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Welt­verbes­sern auf Umwegen (Teil 2) – Podcast #9

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Dies ist der zweite Teil eines zweiteiligen Gesprächs. Hier geht es zu Teil 1.

„Ich stelle mir die Frage jedes Jahr am 31.12. und so, ist Effektiv Spenden noch der richtige Ort, wo ich den größten Mehrwert haben kann? Bisher bin ich immer zu der Antwort gekommen, ja, weil Basti braucht mich noch.“

— Anne Schulze

Im Dezember 2021 geht bei Effektiv Spenden auf einmal alles sehr schnell. Wir sind Schlagzeile bei Spiegel Online, die Server crashen, und einige Menschen, mit denen wir zuvor kaum Kontakt hatten, spenden nach ein paar E-Mails und Video-Calls kurz vor Weihnachten sehr, sehr große Summen. Plötzlich liegt ein zweistelliger Millionenbetrag auf unserem Spendenkonto. Als die Bank anruft, rechnet Basti Schwiecker mit einer Einladung zu Champagner und Häppchen. Stattdessen will man wissen, woher das Geld kommt und ob das nicht Geldwäsche sei. Zur selben Zeit kommt seine Tochter zur Welt. Spätestens jetzt ist klar: Er braucht Hilfe.

Basti Schwiecker und Anne Schulze

Geworben hat er darum schon vorher, an dem Abend beim Inder, mit dem Teil 1 endet – bei Anne Schulze. Nach längerem Zögern entscheidet sie sich an Silvester 2021 und steigt kurze Zeit später als Co-Geschäftsführerin mit ein. Auf Augenhöhe und ohne Stellenbeschreibung. Anne beschreibt ihre Rolle so: Basti hatte die Idee, sie baut darum eine Organisation, die weiter wachsen kann. Basti, der Effektiv Spenden bis dahin mit weniger als zwei Vollzeitäquivalenten aufgebaut hatte, nennt das mit einem Begriff aus der Startup-Welt „Adult Supervision“ – auch wenn der Vergleich mit Google, wie er selbst sagt, ein bisschen hinkt. Im zweiten Teil ihres Gesprächs erzählen die beiden, wie das funktioniert hat und wo es Reibung gab.

Danach geht es um die Frage, für welche Themen Effektiv Spenden Empfehlungen gibt. Am Anfang waren es nur Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Ende 2019 kamen dann Klima- und Tierschutz hinzu. Dass es sich lohnen könnte, gegen KI-Risiken zu investieren, hatte Basti damals „bis zu einem gewissen Grad intellektuell schon verstanden“ – dachte aber, dass er das nicht „verkauft“ bekommt (es war ja noch lange vor ChatGPT). Heute gehören Demokratie und existenzielle Risiken durch künstliche Intelligenz aber dazu – Bereiche, in denen es anders als bei der Armutsbekämpfung kaum randomisierte Studien gibt und die Evaluationspartner von Effektiv Spenden auf andere Methoden setzen müssen.

Am Ende steht ein Projekt, das Anne und Basti jahrelang vor sich hergeschoben haben: ein Buch. „100x mehr – Geschichten, wie deine Spende wirklich wirkt“ porträtiert Menschen aus allen Themengebieten von Effektiv Spenden und erscheint am 25. November 2026. Im Gespräch nennt Basti noch den 11. November; der Termin musste inzwischen verschoben werden.

Wir sprechen unter anderem über:

  • Lean Startup mit schmalem Budget: wie Effektiv Spenden in den ersten beiden Jahren wuchs – und wann klar war, dass es „nicht nur Mutti“ interessiert. → zum Kapitel
  • Maschinenraum, Grauzonen und Loslassen: wie Anne und Basti ihre Rollen aufgeteilt haben. → zum Kapitel
  • Wie Anne trotz Impostor-Syndrom zur Netzwerkerin im EA-Ökosystem wurde. → zum Kapitel
  • Ein sehr männlich und nerdy geprägtes Ökosystem – und warum man trotzdem keinen IQ von 160 braucht, um darin etwas zu bewegen. → zum Kapitel
  • Was Fachleute antworteten, als Stephan Schwahlen und Stefan Shaw nach einer Art GiveWell für Demokratie suchten – und wie daraus Power for Democracies entstand. → zum Kapitel
  • Warum Demokratieförderung aus dem Ausland heikler ist als das Verteilen von Moskitonetzen. → zum Kapitel
  • 2016 beim Mittagessen: wie Basti erst Witze über KI-Risiken machte – und das Thema dann auf die Rente verschob. → zum Kapitel
  • Wie die AI Whistleblower Initiative und METR dazu beitragen wollen, dass die Entwicklung von KI gut ausgeht. → zum Kapitel
  • Warum Anne Spenden gegen Armut mit einem ETF vergleicht. → zum Kapitel
  • Würdest du in ein Flugzeug steigen, das mit einem Prozent Wahrscheinlichkeit abstürzt? → zum Kapitel
  • Welche Bücher Vorbild waren, von Rutger Bregmans „Moralische Ambition“ bis David Bornsteins „How to Change the World“. → zum Kapitel
  • Wie fast alle Angefragten innerhalb von 48 Stunden für das Buch zusagten – bei gut einem halben Jahr zwischen Projektstart und Erscheinen auch dringend notwendig … → zum Kapitel
Buchcover „100x mehr – Geschichten, wie deine Spende wirklich wirkt“ von Anne Schulze und Basti Schwiecker

100x MEHR

Geschichten, wie deine Spende wirklich wirkt

„100x mehr“ erzählt die Geschichten von Menschen, die herausfinden, wo Hilfe am meisten bewirkt – und zeigt, wie du ihr Wissen für deine eigenen Spenden nutzen kannst.

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Transkript

Das Transkript ist nach den Kapiteln der Folge gegliedert. Ein Klick auf ein Kapitel klappt es auf; der Link darin öffnet das Video an dieser Stelle.

Intro

▶ Ab 00:00 auf YouTube ansehen

Basti Schwiecker: Und das hat dann dazu geführt, dass wir im Dezember 2021 auf einmal einen zweistelligen Millionenbetrag auf dem Konto hatten. Ja, das war super, aber es war halt echt unreal, die ganze Nummer. Also auch in einem Ausmaße, in einer Geschwindigkeit. Und ich habe dazu noch auch schlechtes Timing, aber was soll man machen? Meine Tochter ist geboren. Und jetzt zum zweiten Teil der Episode mit meiner Kollegin, Mitgründerin und Mitgeschäftsführerin Anne Schulze.

Anne Schulze: Sehr schön, Basti.

Zurück beim Inder, 2021

▶ Ab 00:32 auf YouTube ansehen

Basti Schwiecker: As expected. Genau, wir steigen direkt wieder ein. Wir beide sitzen beim Inder 2021 und ich rede mit Engelszungen auf dich ein, dass du doch bitte Effektiv Spenden mit deiner ganzen Kraft anschließen mögest.

Anne Schulze: Genau, natürlich bei Paneer Jalfrezi extra scharf. Und irgendwie crazy, dass das fast jetzt also fünf Jahre her ist, Basti. Das finde ich schon irgendwie ein bisschen verrückt. Ja genau, aber ich erinnere mich noch sehr gut. Das muss irgendwie tatsächlich auch um diese Jahreszeit gewesen sein. Und irgendwie lief es ja dann bei Effektiv Spenden deutlich besser als erwartet. Und ich glaube, du bist dir bewusst geworden, was wir ja damals bei dem Projekt bei der Benckiser Stiftung nicht hatten, so irgendwie der Product-Market-Fit gab es damals ja irgendwie nicht. Und wir hatten aber die Kohle und haben einfach fröhlich weitergemacht. Und hier hast du ja gesagt, okay, ich starte ganz klein und schmal und erst mal schauen. Und ich glaube, dann haben wir relativ schnell gemerkt, den Product-Market-Fit gab’s. Und dann hast du irgendwann gemerkt, so es wäre vielleicht ganz sinnvoll, irgendwie auch einfach jetzt mal zu investieren, um die Organisation irgendwie aufzubauen für weiteres Wachstum. Weil wenn ich mich recht erinnere, also es war cool und total excited und das hat dich auch schön hochgejazzt. Aber wahrscheinlich nachhaltig wäre das nicht mehr lang gegangen, so mit einem anderthalb Mann-Team.

Basti Schwiecker: Naja, also es war nicht genau auf tönernen Füßen, möchte ich sagen. Also genau, ich habe das mit dem Lean Startup irgendwie ernst genommen. Also wir sind auf dem schmalen Taler die ersten Jahre durchgestartet und im ersten Jahr haben wir schon super ein paar hunderttausend Euro gesammelt. Im zweiten Jahr, das war 2020, schon knapp drei Millionen. Also da hat man schon gemerkt, okay, das interessiert nicht nur Mutti, die ganze Sache. Aber dann wirklich crazy wurde es erst 2021. Also insofern war es genau richtig, da schon mal irgendwie zu versuchen, dich an Bord zu ziehen, weil das sich dann Ende 2021 wirklich sehr grenzwertig angefühlt hat. Also ich war nicht mehr ganz alleine. Thomas war schon an Bord und ist ja jetzt auch immer noch an Bord, also neben mir der quasi dienstälteste Mitarbeiter im Team, aber auch zu zweit war es eine taffe Nummer.

Anne Schulze: Ja vor allen Dingen, weil ja plötzlich sich auch irgendwie Menschen gemeldet haben übers Kontaktformular, die uns irgendwie gegoogelt hatten und dann auf einmal viel spenden wollten. So wie wir ursprünglich gar nicht das Produkt ja gedacht hatten. Das fand ich wirklich erstaunlich.

