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Unser Spendenfonds: Demokratie verteidigen in H1/2025

Kugelskulptur mit aufgebrochener Schale und sichtbarem Innenleben vor dem UN-Hauptsitz

Jetzt mit neuem Forschungspartner

Seit dem 31. Juli 2025 werden neu eingehende Spenden an den Fonds auf Grundlage der Empfehlungen unseres neuen Partners Power for Democracies eingesetzt. Wir sind sehr gespannt auf die erste Kohorte empfohlener Organisationen, die wir für Ende Oktober erwarten.

Zur Umstellung, die für uns ein großartiger Schritt zu noch mehr Wirkung ist, berichteten wir bereits im Fondsupdate Q4/2024 und in einem Dauerspender-Sonderupdate Mitte Juli.

In einem kürzlichen Blog-Beitrag des Gründers und CEOs von Power for Democracies, Markus N. Beeko, findest du weitere interessante Hintergrundinformationen und auch unsere Fonds-Website haben wir im Zuge der Umstellung natürlich aktualisiert.

Dringende Forcierung der internationalen Perspektive

Auf unserer neuen Fonds-Website haben wir über „Rückschritte mitten in Europa“ das folgende geschrieben:

„Auch wenn das Beispiel der Vereinigten Staaten unter der zweiten Trump-Regierung – lautV-Dem Institut „die rasanteste Autokratisierung in der modernen US-Geschichte“ – besonders eindrücklich und besorgniserregend ist, zeigen sie sich auch amBeispiel Europa sehr konkret und aktuell:

  • Die Wissenschaft ordnet Ungarn und Serbien nicht mehr als Demokratien ein – es sind sogenannte „elektorale Autokratien“. Das sind Länder unter autokratischer Führung mit stark manipulierten „Pseudo-Wahlen“, die den Anschein demokratischer Verfasstheit aufrechterhalten sollen.
  • Mehrere europäische Länder sind in den letzten Jahren in die Kategorie „elektorale Demokratie“ zurückgefallen, darunter etwa Griechenland, Polen, Portugal, das Vereinigte Königreich und auch Österreich. Polen kämpft aktuell um die Rückkehr in den Kreis der liberalen Demokratien, wobei die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl im Juni 2025 dies unwahrscheinlicher gemacht haben.
  • Weitere Länder gelten im Rückblick der wissenschaftlichen Datenerhebung zwar noch als „liberale Demokratien“, haben jedoch Regierungsbeteiligungen rechtspopulistischer oder rechtsextremer Parteien, die auf eine Autokratisierung dieser Länder hinarbeiten: Dies gilt in Finnland, Italien, Kroatien, den Niederlanden, Schweden und der Slowakei.“

Es gibt also zahlreiche parallele Brandherde und damit umso mehr die Notwendigkeit, die Mittel des Spendenfonds so klug und evidenzbasiert wie möglich international einzusetzen.

Wir danken euch für euer Engagement in dieser Sache!

Aktuelle Mittelvergabe

In den Monaten Januar bis Ende Juli konnten wir einen erfreulichen Zugang von knapp 335.000 Euro für den Spendenfonds: Demokratie verteidigen verzeichnen, die wir aktuell an die geförderten Organisationen übergeben. Dabei handelt es sich mit Verfassungsblog, HateAid und Flow Fund für Ostdeutschland um drei „alte Bekannte“ sowie mit Alliance4Europe um einen spannenden Neuzugang.

In allen Fällen sind natürlich die für uns zentralen Entscheidungskriterien erfüllt: Einerseits bewerten wir die Arbeit dieser Organisationen in der Landschaft der Demokratieverteidigung und -förderung in Deutschland als besonders relevant, deutlich vernachlässigt, und nachvollziehbar wirksam. Andererseits haben alle Empfängerorganisationen bzw. -projekte noch signifikanten Finanzierungsbedarf für ihre Kernvorhaben in 2026, der nicht sicher aus anderen Quellen gedeckt werden kann.

