Im ersten Halbjahr 2025 wurden ca. 2,44 Millionen Euro an unseren Spendenfonds: Armut bekämpfen gespendet (mehr als 2,13 Millionen Euro aus Deutschland, sowie knapp 0,28 Millionen Franken aus der Schweiz). Das sind über 60% mehr als wir im ersten Halbjahr 2024 sammeln konnten. Ein kleiner Lichtblick in Zeiten, in denen die internationale Hilfe drastisch gekürzt wird.
Eben diese Kürzungen standen auch bei der Vergabe der Mittel im Vordergrund. Zusammen mit unserem Forschungspartner GiveWell haben wir versucht, zumindest einige der Lücken zu füllen, die insbesondere durch die Zerschlagung der US-amerikanischen Entwicklungszusammenarbeit entstanden sind.
Konkret haben wir 2 Projekte der Clinton Health Access Initiative (CHAI) sowie ein Programm von Helen Keller Intl unterstützt.
1. Von der Krise zur Widerstandsfähigkeit (CHAI – 1,04 Millionen Euro)
Die Herausforderung
Die plötzliche und drastische Kürzung von US-Hilfsgeldern für die globale Gesundheit in Höhe von über 12 Milliarden US-Dollar jährlich hat zu einer weltweiten Notlage geführt. Diese Entwicklung, verschärft durch ähnliche Reduzierungen von anderen Geberländern wie Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich, bedroht jahrzehntelange Fortschritte in wichtigen Gesundheitsbereichen wie HIV, Malaria und Müttergesundheit. Ohne sofortige Gegenmaßnahmen drohen der Zusammenbruch von Dienstleistungen, die von US-finanzierten NGOs erbracht wurden, und hunderttausende vermeidbare Todesfälle.
Die Lösung
Diese Krise bietet jedoch auch die einmalige Chance, die Gesundheitssysteme grundlegend neu zu gestalten und die Abhängigkeit von ausländischer Hilfe zu reduzieren. Das bisherige System war oft ineffizient, politisch gesteuert und schuf teure Parallelsysteme, anstatt lokale Strukturen zu stärken. Ziel ist der Übergang zu effizienteren, integrierten und nachhaltig durch die Länder selbst finanzierten Systemen. CHAI will Regierungen durch technische Unterstützung helfen, diese Transformation zu bewältigen. Dies geschieht oft in Form von „Technical Support Units“, die als schnelle Reaktionsteams direkt in die Gesundheitsministerien integriert werden. Die Unterstützung konzentriert sich auf drei Kernbereiche:
- Identifizierung von Finanzierungslücken: In Zusammenarbeit mit den Ministerien werden die dringendsten finanziellen Lücken – von Gehältern für Gesundheitspersonal bis hin zu lebenswichtigen Medikamenten – schnell analysiert und priorisiert.
- Maximierung vorhandener Ressourcen: Anstatt die US-Gelder vollständig ersetzen zu wollen, hilft CHAI den Regierungen, ihre bestehenden Mittel effizienter einzusetzen. Dies umfasst sowohl allokative Effizienz (Ressourcen dorthin lenken, wo sie die größte Wirkung haben) als auch technische Effizienz (Dienstleistungen kostengünstiger erbringen). Konkrete Maßnahmen sind die Verlagerung von Aufgaben von teuren internationalen NGOs zu lokalen Institutionen, was beispielsweise in Äthiopien Einsparungen von 15 Millionen US-Dollar jährlich ermöglichte, sowie die Integration von Gesundheitsprogrammen, um Synergien zu nutzen.
- Mobilisierung von Finanzmitteln: CHAI unterstützt die Gesundheitsministerien dabei, überzeugende Argumente für höhere nationale Gesundheitsbudgets zu entwickeln und zusätzliche Gelder von anderen externen Partnern zu mobilisieren. In Nigeria führte eine von CHAI unterstützte Analyse beispielsweise dazu, dass der nigerianische Senat das Gesundheitsbudget für 2025 um 200 Millionen US-Dollar aufstockte, um die Kürzungen abzufedern.
Das übergeordnete Ziel ist es, die Länder von der Abhängigkeit unvorhersehbarer ausländischer Hilfe zu lösen und den Aufbau widerstandsfähiger, eigenverantwortlicher Gesundheitssysteme zu beschleunigen. Ein konkretes Beispiel ist Malawi, wo nach den Kürzungen über 4.400 Gesundheitsmitarbeitende entlassen werden mussten.