Dezember 2021: Spiegel Online und große Spenden

▶ Ab 02:56 auf YouTube ansehen

Basti Schwiecker: Naja, also genau. 2021 im Dezember, also tendenziell werden wir Aufmerksamkeit bekommen, dann auch zum Jahresende. Das ist sozusagen klassisch die Zeit, wo Menschen spenden und wo auch Medien berichten. Und da ist es sozusagen aus allen Seiten auf uns eingeprasselt. Also der Spiegel hat sich gemeldet. Wir waren dann Schlagzeile bei Spiegel Online, was auch dazu geführt hat, dass die Server gecrashed sind. Also was ich total cool fand, weil ich dachte immer so, das ist mein Maßstab für Erfolg oder für wie ein Startup funktioniert. Genau, wenn man Serverprobleme hat, hat sich das trotzdem in dem Moment gar nicht so cool angefühlt. War ein bisschen hektisch, aber das haben wir hinbekommen. Und dann, wie du gesagt hast, das andere für uns Überraschende war, dass sich einige Menschen bei uns gemeldet haben, die auch sehr, sehr große Summen spenden wollten und das dann auch gemacht haben, also zu denen wir vorher wenig Kontakt haben. Also insofern beeindruckend, wie schnell die dann Vertrauen gefunden haben zu uns, nach wenigen Gesprächen.

Zweistelliger Millionenbetrag auf dem Konto. Die Bank ruft an: Ist das Geldwäsche?

▶ Ab 03:48 auf YouTube ansehen

Basti Schwiecker: Und das hat dann dazu geführt, dass wir im Dezember 2021 auf einmal einen zweistelligen Millionenbetrag auf dem Konto hatten. Also was super war, aber auch da dann… Erinnere ich mich, unsere Bank ruft an und ich dachte, super, die laden mich jetzt zum Großkundengespräch ein und Champagner und Häppchen warten auf mich. Stattdessen erst mal, ja, Herr Schwiecker, was ist da los irgendwie? Wo kommt das Geld her? Ich brauche einen Nachweis. Ist das nicht Geldwäsche? Ist das nicht illegal irgendwie? Und das war, ich würde nicht sagen ein Drohanruf, aber auf jeden Fall ein ganz anderer Vibe, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Also auch, ich bin dankbar, diese Probleme gehabt zu haben. Ja, das war super, aber es war halt echt, unreal die ganze Nummer. Also auch in einem Ausmaße, in einer Geschwindigkeit. Und ich habe dazu noch, auch schlechtes Timing, aber was soll man machen, meine Tochter ist geboren zu der Zeit.

Anne Schulze: Ich erinnere mich, Basti, dass du gesagt hast, kann jemand diesen Call oder irgendwie noch Call mit Spendern übernehmen? Weil ich glaube, du warst irgendwie im Kreißsaal und musstest irgendwie auch noch die Geburt deiner Tochter begleiten.

Basti Schwiecker: Also ich erinnere mich noch, auf dem Weg zum Krankenhaus habe ich noch Nachrichten an einen Redakteur vom Spiegel geschrieben, um da irgendwie aus meiner Sicht noch mal darauf einzuwirken, dass das wirklich eine runde Geschichte wird. Und genau, hab dann da noch, also hat sich auch ein bisschen hingezogen, da noch fleißig getippt und also keine Sorge, bei der eigentlichen Geburt war ich dann voll aufmerksam und hatte weder Laptop noch Handy zur Hand. Aber es kam echt eine Menge zusammen. Und ganz klar, neben allem Excitement, muss man dann auch schauen, dass das ganze buchhalterisch, rechtlich, mit dem Finanzamt alles geklärt ist und seriös ist und halt jemand, der Bank dann auch schnell die Nachweise liefern kann, dass das alles seine Richtigkeit hat und wir hier nicht irgendwie Geldwäsche oder sonst was betreiben. Und da war klar, genau, ich brauche Hilfe.

Was bis heute zählt

▶ Ab 05:34 auf YouTube ansehen

Anne Schulze: Ja, aber bevor wir dann nochmal drauf einsteigen, was ich gerade nochmal so erinnere, würde ich sagen, in dieser Zeit, wie du es jetzt gerade erzählt hast, zeigen sich eigentlich nochmal Dinge, die für uns bis heute glaube ich super wichtig sind. Das ist sozusagen die Methodik, warum es ja eigentlich auch unser Produkt gibt und das zweite ist aber auch, was du ja immer predigst und hochhältst, ist Schnelligkeit. Also wenn ein Redakteur oder ein Journalist oder Journalistin schreibt oder Spender oder Spenderin, sofort antworten, damit wir im Span of Attention bleiben und ganz schnell Vertrauen aufzubauen. Und ich glaube, das sind erstens drei Dinge, die bis heute, würde ich sagen, immer noch zählen und die auch dazu führen, dass wir weiter wachsen und erfolgreich sind. Und die aber auch, wie du immer zu mir sagst, so, ich glaube, wir sind die besten Vertriebler, weil wir halt so überzeugt sind. Und dann kann darüber, glaube ich, auch total schnell Vertrauen entstehen. Ja, und das ist mir gerade noch mal so, hey, das war eigentlich schon immer Teil unserer DNA von Anfang an.

Basti Schwiecker: Ja, absolut. Also genau, ich brauchte auch Hilfe beim Management und insgesamt der Laden war einfach personell unterbesetzt dann am Ende für den Umsatz quasi oder das Spendenvolumen, das wir gemacht haben und ich wusste das kannst du und hast dann noch ein paar Skills irgendwie, die bei mir noch ausbaufähig waren und wahrscheinlich sind oder sowas, aber du bist halt ganz wichtig auch Überzeugungstäterin. Also wie ich. Und in der Tat, also wie du meintest, ich glaube ich bin definitiv nicht der geborene Sales-Typ, also wenn ich jemandem ein Auto verkaufen soll, dann ja, das wird nichts und vermutlich bei dir ähnlich. Und haben da bestimmt auch nicht irgendwelche tollen Tricks, die man sich irgendwie anlesen oder anlernen kann. Aber ich glaube, wir strahlen halt aus, dass wir wirklich überzeugt davon sind, was wir tun und dass wir wirklich hinter dem Produkt stehen oder hinter den Organisationen, die wir ja dann empfehlen und denen Möglichkeiten, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Und das ist dann manchmal zumindest ansteckend.

Anne Schulze: Ja, ja, genau. Aber finde ich irgendwie ganz schön auch, dass sich das so zeigt. Natürlich sind wir gewachsen und Dinge haben sich verändert. Das Team hat sich verändert. Aber ich würde sagen, so im Kern ist einfach noch ganz, ganz viel geblieben.

Wie Anne zu Effektiv Spenden kam

▶ Ab 07:36 auf YouTube ansehen

Anne Schulze: Genau, ja, und dann hast du mich ja angesprochen und dann saß ich da, das weiß ich noch, weil ich ja bei der Beratung war und fand das da auch irgendwie toll und hatte endlich auch meine UN-Exposure, von der ich ja gesagt hatte, ich wollte eigentlich immer zur UN und bin nicht dort hingegangen und dann habe ich das aber dort machen können und hatte da auch ein tolles Team und dann kamst du um die Ecke. Und dann habe ich auch wirklich ja eine ganze Weile gebraucht, um mich zu entscheiden, weil ich definitiv nicht so risikoaffin bin wie du und so, was ist denn das jetzt dieses Startup und war das irgendwie eine Ausnahme? Chancen, alles Chancen. Und bringe ich überhaupt das mit, was du noch irgendwie so brauchst? Ja, und dann habt ihr aber mit Engelszungen erfolgreich auf mich eingeredet. Das weiß ich noch. Ich habe dann gesagt, ich kann diese Entscheidung nicht mit ins nächste Jahr nehmen. Und somit habe ich mich dann wirklich zu Silvester entschieden und gesagt, ja, ich mache das dann ab nächstem Jahr. Musste dann natürlich noch bei SEEK Development raus und so weiter und so fort. Kann ich auch nicht empfehlen, zwei Jobs dann noch gleichzeitig zu machen, weil man will irgendwie dann eigentlich schon in die neue Welt und will aber auch die anderen vernünftig eine Übergabe machen. Aber ja, dann bin ich halt im Sommer oder im Frühjahr 22 eingestiegen, was jetzt krasserweise auch schon vier Jahre her ist. Und hab dann, glaube ich, für mich ist das immer so ein Bild, für mich bist du so der Creator, ja, der die Idee hatte und losgerannt ist und irgendwie da auch ein bisschen mit seiner Sturköpfigkeit weiter, schnell, weiter gerannt ist, ja, aus voller Überzeugung der Wirkung verpflichtet, ja.

Basti Schwiecker: I take it as a compliment.

Anne Schulze: I take it as a compliment, it is one. Und ich glaube, ich kam dann rein, so mehr würde ich sagen, so ich nehme mal deine Idee und baue da jetzt mal eine Organisation drauf, die dann auch weiter wachsen kann. Also dann fangen wir mal an mit den spannenden Buchhaltungsprozessen und wir machen mal irgendwie nicht einmal im Jahr Belege abgeben, sondern das können wir irgendwie auch ein bisschen stabiler aufbauen und den Jahresabschluss. Und den Jahresabschluss können wir auch schneller abgeben. Aber insgesamt auch darüber nachzudenken, wie baut man eigentlich so eine Organisation auf. Du hattest irgendwie so diesen Product-Impuls und wir hatten den Product-Market-Fit sozusagen. Also es interessiert mehr als Mutti. Wie bauen wir denn jetzt das Fundament darunter, damit wir einfach weiter wachsen können? Ich würde sagen, das war dann so eine zweite Phase, über ein paar Jahre sicherlich auch, wo wir einfach die Organisation zu dem Produkt gebaut haben, sodass wir uns professionalisiert haben. Wir haben auch relativ sprunghaft das Team ausgebaut. Wir haben dann insgesamt, sei es auf der Tech-Team-Seite oder sei es auf der Kommunikations- und Support-Seite, sei es dann irgendwann auch auf der Operations- und Legal-Seite. Und das war, glaube ich, relativ wichtig, dann da die Organisation auf so ein solides Fundament zu stellen und eigentlich auch so ein bisschen mehr, was du erst nicht gemacht hattest, aber in die Organisation zu investieren, damit das ganze Ding irgendwie solide dasteht. Wie hast du das immer genannt? Adult Supervision?