Den zweiten Aspekt, nämlich die Finanzierungssituation in 2026, haben wir angesichts der zunehmenden öffentlichen und verdeckten Angriffe auf Organisationen der Zivilgesellschaft und ihre Finanzierung – gerade im Demokratiebereich – aktuell etwas höher gewichtet als zuvor.

Folgende drei Organisationen bzw. Projekte sind dir schon bekannt, wenn du in 2024 schon als Spender*in an Bord warst. Falls nicht, findest du ausführlichere Vorstellungen zu ihnen in den Blog-Beiträgen hier (Verfassungsblog), hier (HateAid), und hier (Flow Fund für Ostdeutschland):

  • Verfassungsblog (100.000 Euro): Grundfinanzierung für 2026. Die Arbeit der Organisation ist weiterhin wichtig, dringend und einmalig: So wird im Justiz-Projekt untersucht, an welchen Stellen die rechtsprechende Gewalt in Deutschland durch Verfassungsfeinde angegriffen werden könnte – im Bund und in den Ländern. Das Thüringen-Projekt des Verfassungsblog hatte schon 2023/2024 analog Risiken für Thüringen herausgearbeitet und die Entwicklungen seit der Landtagswahl 2024 zeigen, wie berechtigt die Sorge um das Rechtssystem dieses Bundeslandes war.
  • HateAid (100.000 Euro): Grundfinanzierung für 2026. Wir sehen unverändert dringenden Handlungsbedarf bei der Verteidigung und Durchsetzung des Digital Services Act sowie des AI Act, um den Schutz der Grundrechte im digitalen Raum zu sichern. Die Dringlichkeit dieses Themas nimmt mit dem rasanten Fortschritt generativer KI täglich zu, und betrifft insbesondere Kinder und Jugendliche sowie ältere Bürger*innen mit wenig Kenntnissen der zahlreichen manipulativen, polarisierenden und oft illegalen Vorgänge in den sogenannten „sozialen Medien“.
  • Flow Fund für Ostdeutschland (30.000 Euro): Finanzierung eines Platzes in der zweiten Kohorte dieses Projektes unter Leitung von Schöpflin Stiftung und Kinnings Foundation. Dieser sehr innovative Ansatz zielt auf die Stärkung, Begegnung und den Zusammenhalt von pro-demokratischen Menschen in den ostdeutschen Bundesländern. Das Mittel der Wahl ist die Bereitstellung von Spendenmitteln, die durch die sogenannten „Flow Funder“ an Projekte vergeben werden – engagierte jüngere Menschen, die in besonders guter Kenntnis der Umstände und Möglichkeiten vor Ort über die Spendenverwendung entscheiden, begleitet durch die Experten der Stiftungen. Der Evaluationsbericht zur 1. Kohorte (2024) ist hier zu finden.

Und es gibt einen Neuzugang:

  • Alliance4Europe (105.000 Euro): Grundfinanzierung für 2026. Die Alliance4Europe wurde in 2018 als gGmbH mit Sitz in München gegründet und konzentriert sich in den letzten Jahren zunehmend auf die Förderung und Verteidigung einer pro-demokratisch ausgerichteten digitalisierten europäischen Gesellschaft. Wichtige Projekte sind das europaweit tätige Counter Disinformation Network sowie öffentliche Kampagnen und Advocacy-Arbeit zu den Themen EU-Digitalgesetzgebung und Demokratieförderung.

Neuigkeiten zu früheren Förderungen – von den Organisationen

Gesellschaft für Freiheitsrechte (150.000 Euro aus den Mitteln des Q4/2024)

„Mit der Unterstützung konnte die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) ihr Engagement für Demokratie und eine starke Zivilgesellschaft ausbauen – vor allem durch eine intensivere und bessere Kommunikation, damit sie mehr Menschen mit ihren Angeboten erreicht und gezielt unterstützen kann.

