Im zweiten Halbjahr 2025 wurden ca. 5,3 Millionen Euro an unseren Spendenfonds: Armut bekämpfen gespendet – von 6.424 Menschen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Das sind über 50% mehr als wir im gleichen Zeitraum 2024 sammeln konnten.
Auf Empfehlung des GiveWell All Grants Fund haben wir vier Projekte gefördert – zum Teil wieder als Akuthilfe, um die Folgen der Zerschlagung der US-amerikanischen Entwicklungshilfe abzufedern:
- Clinton Health Access Initiative (710.000 €): Notfallbeschaffung von Malaria-Medikamenten für Malawi – ausgezahlt im Oktober 2025
- Ansh (1,2 Mio. €): Versorgung von Frühgeborenen in Indien mit der Känguru-Methode – ausgezahlt im März 2026
- International Rescue Committee (3,19 Mio. €): Hilfe bei akuter Mangelernährung in der DR Kongo, Niger und Tschad – ausgezahlt im Juli 2026
- New Incentives (210.000 €): Förderung von Kinderimpfungen in Nordnigeria – ausgezahlt im März 2026
Zusammen dürften diese Förderungen statistisch gesehen mehr als 1.000 Kinder vor dem Tod bewahren!
1. Notfallbeschaffung von Malaria-Medikamenten für Malawi (CHAI – 0,71 Millionen Euro)
Die Herausforderung
Malaria ist in Malawi eine der größten Gesundheitsgefahren – und sie ist behandelbar. Als Standardmittel gelten sogenannte ACTs (Artemisinin-basierte Kombinationstherapien), die zuverlässig wirken und wenig kosten. Voraussetzung ist jedoch, dass sie vor Ort überhaupt verfügbar sind.
Genau hier entstand 2025 ein akutes Problem. Durch die Kürzung und Umstrukturierung der US-amerikanischen Entwicklungszusammenarbeit geriet die Lieferkette ins Stocken: Der Beschaffungsdienstleister, über den die Medikamente sonst eingekauft werden, konnte nur noch mit stark reduzierter und verzögerter Finanzierung arbeiten. Die nächste gesicherte Lieferung war erst für Januar 2026 vorgesehen – die Lagerbestände drohten jedoch bereits im November 2025 zur Neige zu gehen. Eine reguläre Nachbestellung per Seefracht hätte vier bis fünf Monate gedauert und wäre damit viel zu spät gekommen.
Die Lösung
Die Clinton Health Access Initiative (CHAI) reagierte mit einer gezielten Notfallbeschaffung. Statt auf die verzögerte reguläre Lieferung zu warten, wurden rund 1,8 Millionen Behandlungseinheiten direkt bei den Herstellern geordert – mit bereits vorverhandelten Konditionen und laufender Produktion. Entscheidend war die Geschwindigkeit: Die Medikamente wurden per Luftfracht statt per Schiff transportiert, wodurch sich die Lieferzeit von mehreren Monaten auf wenige Wochen verkürzte.
Eine wichtige Rolle spielte dabei die unkomplizierte Mittelvergabe über Effektiv Spenden: Weil wir bereits früher mit CHAI zusammengearbeitet hatten, konnten die Gelder besonders schnell bereitgestellt werden. So ließ sich genau die Brücke schlagen, die nötig war, um die Versorgungslücke bis zur nächsten regulären Lieferung Anfang 2026 zu überbrücken – koordiniert in enger Abstimmung mit Malawis nationalem Malariaprogramm.
Hintergrund
Wie kommt es eigentlich, dass Malaria in großen Teilen der Welt ausgerottet wurde – aber nicht in allen? Justin Portela von unserer Schwesterorganisation Giving What We Can liefert in 27 Minuten spannende Einblicke darüber, warum es die Krankheit überhaupt noch gibt:
2. Versorgung von Frühgeborenen in Indien mit der Känguru-Methode (Ansh – 1,20 Millionen Euro)
Die Herausforderung
Weltweit entfällt knapp die Hälfte aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren auf den ersten Lebensmonat. Komplikationen infolge von Frühgeburten sind dabei die häufigste Todesursache bei Neugeborenen. Jedes Jahr kommen über 20 Millionen Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 2,5 Kilogramm zur Welt, 96 % davon in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Die konventionelle Versorgung dieser Kinder beruht auf Inkubatoren und Wärmestrahlern. Sie erfordert teures medizinisches Gerät, geschultes Personal und stabile Infrastruktur. Genau daran fehlt es in vielen Krankenhäusern ärmerer Länder.
Die Lösung
Die Känguru-Methode (Kangaroo Mother Care, KMC) ist eine erprobte und kostengünstige Alternative. Ihr Prinzip ist denkbar einfach: Das Neugeborene liegt mehrere Stunden täglich direkt auf der nackten Haut eines Elternteils. Dieser Hautkontakt stabilisiert die Körpertemperatur des Babys, fördert das Stillen und stärkt die Bindung. Studien aus einkommensschwachen Ländern zeigen, dass die Methode die Sterblichkeit untergewichtiger Neugeborener um etwa 30 % senkt – verglichen mit der Versorgung, die in diesen Krankenhäusern sonst möglich wäre, und das zu deutlich geringeren Kosten.
Ansh setzt diesen Ansatz besonders effizient um: Statt eigene Stationen aufzubauen oder Hausbesuche durchzuführen, vermittelt das Non-Profit speziell geschulte Pflegekräfte an bestehende Krankenhäuser. Diese unterstützen Eltern beim Haut-zu-Haut-Kontakt, beim Stillen und beim Erkennen von Warnsignalen. Ergänzt wird das durch einfache Ausstattung wie Liegestühle, Sichtschutzwände und Messgeräte. Weil das Modell ohne große Infrastrukturinvestitionen auskommt, lässt es sich besonders gut auf weitere Krankenhäuser übertragen. GiveWell schätzt die Kosten auf rund 2.300 € pro gerettetem Leben.