„Adult Supervision“

▶ Ab 10:15 auf YouTube ansehen

Basti Schwiecker: Ja, genau, so ein Begriff aus der Startup-Welt. Also kommt, glaube ich, eigentlich, oder wo ich ihn hergenommen habe, ist, als Google durch die Decke gegangen ist, fairerweise nochmal auf einem anderen Level als wir. Also das ist mir schon klar, dass der Vergleich ein bisschen hinkt. Aber da wurden ja auch die Gründer quasi, oder haben einen erfahrenen Manager, Eric Schmidt damals, als Chef bekommen. Und da ist, glaube ich, dieser Begriff Adult Supervision gefallen. Und das, obwohl jetzt alterstechnisch uns nicht groß unterscheiden, irgendwie fand ich das doch, ja, there was some truth to that.

Anne Schulze: Aber wenn ich mich hier in die Phase erinnere, wenn du am Anfang als Gründer unterwegs bist, da hast du ja im Endeffekt das Ding, also erfolgreich, aber einfach auch immer so gemacht, wie du es wolltest. Und auf einmal holst du dir jemanden rein und du hast dir auch sehr bewusst von vornherein entschieden, du möchtest mich als Mitgeschäftsführerin drin haben. Nicht als sozusagen Direct Report, sondern wirklich auf Augenhöhe. Wie war das für dich, auf einmal jemanden so zu haben und dann auch mitzukriegen, okay, ja, wir sind schon sehr mission aligned und wir wussten ja auch, dass wir zusammenarbeiten können, aber plötzlich warst du nicht mehr der alleinige Chef.

Basti Schwiecker: Ja, also eine Sache ist ganz wichtig, die du meintest, wir hatten ja vorher zusammengearbeitet. Ich glaube auch, in einem kleinen Team muss man sich gut verstehen und das ist in so einem Umfeld nicht ganz trivial und nicht jeder kann mit jedem da zusammenarbeiten, obwohl es vielleicht alles tolle, irgendwie fähige Leute sind und sowas so. Und ich will auch nicht komplett die Möglichkeit ausschließen, dass ich auch manchmal schwierig sein kann. Ich will sie nicht komplett ausschließen. Ich denke schon, das ist unwahrscheinlich, aber vielleicht nicht undenkbar.

Anne Schulze: Sehr bescheiden.

Basti Schwiecker: Also da war ich jetzt immer ganz optimistisch, dass es bei dir jetzt grundlegend klappt, weil wir hatten ja schon zusammengearbeitet. Und also gut, dass du jetzt Mitgeschäftsführerin, also bist ja auch eh Mitgründerin und dann auch Mitgeschäftsführerin wirst, schien mir klar. Also ich glaube auch ehrlich gesagt, anders hätte ich dich gar nicht bekommen, so irgendwie. Aber ich wollte auch jemanden, der bereit ist, mir Kontra zu geben, aber nach und nach vielleicht hier und da bereut. Ich denke, in vielen Bereichen klappt das ganz gut. Manchmal lohnt sich ja auch, die Diskussion zu zeigen. Bei mir wie bei jedem anderen mag man vielleicht eine gute Intuition haben, aber nicht immer ist der erste Impuls super. Und dass einem da jemand mal irgendwie gechallenged ist, ist bestimmt sinnvoll. Aber klar, hier und da ist es mir schwergefallen, beziehungsweise immer noch. Also es ist natürlich, wenn man ganz allein entscheidet oder ich saß halt mit Thomas zusammen, aber wir saßen wirklich sozusagen zwei Meter auseinander, haben uns da die Bälle zugeworfen. Das war relativ easy. Genau, ist hier und da herausfordernd.

Anne Schulze: Ich finde, es ist auch einfach, es ist so eine Reise. Das ist ja auch total normal. Du hast die Idee, du hast sie irgendwie erfolgreich aus dem Boden gestampft. Da hat man natürlich auch erstmal, verankert man mal einen Anspruch so, ich habe ein paar Dinge auch einfach richtig gemacht. Und ich würde sagen, es gibt da irgendwie, für mich ploppt das auf. Ich glaube, es gab so drei Buckets oder drei Elemente. Es gab so den einen, wo ich wusste, ja, das will Basti auf keinen Fall machen, so I take it. So, das ist irgendwie, finde ich, alles, was so eher so der Maschinenraum war. Alles, was irgendwie Buchhaltung …

Basti Schwiecker: Die Auswahl der Buchhaltungssoftware war jetzt kein Streitpunkt zwischen uns.

Anne Schulze: Genau, also es gab die Sachen, wo es mir sehr klar war, ich kann erstens Mehrwert stiften und du wirst mir da irgendwie nicht reinfunken und ich kann das auch irgendwie. Ich glaube, es gab dann Sachen, wo wir uns irgendwie einruckeln mussten, weil man am Anfang natürlich auch Verantwortungsdiffusion hatte. Also erstens gab es ja auch keine Jobdescription für mich, sondern so hey, komm mal mit dazu und dann gucken wir mal irgendwie. Und es war, glaube ich, relativ natürlich, wo ich mit reingehe und wo ich auch gar nicht mit reingehe. Dann gab es, glaube ich, so diese Grey Zones, wo es auch einfach ab und zu mal Reibungspunkte gab und wo wir uns dann auch finden mussten. Aber das schätze ich bis heute. Ich weiß auch, dass ich mal gesagt habe, also Basti, entweder überlässt du mir das jetzt und dann mache ich es so, wie ich es will oder du machst es. And that’s it. Ja, aber das musste sich natürlich auch irgendwie finden. Und ich finde aber, was wir immer geschafft haben, auch in solchen Reibungssituationen, die Kommunikation einfach super gut zu halten. Also ich finde es super, dass wir uns auch in einen Raum setzen können, wo du mir sagst, Mann, Anne, das nervt mich jetzt. Oder wo ich auch sagen kann, also Basti, it’s enough. Also das schätze ich sehr. Und das ist ja klar, dass man da reinwachsen muss. Und ich glaube, dann gab es so den dritten Bereich, wo ich auch lernen musste, ich habe dazu eine Meinung, die ist aber weder objektiv noch irgendwie klar, dass das die bessere ist und da lasse ich jetzt auch irgendwie los. Und so war das irgendwie, finde ich, eine Reise, die aber erstaunlich gut, finde ich, geklappt hat dafür, dass es keine Jobdescription gab, dass wir beide total Überzeugungstäter sind und manchmal auch sehr überzeugt sein können von unseren Meinungen. Und wie du sagst, manchmal finde ich, ist auch Reibung gut, um sich selber nochmal zu hinterfragen und irgendwie dann nochmal zu überlegen, was ist denn jetzt wirklich ein sinnvoller Ansatz. Aber finde ich auf jeden Fall wichtig, das nochmal zu reflektieren, wie eigentlich so unsere Anfangsphase war, obwohl wir ja schon vorher ein paar Jahre zusammengearbeitet hatten.

Nicht nur wir wachsen: Schwesterorganisationen in Europa

▶ Ab 15:26 auf YouTube ansehen

Basti Schwiecker: Was dann ja auch passiert ist, also nicht nur wir sind gewachsen, sondern unser ganzes Ökosystem, also es gibt ja in vielen anderen Ländern ähnliche Organisationen wie wir, also in Holland, Spanien, Frankreich, jetzt im englischen Sprachraum sowieso, da gab es das ja schon auch vor uns in den skandinavischen Ländern. Und da ist dann ja auch der Austausch irgendwie stark gewachsen. Also wir hatten jetzt letztens gerade ein Treffen mit über 20 Leuten irgendwie, das war damals, über 30 Leuten sogar, das war damals noch in viel kleineren Rahmen und ich glaube, da haben wir auch – du wahrscheinlich auch mehr als ich, denen geholfen sozusagen, die Sachen in den Start zu bringen und da die Organisation zu entwickeln und das vielleicht gleich von Anfang an auf solidere Basis zu stellen.

Anne Schulze: Das ist auch spannend, dass du das jetzt nochmal erwähnst. Also erstens stand dieser Teil definitiv nicht in meiner Jobdescription, weil wir es gar nicht wussten. Und das ist, glaube ich, was ich gar nicht so gedacht hätte, dass das irgendwie auch so eine Rolle von mir wird, weil es gibt ja immer noch mein Impostor-Syndrom und gerade auch in diesem Ökosystem, wo ich denke, ja, ich habe halt nicht den PhD aus Oxford, so kann ich nicht mitreden. Und ich glaube aber, was ich da auf jeden Fall mitgebracht habe, ist, dass ich einfach einen großen Mehrwert im Vernetzen sehe und das einfach auch gerne auf Menschen zugehe und sie vernetze. Und dass ich so ein bisschen diesen Community-Gedanken jetzt weniger von unseren Spenderinnen und Spendern, sondern eher von den gleichgesinnten Organisationen Dass ich da irgendwie so eine Rolle übernehme, das hätte ich irgendwie ursprünglich nicht gedacht. Aber ich glaube oder ich hoffe, dass sie einfach auch dem Ökosystem was zurückgibt, weil ich glaube, wir machen alle sehr ähnliche Dinge. Und wenn wir uns da untereinander helfen können, besser kennen, austauschen können, ist es einfach in itself auch nochmal viel wert.

Basti Schwiecker: Ja, also für alle nochmal hier, Anne hat Impostor-Syndrom. Crazy meiner Meinung nach. Also wenn es jemand nicht braucht, dann Anne. Ein ganz klein bisschen Verständnis in diesem ganzen Ökosystem und dieser Effekt des Alters, weil es gibt natürlich schon einen Haufen sehr, sehr smarte Leute, oft sehr, sehr junge Menschen, die halt dann irgendwie in einem Alter, in ihrem PhD finalisieren, wo ich irgendwie noch mit einem Abitur oder weiß ich nicht was gekämpft habe. Oder wir beide wahrscheinlich. Und da, genau, muss man halt eingestehen, so was. Nicht von jedem, beziehungsweise von so ziemlich keinem werde ich da die Paper challengen irgendwie, oder die Leute im Vier-Ecken-Rechnen schlagen oder was auch immer da anstehen könnte. Aber es gibt halt, genau, es gibt viele Skills und ich glaube einen, den du auf jeden Fall hast, also einerseits diese Management-Kapazität, aber auch irgendwie, dass Leute zusammenbringen und das zu kommunizieren und teilweise einfach ein bisschen Lebenserfahrung. Also wir sind ja, wir fühlen uns nicht so, aber in unserem Ökosystem sind wir, gehören wir zu, den Ältesten. Man kann ja gar nicht vermeiden, wenn man älter wird, nimmt man ein paar Erfahrungen mit und kann das dann vielleicht auch ein bisschen souveräner kommunizieren oder da Leuten genau zur Seite stehen. Ich glaube, das ist auf jeden Fall ein wichtiges. Oder wie du dich selber als EA-Grandma bezeichnet hast.