Die GFF setzt rechtliche Mittel ein, um zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus zu schützen und kommunale Akteure sowie gemeinnützige Organisationen zu stärken. Dazu zählen Informationsangebote, der Rechtshilfefonds „Gegenrechtsschutz“ und strategische Klageverfahren. Zudem stärkt die GFF mit dem Center for User Rights den demokratischen Diskurs im Netz und die Transparenz von großen Online-Plattformen. Sie setzt sich damit für die Rechte der Nutzer*innen ein und trägt aktiv zur Durchsetzung des Digital Services Act (DSA) bei.”

RAA Sachsen (50.000 Euro aus den Mitteln des Q4/2024)

„YOUth lead the change – unser Motto und unser Dank!

Dank der Unterstützung konnte die Ausbildung von über 30 motivierten Jugendlichen aus Sachsen zu Multiplikator*innen und Vorbildern für Diversitätssensibilität, Wertevermittlung und gesellschaftliches Engagement fortgeführt und abgeschlossen werden. Die Peerleaders haben an sieben sächsischen Oberschulen mit knapp 2.500 Schüler*innen vielfältige Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung gesetzt, dabei sich selbst und ihre Persönlichkeiten gestärkt und im Kleinen und Großen Einstellungen und Perspektiven verändert.

„Vor einigen Wochen haben wir an unserer Schule eine Schaufensterpuppe zum Thema Demokratie gestaltet. Einen Tag als wir in die Schule kamen, haben wir festgestellt, dass
sie entkleidet wurde, was uns sehr geärgert hat. Wir haben dann das Gespräch mit den Schülern aus der Klasse gesucht, die das gemacht hatten. Anfangs waren wir uns ganz
schön unsicher, aber wir wussten, dass wir das ansprechen müssen. Wir haben uns mit ihnen eine ganze Weile unterhalten, erklärt warum wir das machen und was die Idee
dahinter ist. Am Ende fanden die anderen Schüler das auch richtig cool. Das hat uns gezeigt, dass miteinander reden so schnell Probleme lösen kann.“ – Zitat eines Peerleaders

Von den Spenden konnten drei überregionale Ausbildungswochenenden finanziert werden, Aufwandsenschädigungen für die ebenfalls jugendlichen Trainer*innen ausgezahlt werden, Tagesseminare und Methodenfortbildungen organisiert werden und durch Öffentlichkeitsarbeit das Thema Vielfaltsorientierung in Sachsen stärker in den Vordergrund gerückt werden.”

HateAid (377.000 Euro aus den Mitteln des Q4/2024)

„Prozesskostenfinanzierung

Neben der Beratung unterstützen wir Betroffene bei der Durchsetzung ihrer Rechte durch die Übernahme von Gerichts- und Anwaltskosten. Im Projektzeitraum konnten wir dank der Unterstützung mit unserer Prozesskostenfinanzierung 88 Strafanzeigen, 30 Abmahnungen und 14 Zivilklagen vor Gericht finanzieren. In geeigneten Fällen bieten wir Betroffenen die Finanzierung von Zivilprozessen an. Darunter war im Projektzeitraum ein Fall, in dem wir eine Klient*in dabei unterstützen konnten, sich erfolgreich gegen Cyberstalking zu wehren. Der Täter darf ihr jetzt digital (und analog) nicht mehr nachstellen, sonst droht ihm Haft oder Geldstrafe. Dabei handelt es sich um unsere erste beantragte Gewaltschutzanordnung.

Digital Services Act

Dank der Unterstützung konnten wir auch in der ersten Jahreshälfte 2025 die Umsetzung des Digital Services Act (DSA) kritisch begleiten, die Instrumente des DSA in der Praxis testen und mögliche Verstöße gegen den DSA konsequent an die zuständigen Aufsichtsbehörden melden. So konnten wir noch besser Betroffene von digitaler Gewalt unterstützen und tragen dazu bei, das bestehendes (EU-)Recht konsequent im Interesse Betroffener durchgesetzt wird.”

(Bildquelle des Titelfotos: Sphere within a Sphere, Skulptur von Arnaldo Pomodoro, United Nations New York; 2005 fotografiert von Alfred Hutter aka Gentry.)

Über den Autor

Avatar von Stephan Schwahlen

Senior Advisor Philanthropie

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