstumsbarrieren für NET zu beseitigen.
  • Umweltgerechtigkeit – Carbon180 setzt sich eine für eine gerechtigkeitsorientierte Politik zur CO2-Entnahme, die die Interessen bisher benachteiligter Gemeinden berücksichtigt und für mehr Klimagerechtigkeit sorgt, wie im Bericht Removing Forward dargestellt.
Direct Air Capture
Anlage zur direkten Entnahme von CO2 aus der Umgebungsluft (Direct Air Capture – DAC)
Direct Air Capture
Anlage zur direkten Entnahme von CO2 aus der Umgebungsluft (Direct Air Capture – DAC)

Die Wirkung

Carbon180 hat insbesondere im Bereich der politischen Interessenvertretung in den USA bereits beachtliche Erfolge erzielen können. Im Jahr 2021 setzte sich die Organisation beispielsweise erfolgreich dafür ein, dass im „Infrastructure Investment and Jobs Act“ Mittel in Milliardenhöhe für Forschung, Entwicklung und Einsatz (RD&D) von NET bereitgestellt wurden. Bereits im Jahr zuvor hatte Carbon180 mit einem Budget von weniger als $500.000 dazu beigetragen, dass die staatlichen Forschungsausgaben für NET im Jahr 2020 auf $68 Millionen erhöht wurden und staatliche Steuergutschriften für Direct Air Capture eingeführt wurden, also für Verfahren, mit denen CO2 direkt der Umgebungs­luft entnommen wird. Selbst wenn Carbon180 mit ihrer Arbeit alle diese Ergebnisse nur um einen kleinen Bruchteil wahrscheinlicher gemacht hat, macht das die Organisation hoch wirksam und außerordentlich kosteneffizient.

Seitdem setzt sich Carbon180 u.a. für die erfolgreiche Umsetzung der regionalen „Direct Air Capture“-Hubs ein, für die – auch aufgrund des Einsatzes des Carbon180-Teams – $3,5 Milliarden aus dem U.S. Bundeshaushalt bewilligt wurden. Für die lokale Akzeptanz der Hubs legt Carbon180 starken wert auf Umweltgerechtigkeit, da in der Vergangenheit ging die Entwicklung von Energieinfrastruktur in den USA häufig zulasten benachteiligter Gesellschaftsgruppen ging.

Weitere Prioritäten der Organisation für 2023 und 2024 umfassen u.a.

  • U.S. 2023 Farm Bill: Das Gesetz legt für die kommenden fünf Jahre die Agrarpolitik fest und bietet daher eine wichtige Gelegenheit, Wälder und landwirtschaftlichen Flächen als Kohlenstoffsenken zu aktivieren. Carbon180 arbeitet daher an Vorschlägen für ein umfassendes, ressortübergreifendes Programm, um die dafür notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen, Instrumente und Projekte zu entwickeln.
  • Weitere CDR-Methoden: Im Fokus der US-Politik zu CDR steht fast ausschließlich Direct Air Capture als Technologie. Entsprechend setzt sich Carbon180 auch für eine stärkere Berücksichtigung weiterer Methoden zur CO2-Entnahme und -speicherung ein, wozu unter anderem auch die Speicherung von CO2 in den Ozeanen zählt.

Die Organisation

Carbon180 ist eine 2015 in Oakland, Kalifornien gegründete gemeinnützige Organisation mit Sitz in Washington, DC. Derzeit beschäftigt Carbon180 etwa 30 Mitarbeiter. 

Obwohl die Organisation noch verhältnismäßig jung ist wird ihre Expertise auch von politischen Entscheidungsträgern bereits sehr ernst genommen. So wurde beispielsweise der Mitgründer und damalige President von Carbon180, Noah Deich, im November 2020 in das Transition Team des designierten US-Präsidenten Joseph Biden aufgenommen. Inzwischen ist er Stellvertretender Staatssekretär für das „Office of Fossil Energy and Carbon Management (FECM)“ im Energieministerium der USA.[5]

Insgesamt macht sich die zunehmende Aufmerksamkeit für CDR auch im philan­thro­pischen Umfeld bemerkbar. Seit 2018 haben sich die Mittel auf rund $175 Millionen pro Jahr mehr als verdoppelt. Fast drei Viertel der Förderung ging aber an natürlich Kohlenstoff­senken. Die Mittel für technologische CDR-Lösungen oder Ozeane bleiben weiterhin gering.[6]

Langfristige, programmatische Arbeit zu CDR wie bei Carbon180 ist bei Klimaschutz­organisationen immer noch eher die Ausnahme, so dass Carbon180 weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Carbon180 hat aber auch selbst von der erhöhten Aufmerksamkeit für CDR profitiert; entsprechend ist der Finanzierungsbedarf der Organisation inzwischen auch geringer und zielt v.a. auf weiteres, vorsichtiges Wachstum ab. Die Initiative Giving Green, die hochwirksame Klimaschutzorganisationen bewertet, führt Carbon180 daher inzwischen nicht mehr als Empfehlung.[7]

Da CDR trotz zunehmender Aufmerksamkeit weiterhin ein wichtiger, eher vernachlässigter Bereich bleibt und Carbon180 bisher überzeugend zu Veränderung beitragen konnte, empfehlen wir Carbon180 auch weiterhin. Der Nutzen eines zusätzlichen Spenden-Euros ist inzwischen in anderen Bereichen aber voraussichtlich etwas höher.


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Externe Evaluation

Quellen

[1] ↑ Deutsche Übersetzung der Hauptaussagen von Arbeitsgruppe III zum Sechsten IPCC-Sachstandsbericht (AR6-WGIII). IPCC. https://www.de-ipcc.de/media/content/Hauptaussagen_AR6-WGIII.pdf. April 2022.

[2] ↑ Deep decarbonization of industry is possible with innovations. https://www.isi.fraunhofer.de/en/presse/2019/presseinfo-08-2019-dekarbonisierung-industrie.html. März 2019.

[3] ↑ Scale up technological carbon removal. Systems Change Lab. https://systemschangelab.org/technological-carbon-removal/scale-technological-carbon-removal. Aufgerufen November 2023.

[4] ↑ Siehe dazu auch Kurzdossier: CO₂-Entnahme – So kommt Treibhausgas raus aus der Atmosphäre. Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). https://www.mcc-berlin.net/forschung/kurzdossiers/co2-entnahme.html.

[5] ↑ Noah Deich, Deputy Assistant Secretary for the Office of Carbon Management. U.S. Department of Energy. https://www.energy.gov/fecm/person/noah-deich. Aufgerufen November 2023.

[6] ↑The state of philanthropic funding for carbon removal. ClimateWorks Foundation. https://climateworks.org/blog/the-state-of-philanthropic-funding-for-carbon-removal/. Mai 2023.

[7] ↑„As of November 2022, we no longer recommend Carbon180, largely due to their success in fundraising.“ Carbon180: Recommendation. Giving Green. https://www.givinggreen.earth/us-policy-change-research/carbon180%3A-recommendation. November 2022.