Anne Schulze: Das schneiden wir natürlich raus. Aber ja, ich finde es auf jeden Fall spannend, dass ich in dem Ökosystem mich auf mehreren Dimensionen als Minority fühle, was Gender angeht und was Age angeht. Sind ja auch, wie du weißt, einige meiner Kritikpunkte, aber da gehen wir jetzt mal nicht drauf ein. Aber vielleicht gehen wir nochmal zurück.

Basti Schwiecker: Also das Ökosystem ist schon sehr männlich, nerdy irgendwie geprägt oder sowas. Insofern, genau, also da glaube ich auch eine gute oder auch ein bisschen vielleicht Vorbildfunktion oder sowas zu zeigen. Man muss nicht ein IQ von 160 haben. Okay, sorry. Das kommt jetzt vielleicht falsch rüber. 159 reicht auch. Aber man muss nicht mit 24 seinen PhD in Philosophie und Physik fertig haben und ein Typ sein, um in dem System was reißen zu können.

Anne Schulze: Ja, yes. Aber gehen wir doch mal zurück, wenn wir jetzt irgendwie so drauf schauen. Es sind ja wirklich dann auch vier Jahre, seitdem ich da bin. Also ich würde sagen, es gab dann so die Phase, wo wir die Organisation skaliert haben oder auf stabiles Fundament gebaut haben, um sie skalieren zu können. Und dann ist ja trotzdem auch noch sehr viel, würde ich sagen, passiert, wenn wir mal nicht jetzt so dieses Stabilisierende nehmen. Ja, also wie du sagst, das Ökosystem insgesamt ist gewachsen. Es gibt viel mehr Organisationen im europäischen Ausland, die sowas machen wie wir. Aber wir haben ja auch nochmal ein bisschen anders angefangen auf unser Produkt zu schauen, weil wir einfach gemerkt haben, es interessiert nicht nur Mutti. Und sind meines Erachtens jetzt wirklich in dieser Phase, ich würde sagen in den letzten 12 bis 24 Monaten nochmal viel mehr so, was auch Outreach und Marketing und Growth angeht. Und wie können wir unsere Idee noch mit mehr Menschen auch außerhalb dieses intellektuell nerdy Ökosystems teilen.

Womit wir angefangen haben – und warum ohne KI

▶ Ab 20:15 auf YouTube ansehen

Anne Schulze: Eine Sache, an die ich denken muss, ist ja die Diskussion, mit welchen Themengebieten haben wir eigentlich angefangen? Also das weiß ich gar nicht mehr ganz genau. Was hattest du ganz am Anfang?

Basti Schwiecker: Also ganz am Anfang, in den ersten Monaten, gab es nur extreme Armut und Entwicklungszusammenarbeit. Also GiveWell war ja unser erster und nach wie vor wichtigster Partner, würde ich sagen. Dann kam aber im 2019 noch, zum Ende des Jahres, haben wir Klimaschutz und Tierschutz aufgenommen. Auch bewusst uns lange Zeit auf die Themen beschränkt. Auch damals war im Effektiven Altruismus ja schon das Thema KI, existenzielle Risiken, relativ groß. Und ich hab das, also das war ja noch lange vor ChatGPT, das war noch vor Corona auch, muss man sagen, das war es ja auch. Also existenzielle Risiken durch Pandemien war jetzt im öffentlichen Diskurs alles nicht vorhanden und klang schon sehr nach Sci-Fi. Und ich habe das bis zu einem gewissen Grad intellektuell schon verstanden, dass das sich lohnen könnte, da ein bisschen zu investieren, weil er wirklich die Welt als Ganzes gar nichts investiert hat und hat sich auch im Nachhinein als großer Fehler herausgestellt. Aber dachte, etwas blöd gesagt, das kriege ich nicht verkauft. Also das ist herausfordernd genug, also damals immer noch, aber damals noch mehr. zu sagen, hey, es gibt auch in der Entwicklungszusammenarbeit große Wirkungsunterschiede. Irgendwie da auf die besten Maßnahmen zu setzen, macht einen Unterschied. Beim Tierschutz vielleicht eher auf die Massentierhaltung achten als aufs Tierheim. Und auch beim Klimaschutz kann man ein bisschen smarter darüber nachdenken. Und da ist in all den Bereichen zumindest mal ein Problembewusstsein. Und ich dachte, das ist so viel neue Information, die ich kommunizieren will. Auch achte nicht auf die Verwaltungskosten. Irgendwie hinterfrag ich die klassischen Spendensiegel. Wenn ich dann jetzt auch noch ankomme mit irgendwie ja, wer weiß, was mit der AI irgendwann passiert oder hast du mal über Pandemien nachgedacht, so, dann würden wir die Leute irgendwie eher verlieren. Das wäre eher kontraproduktiv.

Neue Themen: KI und Demokratie

▶ Ab 21:56 auf YouTube ansehen

Anne Schulze: Jetzt haben wir ja sozusagen noch zwei weitere Themengebiete. Vielleicht können wir da einfach noch mal ein bisschen einsteigen, wie eigentlich die Historie ist.

Basti Schwiecker: Ja, ja. Also ich meine, das ist die Historie, warum wir sie nicht hatten, weil wir das nicht gesehen haben, weil wir dachten, wir haben keine Kapazitäten, waren wie gerade schon angedeutet, begrenzt, aber auch, die Öffentlichkeit, würde ich sagen, war oder wir waren noch nicht so weit, aber auch die Öffentlichkeit vielleicht nicht. Und dann ist leider, muss man in einigen Bereichen sagen, hat sich die Welt so verändert, dass es, dass andere Themen doch oder das zumindest mal ein Problembewusstsein entstanden ist. Also dieses Thema Pandemien oder existenzielle Risiken durch Viren ist nach Corona auf jeden Fall mal positiv gesprochen. Leichter zu kommunizieren, auch irgendwie das Thema Great Power Conflicts, also Kriege zwischen Großmächten. Das ist spätestens nach dem Ukraine-Konflikt irgendwie auch noch mal wieder deutlich geworden. Aber ja, the elephant in the room, würde ich sagen, ist natürlich KI. Also, wie angedeutet, im Effektiven Altruismus eigentlich schon fast, nicht ganz, aber fast seit Gründung ein großes Thema gewesen. Und das ist halt durch ChatGPT und allem, was seitdem passiert ist, also erstmal allen Menschen ist schon klar, das ist eine große Nummer. Aber inzwischen, gerade im letzten Jahr auch noch, das kann auch schief gehen, also in den falschen Händen und eventuell auch nicht nur in den falschen Händen. Und ein anderes Thema, das wir auch aufgenommen haben, kannst du gleich auch nochmal erzählen, ist Demokratie sozusagen. Da hat sich ja auch in den letzten Jahren nicht alles zum Positiven entwickelt. Also in Deutschland kann man da einige Entwicklungen kritisch sehen, international und nicht nur in den USA, auch in vielen anderen Ländern, auch in Indien. In Indonesien, in der Türkei gibt es da, ja, Sorge. Und auch das ist ja ein potenziell sehr, sehr gewichtiges Thema, dem wir uns dann auch gewidmet haben.

Demokratie: Großspender fragen nach Empfehlungen

▶ Ab 23:43 auf YouTube ansehen

Anne Schulze: Ja, genau. Inzwischen haben wir eben auch noch Demokratie als Themengebiet auf der Webseite. Und vielleicht einfach mal ein kleiner Exkurs. Das hat ja angefangen, weil Großspender und Spenderinnen uns gefragt haben, also irgendwie scheint das ja alles ein bisschen fragiler zu werden. Gebt uns mal Empfehlungen. Also Menschen, die sich mit unserer Methode auseinandergesetzt haben, vielleicht bisher im Bereich Armut oder Klima gespendet hatten, sahen auf einmal dieses Thema Demokratie auch als Thema, was bearbeitet werden sollte. Und dann hat sich ja unser Kollege Stephan Schwahlen auf den Weg gemacht, zusammen auch mit Stefan Shaw, und haben eigentlich geschaut, ja dann gucken wir mal, es muss ja irgendwie sowas geben wie GiveWell for Democracy. Also ein Evaluierer, der sich anschaut, was sind die Themen, was will man denn eigentlich verbessern und was sind Interventionen und dann Organisationen, die das gut können. Und das war sehr ernüchternd. Sie haben ja mit echt vielen Fachleuten gesprochen, Expertinnen und Experten und natürlich aus vielen Disziplinen. Natürlich ist es nicht so einfach von der Wirkungskette wie jetzt Armut. Es gibt viel Malaria, also hier ist eine Intervention, also bitte Netze verteilen. Aber es gab glaube ich wahnsinnig viele Daten, aber es gab wenig Verständnis darüber, was ist denn hier eine Wirkungskette, was sind Wirkungszusammenhänge und was sind Interventionen, die wirken und wo man auch hinspenden sollte. Und dann ist ja entstanden, also haben wir erstmalig so gemacht, dass die Spender und Spenderinnen aber gesagt haben, ja, bei uns scheint das Thema so wichtig. Wenn es da keinen Evaluierer gibt, also nicht so ein GiveWell for Democracies, dann müssen wir das halt bauen.

