Warum du nicht an große Hilfsorganisationen spenden solltest

Eine der häufigsten Fragen, die wir bei Effektiv Spenden erhalten, ist, warum wir keine großen, bekannten Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, SOS-Kinderdorf, Brot für die Welt oder Oxfam empfehlen.

Basis für unsere Kritik ist nicht, dass wir diese Organisationen für unseriös halten oder uns an der Höhe ihrer Verwaltungskosten stoßen. In der Tat glauben wir, dass auch in sehr großen Hilfswerken, wie bei fast allen gemeinnützigen Initiativen, hochmotivierte und aufrichtige Menschen arbeiten, die versuchen, die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Der entscheidende Grund, warum wir sie nicht empfehlen, besteht darin, dass uns keine externen Evaluierungen bekannt sind, in denen diese Organisationen auf wissenschaftlichem Niveau untersucht und miteinander verglichen werden. Wir wissen daher schlicht nicht, ob sie zu den weltweit effektivsten NGOs gehören und ob man mit einer Spende an sie besonders wirksame Hilfe leisten kann.

Es stimmt, einige, wie z.B. terre des hommes oder die UNO-Flüchtlingshilfe tragen das DZI-Spendensiegel, andere wie das Deutsche Rote Kreuz, die Welthungerhilfe oder action medeor wurden zumindest auf Projektebene mit dem PHINEO-Wirkt-Sie­gel ausgezeichnet. Wie wir jedoch hier aufgezeigt haben, ist die Aussagekraft dieser Spendensiegel äußerst begrenzt. Zum einen sind die Analysen vergleichsweise oberflächlich, zum anderen findet, wie bereits angedeutet, keinerlei Vergleich der Hilfsorganisationen untereinander statt. Es wird lediglich die Einhaltung wenig anspruchsvoller Mindeststandards zertifiziert. Daher trifft auch die in der Presse gerne genutzte Beschreibung des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) als „Spenden-TÜV” aus unserer Sicht zwar zu, wir halten sie aber für wenig schmeichelhaft. Denn auch der TÜV bescheinigt ja lediglich die Straßentauglichkeit eines Autos, sagt aber nichts darüber aus, welches Auto das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Einen Testsieger oder anderweitige Aussagen darüber, bei welcher der geprüften Organisationen die eigene Spende am besten aufgehoben ist, sucht man sowohl beim DZI als auch bei Phineo vergeblich.

Jetzt kann man sich natürlich die Frage stellen, warum Effektiv Spenden oder die Evaluierungsinstitute, mit denen wir zusammenarbeiten, nicht einfach selbst aktiv werden. Warum prüfen wir nicht, wie seriös, vor allem aber effektiv die großen renommierten Spendenorganisationen die Probleme dieser Welt bekämpfen?

Die Antwort auf diese Frage basiert auf der Tatsache, dass es sehr aufwändig ist, Hilfsorganisationen wirklich seriös zu evaluieren und miteinander zu vergleichen. Da es weltweit inzwischen Millionen von ihnen gibt, ist es zwingend notwendig, sich bereits im Vorfeld sehr bewusst zu entscheiden, wer überhaupt in die engere Wahl für eine umfängliche Analyse kommt. Die ganz Großen fallen dabei regelmäßig durch das Raster. Das liegt nicht daran, dass wir unterstellen, dass sie generell schlechte Arbeit leisten, sondern schlicht daran, dass es sich bei ihnen – böse gesprochen – um Gemischtwarenläden handelt. Mit jährlichen Budgets im zwei- oder dreistelligen Millionenbereich wird eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt, deren Wirksamkeit oft nicht belegt ist, oder von denen sogar bekannt ist, dass sie im Verhältnis zu den Kosten wenig erreichen.

So verfügt UNICEF über 17 Fokus- und 27 Einsatzbereiche.

UNICEF Fokusbereiche

Und auch Organisationen wie Greenpeace engagieren sich sehr vielfältig. Beispielsweise gegen Massentierhaltung und für Tiger. Gegen Ausgaben für Rüstung und für Frieden in der Ukraine. Gegen Atomkraft und für das Energiesparen.

Es ist schwer vorstellbar, dass jede der vorgestellten Maßnahmen pro Euro gleich viel Gutes bewirkt und die Organisationen auch im Durchschnitt all ihrer Projekte zu den weltweit besten gehören. Ähnlich argumentiert auch unsere Partnerorganisation GiveWell in ihrem Blogbeitrag Mega-charities.

Selbst zweckgebundene Spenden sind keine Lösung. Zum einen wäre es sehr aufwendig, alle Programme im Detail zu evaluieren, vor allem aber hat man, wie wir hier aufgezeigt haben, mit seiner Spende de facto trotzdem keinen Einfluss darauf, wie viel Geld in welche Programme fließt.

Es lässt sich abschließend also sagen, dass wir sehr bewusst keine der sehr großen und vielfältig tätigen Organisationen empfehlen, sondern uns auf spezialisierte Initiativen konzentrieren, die sich ganz auf besonders wirksame Maßnahmen fokussieren und die auch im internationalen Vergleich von renommierten Forschungsinstituten als herausragend gut bewertet wurden. Bei diesen kannst du mit deiner Spende treffsicher etwas bewegen, ganz gleich ob im Kampf gegen extreme Armut, für mehr Klimaschutz, Tierschutz, Demokratie oder zur Reduzierung existenzieller Risiken.

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