2. Überbrückung von Lieferengpässen bei Malaria-Diagnosetests in Nigeria (CHAI – 0,73 Millionen Euro)
Die Herausforderung
Aufgrund von Verzögerungen bei US-finanzierten Bestellungen von Malaria-Schnelltests droht in den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen mehrerer nigerianischer Bundesstaaten ein kritischer Versorgungsengpass.
Um das Ausmaß dieses Problems zu erfassen, sammelte die Clinton Health Access Initiative (CHAI) alle relevanten Informationen zu nationalen Lagerbeständen, dem Verbrauch von Testkits sowie bestehenden Lieferaufträgen. Diese Daten wurden sorgfältig mit allen wichtigen Akteuren im Land abgeglichen und verifiziert.
Ein solcher Engpass hätte schwerwiegende Folgen. Ohne die Möglichkeit, Malaria sicher zu diagnostizieren, wären Ärzte gezwungen, Patienten allein auf Basis von Symptomen zu behandeln. Dies würde nicht nur zu einer ungenauen Behandlung führen, sondern auch die knappen Bestände an lebensrettenden Malaria-Medikamenten gefährden, da diese möglicherweise an Personen vergeben würden, die gar nicht an Malaria erkrankt sind.

Die Lösung
Um diesen drohenden Notstand abzuwenden, wurde eine Finanzhilfe bereitgestellt. Das Ziel ist es, den erwarteten Lieferengpass um etwa zwei Monate zu verkürzen und so die diagnostische Versorgung sicherzustellen.
Die Finanzhilfe ermöglicht die sofortige Bestellung von 3 Millionen zusätzlichen Malaria-Schnelltests. Diese „Überbrückungsbestellung“ wurde so terminiert, dass sie rechtzeitig vor dem nächsten geplanten Verteilungszyklus Ende September im Land eingetroffen ist.
Diese 3 Millionen Tests werden den Bedarf der öffentlichen Gesundheitseinrichtungen decken, bis die nächste US-finanzierte und für Ende November geplante Lieferung in den Kliniken ankommt. Durch diese gezielte Maßnahme wird eine kritische Lücke geschlossen und sichergestellt, dass die Diagnose und Behandlung von Malaria in den betroffenen Regionen ohne Unterbrechung fortgesetzt werden kann.
3. Ein Medikament, das Leben rettet (Helen Keller Intl – 0,70 Millionen Euro)
Die Herausforderung
Die Kindersterblichkeit ist in Burkina Faso eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit. Obwohl in den letzten Jahrzehnten Fortschritte erzielt wurden, war das Risiko für ein Kind, vor seinem fünften Geburtstag zu sterben, im Jahr 2021 landesweit immer noch hoch und lag bei 48 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten. In einigen Regionen ist die Situation noch dramatischer, mit Sterblichkeitsraten von bis zu 112 pro 1.000 Lebendgeburten.
Ein Großteil dieser Todesfälle wird durch Krankheiten verursacht, die eigentlich vermeidbar oder behandelbar wären. Dazu gehören vor allem Malaria (23,8 %), akute Atemwegsinfektionen (13,4 %) und Durchfallerkrankungen (11,5 %).

Die Lösung
Um dieser Herausforderung zu begegnen, setzt Helen Keller Intl ein gezieltes und wissenschaftlich fundiertes Projekt um. Die Kernmaßnahme ist die halbjährliche, vorbeugende Verabreichung des Antibiotikums Azithromycin an alle Kinder im Alter von 1 bis 59 Monaten. Dieser Ansatz basiert auf überzeugenden Forschungsergebnissen: Eine in Burkina Faso durchgeführte Studie (CHAT-Studie) konnte nachweisen, dass diese Methode die Kindersterblichkeit um 18,1 % senken kann.
Die Umsetzung ist dabei besonders effizient gestaltet, da die Verteilung von Azithromycin direkt in die bestehenden, landesweiten Kampagnen zur Vergabe von Vitamin-A-Kapseln integriert wird.
GiveWell schätzt, dass durch dieses Programm für durchschnittlich 4.300 US-Dollar das Leben eines Kleinkindes gerettet wird.
Fotos von Helen Keller Intl und CHAI.
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