Basti Schwiecker: Ich würde noch kurz einhaken, weil ich eine Anekdote, die mir Stephan Schwahlen erzählt hat aus dem Versuch, genau da selber erstmal was zu recherchieren, war, also wie du sagtest, man hat ganz viele Expertinnen und Experten kontaktiert und auch Professorinnen und die unter anderem auch gefragt, hey, was würdest du denn empfehlen, in diesem Bereich zu machen? Und in meiner Wahrnehmung, und ich glaube, da bin ich nicht alleine, mangelt es wenig Professoren an Selbstbewusstsein. Und auch mal eine Meinung rauszuhauen und zu erzählen, was gut und richtig ist. Und nicht nur, dass die, die überhaupt irgendwas gesagt haben, was man denn da machen könnte oder sollte, dass es so all over the place war, also man war weit entfernt vom Konsens. Viele meinten auch, ich weiß es schlicht nicht. Und dieses Ich-weiß-es-nicht-aus-einem-Professor-zu-bekommen, so ist meiner Meinung nach auch nicht ganz einfach. Aber hat für mich nochmal gezeigt… Und erschütternd eigentlich.

Anne Schulze: Ja.

Basti Schwiecker: Und hat aber für mich nochmal gezeigt, okay, da ist wirklich eine große Wissenslücke.

Anne Schulze: Genau, und so ist dann ja quasi Power for Democracies entstanden, also der Evaluierer im Bereich Demokratien, mitfinanziert von Großspendern und Großspenderinnen von uns, und die sich auf den Weg gemacht haben. Und das ist echt ein mühsamer Weg gewesen, weil du hast natürlich, auf was gehst du denn irgendwie? Und es gibt ganz, ganz viel Daten, aber wie bringen wir die denn in ein Framework? Und auf jeden Fall, was man sich aber anschauen kann, ist, dass gewisse Indices auf jeden Fall mal sagen, es leben weniger Menschen als zuvor in liberalen Demokratien. Und wir sehen irgendwie the rise of authoritarian regimes sozusagen, wie du auch schon gesagt hast. Ja, und somit ist Power for Democracies an den Start gegangen, aber die haben natürlich auch erstmal eine Weile gebraucht, natürlich erstmal überhaupt das Team aufzusetzen, sich überhaupt Gedanken zu machen, was, wenn uns der Professor oder die Professorin das schon nicht sagen kann, so erstmal überhaupt sich mit einem Framework zu beschäftigen und zu sagen, wie schauen wir denn auf dieses Themengebiet? Und natürlich gehst du dann sehr schnell auch auf Länder, also wo ist die Bedrohung groß, wo gibt es aber auch eine Möglichkeit da zu intervenieren. Und was sind dann auch Spendenempfehlungen. Und so ist das ja eigentlich entstanden. Und wir haben mit Stephan Schwahlen jemanden im Team, der sich extrem gut mit dem Thema auskennt, sich während sozusagen dieser Evaluierer auf den Weg gemacht hat, sich sehr mit Demokratie in Deutschland beschäftigt hat. Das war so ein bisschen so ein Zwischenprodukt von uns, weil auch immer mehr Nachfrage quasi kam. Nicht ganz so geil hier, was mit der AfD und so weiter passiert. Was könnte man da denn tun? Und ich würde sagen, was wir bei Demokratie auf jeden Fall sehen ist, und da kannst du gleich nochmal sagen, ob du da eine Parallele auch zu KI siehst, dass es die Menschen mehr beschäftigt. Ich glaube, wir haben das ja auch irgendwie mal gesagt, so wir sind aufgewachsen zu einem Zeitpunkt, wo man dachte so, ja, Demokratie, that’s it irgendwie. Und das wird auch einfach voranschreiten und wir gehen halt wählen und das reicht so.

Basti Schwiecker: Ja, genau. Die Erwartung war halt irgendwie, also wir haben ja irgendwie die Mauer oder das getrennte Deutschland auch erlebt, dann ist die Mauer gefallen irgendwie, Osteuropa wurde weitgehend demokratisch, was super war. In Südafrika kam es zum Ende der Apartheid. Und ich dachte, Demokratie macht Sinn und das ist quasi ein Selbstläufer, weil das macht so offensichtlich Sinn, das wird sich schon durchsetzen. Und das ist eine Frage der Zeit, bis dann auch China demokratisch wird. Und der Trend hat sich auf jeden Fall … Also nicht nur verlangsamt, sondern teilweise ins Gegenteil verkehrt. Und selbst in etablierten Demokratien muss man sich ein bisschen Sorgen machen, ob die nicht sogar rückfällig werden können. Also wir haben gemerkt, es gibt die Nachfrage nach dem Thema. Weil ich sagen muss, also wir sind, also natürlich reagieren wir auch auf Nachfrage, aber wir sind jetzt bei Themen nicht völlig offen. So ist es uns schon wichtig, dass ein Thema das Potenzial hat, wirklich sehr, sehr viele Menschen zu erreichen und eine ganz große Wirkung zu haben. Also es gibt ganz viele Themen, denen würden wir uns unabhängig von der Nachfrage nicht widmen, weil wir glauben, da kann man schon theoretisch keinen großen Hebel ansetzen. Bei Themen Demokratie, denke ich, ist es theoretisch auf jeden Fall notwendig, weil neben dem Wert an sich, so gibt es genug Studien, auch einfache in Demokratien funktionieren so ziemlich alles andere auch besser. Also auch Wirtschaftswachstum, aber auch

Anne Schulze: Alle unsere Themengebiete. Also es gibt glaube ich auch Nachweise, dass alle unsere Themengebiete oder der Fortschritt und die Verbesserung in allen unseren Themengebieten eigentlich besser ist, wenn es auf demokratischer Basis agiert.

Basti Schwiecker: Genau. Also sozusagen Demokratien, also ein Wert an sich, aber auch ein super Mittel zum Zweck. Die Frage ist, was kann man machen? Und das ist schon schwierig. Power for Democracies arbeitet jetzt. Haben wir auch eine Podcast-Folge mit Markus Beeko, mit dem Gründer und Geschäftsführer, gemacht und haben da erste Ergebnisse. Aber klar, schauen wir mal, wie sich das weiterentwickelt und so. Und das hält auch immer da die Herausforderung vielleicht noch offensichtlicher als in anderen Bereichen so, dass man sehr vorsichtig sein muss. Nicht alles, was gut gemeint ist, führt dann auch zu den Ergebnissen. Kann natürlich auch kontraproduktiv sein, wenn man vielleicht zu partisan vorgeht oder sowas. Oder das muss man zumindest mal so im Kopf haben. Oder kann man sich überhaupt in, also aus dem Ausland heraus, kann man sicherlich in anderen Moskitonetze verteilen, ohne dass einem das einer krumm nimmt. Aus Deutschland heraus eine Pro-Demokratie-Organisation in der Türkei oder anderen Ländern zu unterstützen, kann man per se schon mal kritisch sehen, weil ich will ja auch nicht, dass sich jetzt Elon Musk und andere Leute hier einmischen in unsere Demokratie. Also ich glaube nicht, dass es deshalb keine Möglichkeiten gibt, aber es ist auf jeden Fall ein dickes Brett.

Anne Schulze: Ja, genau. Es ist auf jeden Fall deutlich komplexer, weil du nochmal, es ist eine unklare Wirkungskette, Kausalität, Korrelation, viel schwieriger und du hast dann noch diese ganzen, was du gesagt hast, die ganzen Herausforderungen auf dem Weg: In welchem Land darf eine NGO überhaupt Spenden aus dem Ausland empfangen? Hat das dann irgendwie wiederum, führt das zu erhöhten Risiken von der NGO und so weiter und so fort. Also Dinge, über die ich mir vorher bei unseren Armutsorganisationen eigentlich keine Gedanken gemacht habe, weil das da einfach so trivial ist und Entwicklungszusammenarbeit wird jetzt von den meisten Menschen wenig kritisch gesehen.

Basti Schwiecker: Ja, genau. In dem Bereich gibt es halt, wie eigentlich in allen Bereichen von uns außer dem Bereich Armut, keine randomisierten kontrollierten Studien, die über 20 Jahre laufen und man weiß so ziemlich, wenn wir da noch ein paar Euro mehr reinschmeißen, dann wird da was Gutes dabei rauskommen. Da ist die ganze Angelegenheit nochmal komplexer.

Existenzielle Risiken durch KI

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Basti Schwiecker: Das gilt auch für einen anderen Bereich, den wir auch aufgenommen haben und der aktuell mindestens so in aller Munde ist, wie das Thema Demokratie. Nämlich existenzielle Risiken, insbesondere existenzielle Risiken durch künstliche Intelligenz. Also da sind ja auch, also da ging die Entwicklung selbst für viele aus dem Effective-Altruism-Umfeld, die da schon immer offensiver in ihren Einschätzungen waren, wie schnell das Ganze gehen könnte und wie transformativ das ist. Aber auch die wurden eigentlich fast alle noch mal überrascht, wie schnell es jetzt ging. Also gerade durch die ganzen Chatbots, ChatGPT, Gemini, Claude, sagen die ja ganz viele Leute inzwischen täglich nutzen und die halt, also nicht täglich, aber in einem unglaublichen schnellen Tempo besser werden. Auch der Ukraine-Krieg hat es gezeigt, autonome Waffen, Drohnen, Systeme irgendwie spielen eine immer größere Rolle. Gerade hat der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Fedorov angekündigt, er möchte jetzt die Army of Robots bauen und hat da ein Video gepostet, den Terminator bauen. Also es sieht auch aus in dem Video wie der Terminator und möchte, dass er im nächsten Jahr diese humanoiden Kampfroboter Menschen töten. Also da muss man jetzt, also genau Sachen, die halt vor Jahren noch als Sci-Fi abgetan werden konnten, sind so jetzt, wir reden halt davon, dass das im nächsten Jahr möglicherweise aktiv ist und wenn nicht im nächsten Jahr, wer glaubt denn, dass das in den nächsten zehn Jahren nicht eine Möglichkeit ist zumindest und dass das in den falschen Händen ein Problem sein kann? Oder, wir merken es jetzt ja auch durch die ganzen Hacking-Vorfälle von irgendwelchen KI-Agenten, die sich nicht immer daran halten, was der Mensch ihnen vorgegeben hat, dass wir die Kontrolle verlieren und möglicherweise katastrophale Dinge passieren. Und genau deshalb haben wir uns dem Thema jetzt auch gewidmet.

