Ich bin vermutlich nicht der Einzige, für den der Konsum der aktuellen Nachrichtenlage eine emotional grenzwertige Herausforderung ist. Das Tragischste dabei ist, dass mal wieder die Ärmsten der Welt am meisten unter den aktuellen Entwicklungen leiden werden.
Konkret geht es um die internationale Entwicklungshilfe, die gerade in Rekordtempo zusammengestrichen wird – allen voran in den USA. Elon Musk und das von ihm geleitete Department of Government Efficiency (DOGE) haben sich als erstes die Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID vorgenommen und diese direkt mal als „kriminelle Organisation” bezeichnet für die es an der Zeit sei zu sterben.

Das ist schon schwer zu verdauen. Nicht zuletzt, weil auch ich nach dem Studium in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit tätig war. So reformbedürftig diese – in Deutschland wie den USA – auch sein mag, die dahinter stehenden Behörden sind keine kriminellen Organisationen: Statt Leben zu zerstören, hat die staatliche Entwicklungszusammenarbeit und allen voran USAID in den letzten Jahrzehnten Millionen Leben gerettet! Allein der vom damaligen Präsidenten George W. Bush ins Leben gerufene United States President’s Emergency Plan For AIDS Relief (PEPFAR) hat seit 2003 mehr als 25 Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt!
Den Worten von Musk sind inzwischen Taten gefolgt. So hat der US-Außenminister Marco Rubio inzwischen verkündet, dass 83% aller USAID-Programme eingestellt werden.
3 Millionen Tote!
Die Folgen sind dramatisch. So schätzt der mehrfach mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Journalist Nikolas Kristof, dass in Folge dieser Kürzung allein im nächsten Jahr mehr als 3 Millionen Menschen sterben könnten. 3 Millionen!
Einer, für den es schon zu spät ist, ist Evan Anzoo. Er war ein fünfjähriger Junge, der bei seiner Geburt mit HIV infiziert wurde. Durch USAID hat er Medikamente bekommen, die ihn am Leben gehalten haben. Diese haben pro Tag nur 12 Cent gekostet. Zu viel für Elon Musk. Nachdem dieser, wie er auf X schrieb, USAID in den Holzhäcksler gesteckt hat, verlor Evan Zugang zu der für ihn lebensnotwendigen Medizin. Kurz darauf ist er gestorben.

Auch wenn die Kürzungen in den USA am drastischsten ausfallen, sind auch andere Länder dabei, die Entwicklungshilfe massiv zusammenzustreichen. Nachdem 2021 die damals noch konservative Regierung im Vereinigten Königreich den Etat für Entwicklungszusammenarbeit bereits von 0,7% der Wirtschaftsleistung auf 0,5% reduzierte, legt die neue Regierung unter Premierminister Keir Starmer noch einmal nach und will den Beitrag, der jährlich den Ärmsten der Welt helfen soll, bis 2027 auf 0,3% senken. Dagegen fallen die Kürzungen in Deutschland vergleichsweise moderat aus. So wurde der Entwicklungsetat zuletzt um 936,97 Millionen Euro gekürzt. Das sind zwar „nur“ 8%, aber dennoch wird auch hierzulande bei keinem anderen Einzeletat im Bundeshaushalt so viel gespart und im Koalitionsvertrag der neuen Regierung werden weitere Kürzungen in Aussicht gestellt.
Den Kopf in den Sand stecken!?
Angesichts dieser Nachrichten verspüre ich das Bedürfnis, den Kopf in den Sand zu stecken, zynisch zu werden oder über den „Rückzug ins Private“ zu schwadronieren. Auch ich verstehe das Bedürfnis, in so unsicheren Zeiten erstmal an sich zu denken und auf Kosten anderer zu sparen, aber… was wäre, wenn die Menschen in früheren Zeiten so gehandelt hätten? In meiner Kindheit stand Deutschland vor noch viel größeren Herausforderungen. Das Land war geteilt, nur wenige Kilometer von meinem Zuhause verlief der Todesstreifen (so nannten wir damals die Berliner Mauer), militärische Interventionen der USA in anderen Ländern gehörten gefühlt zum Alltag, die Arbeitslosenquote war um mehr als 50% höher als heutzutage und Tschernobyl, die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes, saurer Regen und das Ozonloch haben mich in Angst und Schrecken versetzt.
Meine Reaktion als Kind war es aber nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Stattdessen habe ich in naiver Weise den Kampf aufgenommen. Ich habe dem damaligen Bundeskanzler Kohl einen Brief voll „barscher Kritik“ geschrieben (so hieß es im – leider nicht von ihm persönlich verfassten – Antwortschreiben), ich habe angefangen an Greenpeace zu spenden und brachte die „Kladower Umweltzeitung“ heraus (mit einer knapp zweistelligen Auflage ;-). Ob das etwas gebracht hat, sei mal dahingestellt, aber es hat sich gut angefühlt, nicht untätig zu sein.
Daher will ich auch jetzt nicht untätig sein. Ich will etwas tun, mehr tun. Ich will ein ganz kleines bisschen von dem ausgleichen, was anderswo gerade eingespart wird. Positiv gesprochen ist es gerade vermutlich so „billig“ wie lange nicht, ein Leben zu retten.
Daher habe ich an unseren Spendenfonds: Armut bekämpfen gespendet und würde mich sehr freuen, wenn auch du es mir gleichtun würdest. Was die Verwendung der Mittel angeht, stehen wir in engem Austausch mit unserem Forschungspartner GiveWell, der aktuell daran arbeitet, die dringendsten Finanzierungslücken infolge der Kürzungen zu schließen.
Ich will einfach nicht akzeptieren, dass gerade die, denen es bisher schon am schlechtesten ging, auch jetzt wieder die Hauptlast einer sich wandelnden Welt tragen müssen. Ich will aber auch, dass wir uns gegenseitig Mut machen. Wir müssen nicht nur zuschauen, wir haben es selbst in der Hand, etwas zu verändern. Wie sagte es Erich Kästner so schön: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.“
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