Aktuelle Entwicklungen
Auch durch die Unterstützung der über Effektiv Spenden ausgezahlten Mittel konnte Ansh sein Programm inzwischen von vier auf 15 Krankenhäuser in Rajasthan ausweiten. Allein im ersten Quartal 2026 wurden 4.394 Neugeborene neu in das Programm aufgenommen. Die Sterblichkeitsrate unter den betreuten Kindern lag bei etwa 7 % – gegenüber einer geschätzten Basisrate von 12 bis 20 %. Das bedeutet: In nur drei Monaten wurden schätzungsweise über 200 Kinderleben gerettet.
Auch über die Zahlen hinaus entwickelt sich das Projekt vielversprechend. Ansh verhandelt derzeit mit der Regierung Rajasthans über ein Abkommen, das die Programme an den 15 Krankenhäusern für fünf weitere Jahre sichern und auf zusätzliche Kliniken ausweiten soll. Die Regierung hat Ansh zudem um Unterstützung beim Aufbau der staatlichen Krankenhaussysteme gebeten. Parallel laufen Gespräche mit zwei weiteren Bundesstaaten. Was als Pilotprojekt begann, entwickelt sich damit zu einem Modell mit nationalem Potenzial.
3. Hilfe bei akuter Mangelernährung in der DR Kongo, Niger und Tschad (IRC – 3,19 Millionen Euro)
Die Herausforderung
Akute Mangelernährung gehört zu den größten und zugleich am besten behandelbaren Gefahren für Kleinkinder. Kinder mit unbehandelter schwerer akuter Mangelernährung haben nach GiveWells Schätzungen ein etwa siebenmal so hohes Sterberisiko wie gleichaltrige Kinder ohne Mangelernährung. Die etablierte Antwort darauf ist therapeutische Fertignahrung auf Basis angereicherter Erdnusspaste (Ready-to-Use Therapeutic Food, RUTF), die Eltern ihrem Kind über einige Wochen zu Hause geben – in der Regel ergänzt durch Antibiotika und regelmäßige Kontrollen im nächstgelegenen Gesundheitszentrum.
Das Problem ist, dass viele betroffene Kinder nicht erreicht werden. Die Wege sind weit, die Gesundheitsstationen unterbesetzt, der Nachschub an RUTF reißt immer wieder ab – und Eltern erkennen die Warnsignale oft zu spät. In Regionen wie Niger, dem Tschad oder dem Osten der DR Kongo kommen Konflikte, Vertreibung und Zugangsbeschränkungen hinzu. Die Kürzungen der US-Entwicklungszusammenarbeit haben die Lage seit 2025 zusätzlich verschärft.
Die Lösung
Das International Rescue Committee (IRC) widmet sich den betroffenen Kindern – und setzt darauf, die vorhandenen staatlichen Gesundheitssysteme zu stärken, anstatt Parallelstrukturen aufzubauen. Es schult das Personal in Gesundheitszentren und Krankenhäusern, begleitet es über Monate hinweg und stellt Material und Medikamente bereit.
Besonders wirksam sind zwei Ansätze zur Früherkennung. Der erste: Eltern lernen, selbst zu messen. Mit einem einfachen farbigen Maßband um den Oberarm erkennen sie, ob ihr Kind Hilfe braucht – oft Wochen, bevor es lebensbedrohlich wird. Der zweite: In Dörfern, die von keinem Gesundheitszentrum erreicht werden, koppelt das IRC die Behandlung an die mobilen Teams des Gesundheitsministeriums an, die ohnehin zum Impfen kommen. Damit die Nahrung nicht ausgeht, legt das IRC eigene Vorräte an.
GiveWell begleitet die Arbeit des IRC in dieser Region seit 2021 und hat sie seither wiederholt geprüft – auch mit Blick darauf, wie viele Kinder ohne diese Unterstützung unbehandelt blieben. Nach GiveWells Schätzungen senkt die Behandlung das Sterberisiko bei schwerer akuter Mangelernährung um rund 70 %.
4. Förderung von Kinderimpfungen in Nordnigeria (New Incentives – 0,21 Millionen €)
Mit den Mitteln aus Österreich ermöglichen wir zusammen mit New Incentives ein Projekt zur Steigerung der Kinderimpfquoten in Nordnigeria. Familien erhalten kleine finanzielle Anreize („Conditional Cash Transfers“), wenn sie ihre Kinder zu den vorgesehenen Impfterminen bringen. Die Zahlungen kompensieren die entstehenden Kosten – plus einen kleinen Bonus beim Abschluss der vollständigen Impfserie. Zu dieser Förderung aus Österreich gibt es einen separaten Blogartikel.
Weitere Blogposts
-
Who would do your work if you didn't? - Podcast #6
In unserer #6 Folge unseres Podcasts sprechen wir mit Devon Fritz darüber, ob wir nicht alle austauschbar sind, über Vernachlässigung und natürlich High Impact Professionals.
-
„CO2 kompensieren ist moralisch ambitionslos“ - Podcast #5
In unserer #5 Folge des Effektiv Spenden Podcasts sprechen wir mit Johannes Ackva über CO₂ Kompensation, die blinden Flecken der Klimabewegung und vieles mehr.
-
Climate Action for the World We Live In: Trump, Iran, and Navigating This Moment - Podcast #4
In unserer #4 Folge des Effektiv Spenden Podcasts sprechen wir mit Johannes Ackva über Klimaschutz in einer sich schnell verändernden Welt.