Anne Schulze: Ja, genau. Und ich glaube, was man auf jeden Fall sehen kann, dass es in unserem Ökosystem, also dem EA-Ökosystem auf jeden Fall, ja wie du sagst, schon lange ein Thema war. Ich glaube sogar damals unsere Vorgänger sind ja damals aus der Schweiz nach Deutschland gekommen und sogar damals schon, was ja jetzt wirklich viele Jahre her ist, zumindest mal erstmal in die UK und dann in die Bay Area gegangen, um sich dem Thema zu widmen, wo ich noch gar keinen Zugang zu dem Thema hatte.

Basti Schwiecker: Genau, also die haben das damals, 2016, da haben wir noch bei der, für das Projekt der Benckiser Stiftung gearbeitet, da hatten wir öfters, weil wir uns ein Büro geteilt haben, beim Mittagessen drüber gesprochen und also ich hatte eine große Freude, da meine Witzchen drüber zu machen und das so ein bisschen ins Lächerliche zu ziehen. Und ja, Problem ist immer, wenn ich die Jungs hab ausreden lassen, so dachte ich, okay, fuck, ihr habt schon ganz gute Argumente, so ja, das macht alles Sinn und nicht alles lässt sich so leicht irgendwie banal abtun, aber ich dachte zumindestens, okay, kann ja sein, aber da mache ich mir Gedanken drüber, wenn ich Richtung Rente gehe oder sowas in 20, 30, 40 Jahren oder vielleicht ist es nicht mal für mich nie relevant. Das können wir dann machen, wenn wir halt die Armut abgeschafft haben und alles andere ist erledigt. So, dann widmen wir uns mal ganz entspannt der KI. Und ja, turns out, so viel Zeit habe ich nicht.

Anne Schulze: Wusste nicht, dass du schon morgen in Rente gehst.

Timelines: Künstliche Intelligenz im Mainstream

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Basti Schwiecker: Ja, genau.

Anne Schulze: Timelines, also das ist ja das Krasse, wie sich die Timelines verändert haben. Ich glaube, wie sich die Zeitschienen verändert haben und auch wie sehr das jetzt doch in der breiten Masse angekommen ist. Das sieht man, würde ich sagen, daran, dass es neulich erste Nachricht, also nach dem Hugging Face Incident, auf einmal in der Tagesschau war, wo wir auch gleich irgendwie geslackt haben, so hey krass, das ist jetzt in der Tagesschau, oder jetzt war es gerade in der neuesten Ausgabe vom Economist. Das ist auf jeden Fall, ja wir reden ja immer gern Englisch, so KI is going mainstream.

Basti Schwiecker: Und von allen Seiten, das ist interessant, es ist ja nicht nur irgendwie, dass diese Effective- Altruism-Community da jetzt irgendwie weiterhin die einzigen sind, die darauf hinweisen, oder irgendwelche anderen Nischen-Communities. Das hatte jetzt gerade Karl Koch von der AI Whistleblower Initiative auch im Podcast und der kam gerade von einer Konferenz aus den USA, wo unter anderem halt Bernie Sanders und wie heißt er, der Breitbart-Gründer, aus dem rechten Umfeld auf jeden Fall. Steve Bannon mit dabei war sowas. Also so eine unheilige Allianz möchte ich sagen. Aber Sorgen gibt es ja von allen möglichen Richtungen. Und auch, also manchmal habe ich für mich absurden Vorwurf gehört, dass, genau das ist so ein Nischenthema von irgendwelchen Freaks oder so, auch Leute, die wirklich nicht im Verdacht stehen, da zuzuhören und die auch nicht im Verdacht stehen, dumm zu sein. Unter anderem Terence Tao. Also ihr könnt ja mal alle die KI fragen, einfach, wer ist der intelligenteste lebende Mensch der Welt? Nenn nur einen Namen, liebe KI. Ich hab’s mit allen KIs ausprobiert und immer der Best Guess war Terence Tao, so ein Mathe-Genie, Mathe-Professor, inzwischen in den USA lebend. Wirklich ein smarter Dude und auch der, der zusammen mit einem Haufen anderer irgendwie der renommierteste Mathematiker der Welt gesagt hat, also weil er auch gesehen hat, was in der Mathematik gerade die KI schon alles kann. Das kann auch verdammt schief gehen. Also das sind definitiv Leute, also diverse Nobelpreisträger und sowas, also eine Menge smarte Leute und ich denke, es lohnt sich da auf jeden Fall zu investieren, die Chancen zu erhöhen, dass wir das Ganze gut hinbekommen. Weil das wäre super, dann gibt es tolles Potenzial, keine Frage.

Was können Spenden gegen KI-Risiken tun?

▶ Ab 36:29 auf YouTube ansehen

Anne Schulze: Und du hast ja jetzt ein Interview mit Karl kürzlich geführt. Und vielleicht nochmal, weil ich glaube, was ich denke, ist so, dass Menschen das einfach in ihrem Alltag mehr nutzen und auch sehen so, ja okay, das ist ja crazy, was mir das für Aufgaben abnehmen kann und so weiter. Und dann haben die einen oder anderen wahrscheinlich auch irgendwie jetzt vom Hugging-Face-Incident und irgendwie ja, die kann auch unkontrolliert sein. Aber ich glaube, es wäre nochmal ganz cool, vielleicht auch aus deinem Gespräch mit Karl so, worin bestehen denn mögliche Lösungsansätze, das doch noch gut hinzukriegen oder diese bösen Absichten irgendwie einzudämmen. Weil das ist ja der Link, wo wir dann auch mit Spenden reingehen wollen. Ich glaube, das ist manchmal aber noch sehr abstrakt. Also was kann ich denn da irgendwie überhaupt machen?

Basti Schwiecker: Ich glaube das ist auch bei Demokratie, es gibt teilweise so eine Diskrepanz zwischen Menschen, also auch wir, sehen ein Problem, sehen auch, das ist ein großes Problem, aber was kann ich tun oder können irgendwie auch Spenden Teil der Lösung sein? Also bei Entwicklungszusammenarbeit weiß jeder, okay, in Afrika, in anderen Regionen der Welt, wo noch sehr, sehr viele Menschen in extremer Armut leben, da ist ganz klassisch klar, ich spende da was irgendwie da so und damit kann ich dieses Leid reduzieren. Beim Tierschutz auch relativ intuitiv, beim Klimaschutz mehr ‘nen bisschen Challenge, weil da vielleicht teilweise andere Sachen auch im Vordergrund stehen, dass man auch mit Spenden viel bewegen kann.

Anne Schulze: Aber eher weil unser Ansatz immer ein bisschen anders ist. Also ich glaube, dass man da mit Spenden was tun kann, ist da auch noch.

Basti Schwiecker: Ja. Aber komplexer wird es bei Demokratie und gerade bei der KI. Also da verstehe ich auch, dass man sich so ein bisschen ohnmächtig fühlen kann. Wie sollen wir denn jetzt Elon Musk und andere da irgendwie beeinflussen?

AI Whistleblower Initiative und METR

▶ Ab 38:02 auf YouTube ansehen

Basti Schwiecker: Aber ich glaube, es gibt eine ganze Menge smarte Ansätze. Also genau diese AI Whistleblower Initiative ist sicherlich einer, den ich finde, den man ganz gut intuitiv nachvollziehen kann. Einfach, dass die Mitarbeitenden in den großen KI-Firmen, die ja dann näher dran sind, die die neueste Entwicklung sehen, also die die neuen Modelle sehen, bevor sie rauskommen und dann auch vielleicht früher mitbekommen, dass das gefährlich sein könnte, dass man denen hilft, einen Rechtsrahmen zu geben und unterstützt halt: Erzählt’s! Blow the whistle! Also genau, petzt das irgendwie, wendet euch an Journalisten, wendet euch an den Kongress oder an die Politik oder so und da halt Kanäle zu schaffen, dass diese sozusagen als Frühwarnsystem dienen können, dass halt eventuell Staaten oder andere Institutionen noch eingreifen können, sodass es jetzt, also das wird jetzt alleine nicht irgendwie alle Probleme lösen, aber das scheint mir jetzt sozusagen eine Initiative, die einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, irgendwie die Chancen ein bisschen zu verbessern. Eine andere Organisation, die wir auch im Podcast schon hatten und die wir auch unterstützt haben, ist METR. Kennen vielleicht sogar einige, die evaluieren quasi die neuen KI-Modelle und arbeiten auch relativ eng mit den großen Labs zusammen. Auch Idee ist einfach, dass unabhängige Prüfer die neuesten Modelle testen. Also nicht nur wie toll die sind, sondern auch irgendwie: Wie leicht ist es, die zu missbrauchen? Wie mächtig sind die? Wie gefährlich sind die? Irgendwie machen die, was man ihnen sagt, dass sie machen oder entwickeln die quasi irgendein unkontrolliertes, unnachvollziehbares Eigenleben. Und wenn diese unabhängigen Prüfer irgendwie da in der Gefahr sind, dann eventuell, dann warten wir mal vielleicht eine Runde ab. Also scheinen wir jetzt auch in der Richtung auf jeden Fall relativ objektive, gute Sache zu sein, die nicht alles irgendwie lösen würde, aber einen Beitrag zu leisten. Also ich glaube, es gibt schon Möglichkeiten, halt nicht in der Ohnmacht zu versinken, sondern die Chancen zu erhöhen, dass die ganze Sache gut geht.

Von Armut bis KI: unser Themenportfolio

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Anne Schulze: Genau, das ist für mich immer insgesamt nochmal so spannend, wenn man jetzt auf unser Portfolio an Themen schaut, hast du halt sehr unterschiedliche Produkte oder unterschiedliche Themengebiete, die so unterschiedliche Charaktereigenschaften, würde ich sagen, haben. Sie folgen immer dieser Methodik. Es ist ein großes Problem. Wir versuchen irgendwie eine Intervention zu finden, die funktioniert oder funktionieren kann. Und dann eben Organisationen, wo du eben auch hinspenden kannst. Das zieht sich ja durch. Aber ich würde sagen, wenn du jetzt von Armut, Klima, also Tierwohl, Demokratie und KI gehst du so von dem, ich sage ja ganz oft so, das Thema Armut ist so ein bisschen wie ein ETF. Es ist zählen, messen, wiegen. Du weißt ja genau, was du kriegst. Du weißt, dass es irgendwie funktioniert und du kannst auch, jeder zusätzliche Dollar führt irgendwie zu mehr Wachstum und zu mehr, was weiß ich, Malarianetz, weil wir es jetzt viel gesagt haben. Und das ist irgendwie so ein safe bet. Und je weiter du dich davon entfernst, also ich würde sagen Klima und Tierleid gibt es auch schon sozusagen Beweise, dass es funktioniert. Und das ist irgendwie vielleicht unsere Sachen sind ein bisschen das unkonventionellere als das Tierheim und das Bäume pflanzen, weil du mehr auf die großen Hebelwirkungen gehst. Und dann gehst du halt in den Bereich, wo du gesagt hast, wir können fast keine randomisierten Studien machen und du gehst eigentlich dahin von, du versuchst, zukünftige Risiken zu vermeiden. Und wenn du nur irgendwie eine Chance siehst, dass du darauf einwirken kannst, sagst du, wir nennen das ja mal der Erwartungswert oder Expected Value ist so hoch, also wir müssen da reingehen.

Basti Schwiecker: Also wir, gerade bei der KI, wir versuchen ein Problem anzugehen, von dem wir gar nicht, wir wissen nicht, wann es kommt. Streng genommen, wir wissen nicht mal, ob es kommt. Also auch viele der Leute, die da große Sorge haben, fast niemand sagt, hundertprozentig werden wir alle sterben. Aber es gibt eine Chance, dass eventuell sehr großes Leid, also wirklich bis zur Auslöschung der Menschheit sehr, sehr große Zeit passieren könnte. Viele davon halten das schon auch für sehr unwahrscheinlich. Aber sehr unwahrscheinlich heißt oftmals, ja, zehn Prozent oder Dario Amodei, der Gründer von Anthropic, also der schon offensichtlich ein bisschen Ahnung hat von KI, sieht ein Risiko von 25 Prozent. Und selbst wenn es ein Prozent wäre, also wenn ich die Chance habe, also ich steige ins Flugzeug und ein Prozent der Wahrscheinlichkeit stürzt es ab, dann steige ich nicht ins Flugzeug. Niemand würde, also die wenigsten Leute würden ins Auto, ins Flugzeug, was auch immer steigen, wenn sie 100 Chancen hätten, dass man dabei stirbt. Und das sollten wir als Gesellschaft auch nicht sehen. Also auch bereit sein für ein nur potenzielles Risiko zu investieren. Und das gilt natürlich nicht nur für KI, sondern auch für Pandemien oder andere Sachen. Also wenn wir vor Covid ein bisschen mehr investiert hätten, uns darauf vorzubereiten, hätte sich im Nachhinein wahrscheinlich gerechnet. Obwohl für jeden einzelnen Jahr es unwahrscheinlich ist, dass eine Pandemie ausbricht und niemand weiß, wie schlimm die dann ist oder sowas. Aber genau, so ein bisschen wie so eine Versicherung. Da investiert man ja auch für den unwahrscheinlichen Fall, aber damit man dann irgendwie gewappnet ist und das Leben nicht vorbei ist.

Anne Schulze: Genau, aber das erklärt so ein bisschen, ich finde das immer auch spannend, auch in Gesprächen, die ich mit Spenderinnen und Spendern führe, einfach nochmal auf unser Portfolio so einzugehen, weil du unterschiedliche, natürlich hast du unterschiedliche Themengebieten, du hast unterschiedliche Ansätze und deine Spender hat zumindest auch eine unterschiedliche Gewissheit. Und das hängt dann natürlich, finde ich, auch immer sehr von den persönlichen Präferenzen ab, wie du dich dann entscheidest. Und auch wenn wir im Team darüber sprechen, auch mein Spendenverhalten hat sich total verändert. Ich kam voll aus dieser Entwicklungszusammenarbeit. Und dann war Klima ja irgendwie sowieso so ein Thema. Und dann, ich bin ja schon sehr lange Vegetarierin und habe dann gemerkt, das reicht vielleicht gar nicht. So habe ich dann das schön ausgeweitet. Und ich war definitiv auch noch Camp: Ich verstehe nicht genau, was dieses AI-Safety soll da vor zehn Jahren. Dann kam irgendwie dieses Unbehagen bezüglich Demokratie dazu. Und dann kam auch das Thema, okay, also Pandemien finde ich jetzt auch nicht ganz so cool und da scheint man ja was machen zu können und das KI-Risiko verstehe ich jetzt auch und ist nicht mehr Science Fiction. Also genau, wenn man sich mein Spendenverhalten anguckt, sind das einfach alle Themengebiete mit unterschiedlichen Begründungen. Und ich glaube, es ist bei dir wahrscheinlich ein bisschen ähnlich so gewesen.

Basti Schwiecker: Ja, ja, absolut. Also es ist ja auch ganz schön, es gibt ja auch diese alte Startup-Regel, eat your own dog food. Also nutze das, was du baust, auch wenn du es schon nicht spannend findest, wer soll es denn machen. Also ja, we are eating our own dog food.

Anne Schulze: Ja, und das ist ja auch wirklich so toll, Zugang zu diesen ganzen Bereichen zu haben. Und überall auch. Unser Modell ist ja immer dasselbe. Wir haben immer den Evaluierer, der uns die Empfehlungen gibt. Das sind nicht Anne und Basti, die nicht nur ihren Dogfood essen, sondern die irgendwie vielleicht zufällig mal Organisationen gut finden. Nein, wir arbeiten ja eigentlich in allen Themengebieten immer mit einem Evaluierer, der uns dann Empfehlungen gibt. Diese Evaluierer sind unterschiedlich alt sozusagen und robust. Und die einen können randomisierte Kontrollstudien fördern und die anderen eben nicht. Aber das ist ja auch, wenn die Themengebiete sich sozusagen in dem Ansatz der Intervention unterscheiden, ist das ja trotzdem irgendwie so die Methode, die immer gleich ist. Und ich finde, wir arbeiten überall auch einfach mit wunderbaren Menschen zusammen. Also das flasht mich immer und führt auch vielleicht so ein bisschen zum nächsten Thema.

Die Menschen hinter den Organisationen

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Anne Schulze: Ja, auch wenn ich manchmal Impostor-Syndrom in diesem Ökosystem habe, aber wenn ich dann dem einzelnen Menschen begegne, bin ich immer wahnsinnig begeistert von ihrer Story, auch ihrer Hingabe, ihrer Mission, ihrer Leidenschaft so für diese Sache zu brennen. Manchmal fühlen wir uns dann ja so ein bisschen, okay und wir sind jetzt die, die hier so die Spenden hin und her schieben.

Basti Schwiecker: Es fühlt sich so ein bisschen, also doppelt fake an. Das eine ist genau, also ich habe immer noch mal mehr Respekt in gewisser Weise vor den Leuten, die dann wirklich im Feld aktiv sind. Also das kann in Afrika sein, aber auch auf der KI-Konferenz oder der Klimakonferenz oder die dann die Paper schreiben und rausbringen irgendwie sozusagen, ist es gewisserweise ein bisschen praktischer als wir sitzen hier in Berlin, tippen ein bisschen und machen mal einen Telefonanruf oder so. Hat wahrscheinlich auch seinen Wert, aber manchmal fühlt man sich ja doch so als Mittelsmann. Und auch in letzter Zeit habe ich es wieder erlebt, wie viel Gas die Leute geben. Ich würde uns jetzt nicht unterstellen, dass wir irgendwie faul sind oder hier um fünf den Stift fallen lassen oder den Laptop immer zuklappen. Aber das Ausmaß an Dedication, das die Leute da reinbringen und wie hart die arbeiten, wie viel Gas die geben, das ist schon beeindruckend. Allein das, da denke ich immer schon, die meisten von denen arbeiten ja für einen schmalen oder teilweise sehr schmalen Taler. Ich kann ihnen Geld geben, dass die halt hier 70 Stunden buckeln und ihre krassen Talente da einbringen. Für einen schmalen Taler ist das ja ein super Deal. Kann ich auch allen Leuten, die hier spenden wollen, empfehlen. Also macht das gerne selber, aber für viele die bequemere Variante ist, die die anderen Menschen unterstützen.

Anne Schulze: Ja und das ist ja auch so ein bisschen der Grund, manchmal wird ja sozusagen unser Ökosystem, der Effektive Altruismus, wird irgendwie so die kalten, kühlen Nerds. Und wenn du dann aber wirklich dich mit den Menschen dahinter beschäftigst, finde ich so, that’s just bullshit. Und Basti, das ist ja der Grund, warum wir gemacht haben, was wir gemacht haben, nämlich, in Leichtigkeit …

Wir haben ein Buch geschrieben

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Basti Schwiecker: Wir haben ein Buch geschrieben. Sounds crazy? It is crazy. Für alle, die mich kennen, das stand nicht auf meiner Bingo-Card, weder für 2026 noch für irgendein Jahr. Um noch ganz kurz die Brücke zu schlagen zwischen 2021 oder 2022 und dem jetzigen Jahr mit Anne und dem Rest des Teams haben wir nicht nur geschafft, den ganzen Laden auf solidere Füße zu stellen, sondern sind auch nach wie vor weiter gewachsen, jetzt nicht ganz so crazy Sprünge wie vielleicht in den Anfangsjahren so. Und haben letztes Jahr knapp 30 Millionen an Spenden für die von uns empfohlenen Organisationen gesammelt, auch in Österreich und in der Schweiz. Und sind da auch ein bisschen stolz drauf. Andererseits sind wir immer noch ein Nischenplayer, was den gesamten Spendenmarkt angeht. Die kriegen nicht die Aufmerksamkeit, von der wir denken, oder die Themen kriegen nicht die Aufmerksamkeit, von der wir denken, dass sie die bekommen sollten. Und ein Gedanke, den wir jahrelang mit uns rumgeschleppt haben, wie wir dachten, dass wir das Thema noch bekannter machen können, ist ein Buch zu schreiben.

Anne Schulze: Genau. Wir haben ein Buch geschrieben und haben uns aber auch gedacht, wir wollen ja kein dröges Sachbuch schreiben, wo wir irgendwie unsere Ideen in einem langweiligen Sachbuch irgendwie platzieren, sondern das, was wir eben gesagt haben, diese Menschen mit ihrer Begeisterung, mit ihrer Hingabe, mit ihrer Dedication zu porträtieren und möglichst hoffentlich vielen Lesenden zu erzählen, warum machen diese Menschen, was sie machen. Und was hat sie auch dahin geführt? Ja, und dann haben wir ja jetzt in den letzten Monaten mit vielen Menschen aus unserem Ökosystem, aus über allen Themengebieten, das fände ich wirklich sehr, sehr cool, Interviews geführt. Und aus diesen Interviews sind halt dann sozusagen Porträts geworden, die wir in das Buch aufgenommen haben.

Warum ein Buch für uns lange keine Option war

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Basti Schwiecker: Ja, also vielleicht nochmal der Grund, warum wir das so crazy finden, ein Buch zu schreiben. Also wir haben lange drüber nachgedacht, auch damit können wir vielleicht nochmal mehr Aufmerksamkeit erreichen. So, das stand nie zur Debatte, aber wir dachten, wenn wir da uns jetzt selber dran setzen, viele Herausforderungen. Das eine, Procrastination. Procrastination ist auf jeden Fall bei mir ein Thema. Da dachte ich, okay, also ein Problem ist, es wird 14 Jahre dauern, dieses Buch zu schreiben. Ich werde mich und das Leben hassen während dieses Prozesses. Und dann wird es unglaublich langweilig und selbst meine Mutter wird es nicht bis zu Ende lesen. Also das waren so die Herausforderungen oder für mich immer die Argumente, warum ja theoretisch gut, aber praktisch nein. Dann haben wir mit ein paar Leuten gesprochen und natürlich kann man sich auch in dem Bereich Hilfe und Coaching holen oder Support. Gerade mit Leuten, die das schon mal gemacht haben, auch die sich in dem Prozess auskennen. Und genau haben das adressiert auf verschiedenen Ebenen, die teilweise auch so ein bisschen ineinander greifen. Also das eine, meine Sorge, das ist halt, oder auch deiner, glaube ich, so ein langweiliges, dröges Sachbuch ist, also quasi eine in Prosa gegossene Excel-Tabelle. Da haben wir schon mal, glaube ich, dadurch oder dieses Risiko minimiert, indem wir halt genau uns darauf fokussiert haben. Wir wollen eher Geschichten erzählen von Menschen, die uns so unglaublich begeistern und die vorstellen, sehen zumindest eine Chance, dass das irgendwie auch ansteckend ist, dass nicht nur wir die so spannend und gut und inspirierend finden. Und das eher den Fokus zu machen und eher sparsam mit der Theorie oder irgendwelchen abstrakten Konzepten vorzugehen. Und dadurch natürlich, dass wir dann ganz viele Interviews geführt haben, haben wir dadurch auch schon viel Content generiert. Dadurch mussten wir nicht 200 Seiten komplett aus dem Nichts heraus füllen, sondern hatten diese Geschichten als Basis.

Anne Schulze: Ja, und das war ja insofern auch cool, ich erinnere mich daran. Daran sind ganz viele Dinge faszinierend. Also vielleicht nochmal für mich war so auch definitiv „Moralische Ambition“ von Rutger Bregman da Inspiration, weil der ja auch eben unterschiedliche Personen porträtiert. Ich dachte, ja das ist irgendwie viel spannender, weil du auf der menschlichen Ebene connecten kannst und dann auch sagen kannst, hey irgendwie cool, was die gemacht haben. Also Joey Savoie, der Gründer von Charity Entrepreneurship, wird ja zum Beispiel porträtiert. Das fand ich irgendwie ein wunderbares Kapitel, das zu lesen.

Basti Schwiecker: Ja, weil es mich auch erinnert, noch lange vor effective altruism, im Studium habe ich mal ein Buch gelesen von David Bornstein, „How to Change the World“, das ging so über soziales Unternehmertum, Social Entrepreneurship und das hat mich damals auch total begeistert. Also bis zu einem gewissen Grad ist das schon Nischencontent, ein gewisses Interesse, wahrscheinlich eine Thematik muss man mitbringen. Aber das hat mich sehr inspiriert, sehr motiviert, das habe ich wirklich gerne gelesen. Das waren moralische Ambitionen, wie du gesagt hast, aber Vorbilder zumindest, denen wir nacheifern wollen.

Wer ins Buch kommt

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Anne Schulze: Ja, und dann hat sich ja die Idee so ein bisschen weiter gesponnen, auch durchaus mit Push von externen Personen, die sagten, jetzt macht es halt. Und für uns war klar, wenn wir es machen, müssen wir es halt jetzt auch irgendwie machen, dass es noch zur Spendensaison sozusagen rauskommen kann, die ja für uns wichtig ist. Und dann haben wir überlegt, mit wem könnten wir denn irgendwie sprechen? Und dann haben wir überlegt, ja okay, über die verschiedenen Themengebiete und idealerweise auch ein paar deutschsprachige, vielleicht aber auch ein paar Heroes von uns. Und das erste, was mich schon mal wieder total geflasht hat, also wir haben die Leute dann angeschrieben, wir wollten glaube ich ursprünglich zwölf Leute porträtieren, haben dann glaube ich gedacht, okay dann schreiben wir mal ein paar mehr an, weil da wird es bestimmt ein paar geben, die dann irgendwie nicht das machen wollen und uns nicht antworten. Und turns out, alle ungefähr haben mit 48 Stunden geantwortet, ja, ich bin dabei. Und dann wir so, ja, okay, was machen wir denn jetzt? Dann war das Nächste, okay, dann führen wir mal diese Interviews und dann gucken wir mal hinterher, wer eine coole Story hat, haben wir noch ein bisschen was so in petto. Turns out, alle Geschichten waren sehr cool. Und ich erinnere mich, dass wir ja diese Interviews dann auch geführt haben. Auch noch unterstützt von jemanden, der eben nicht aus unserer Welt kommt, was glaube ich ganz gut war, um einfach irgendwie nicht gleich auf diesem Nerd-Level einzusteigen, sondern wirklich einfach nochmal auch so ein paar grundlegende Fragen zu stellen. Und ich glaube, ich habe dir sehr oft nach dem Interview immer geschrieben, Basti …

Basti Schwiecker: Nach dem Interview, während des Interviews haben wir irgendwie per Slack …

Anne Schulze: I love him oder I love her. Ja, weil mich jede Geschichte auch so berührt hat und so begeistert hat. Und wir haben halt in den Interviews, das werdet ihr dann in dem Buch auch sehen, sind wir häufig auch nochmal auf so ein bisschen die Lebensgeschichte eingegangen und haben versucht so ein bisschen daran zu kommen, warum machst du eigentlich heute was du machst und wer bist du und was hat dich in deinem früheren Leben vielleicht auch geprägt, sei es dein Elternhaus oder Erfahrungen in der Schulzeit oder in der Studienzeit. Das sind ja jetzt Sachen, die ich nicht so oft mit Menschen bespreche, wenn ich sie bespreche, wohin die Spende jetzt geht und das Grant Agreement unterzeichne. Und das war auf jeden Fall irgendwie nochmal auch sehr berührend.

Basti Schwiecker: Also wir haben auch für uns natürlich, war so ein Blick hinter die Kulissen. Also wir kannten die Leute alle oder hatten in irgendeiner Form mit denen Kontakt, aber in der Regel haben wir uns mit deren Organisation beschäftigt und warum die so toll und so effektiv ist und irgendwie da in der Tat die Excel-Tabellen angeschaut und dann vielleicht so ein bisschen die Legal Requirements, also geschaut, dass wir die Spende da gut und gemeinnützigkeitskonform abwickeln und dass das alles seine Richtigkeit hat. Aber mit den Wenigsten haben wir ja gesprochen, so eigentlich, wo kommst du denn eigentlich her, was hat dich motiviert, warum tust du, was du tust? Weil das hat ja niemand mit der Excel-Tabelle angefangen, sondern die hatten ja alle irgendwie Leidenschaft für Themen oder für … entwickelt oder wollten sich gegen Leid engagieren in verschiedenen Bereichen und haben dann nach und nach erst, also nach dem richtigen Tool gefunden, da vorzugehen und so. Und das war schon echt beeindruckend.

Anne Schulze: Deswegen sind es jetzt nicht 200 Seiten geworden, sondern tatsächlich fast eher 300 Seiten. Aber es sind 300 spannende Seiten natürlich. Wir haben noch gar nicht gesagt, wie das Buch heißt.

Basti Schwiecker: 100x mehr.

Anne Schulze: Geschichten, wie deine Spende wirkt. Es ist auf jeden Fall ein Prozess gewesen. Also wir sind jetzt gerade nach dem Schreiben im Layout und jetzt dann auch sozusagen in der Buchvermarktung, die natürlich für uns auch extrem wichtig ist. Und also ich hoffe auf jeden Fall sehr oder wir hoffen sehr, dass es mehr Menschen auch interessiert als Mutti. Wie gesagt, ich finde die Geschichten sehr berührend und auf jeden Fall, also wer nach dem Lesen dieses Buchs sagt, das ist eine kalte, nerdige Bewegung, dann weiß ich es einfach auch nicht mehr.

Basti Schwiecker: Dem brauche ich nicht zu helfen. Aber was mich optimistisch stimmt, ist auch, ich erinnere mich zumindest, dass ich dich erst ein bisschen reinquatschen musste in diese Idee. Ich glaube, ich war ein bisschen more excited, was das Buch angeht. Mein Bruder ist auch nebenbei Autor, schreibt Romane, keine Sachbücher. Der hat auch mich motiviert und meinte, das ist nicht so unmöglich, wie du vielleicht denkst. Red da mal mit ein paar Leuten, dann könnte das eine gute Sache sein. Und der hat mich, der ist auch sehr überzeugend, da reingecoacht und ich war totally excited. Irgendwie, das müssen wir machen und wir müssen sofort loslegen und das kriegen wir noch dieses Jahr hin. Also insgesamt war der Zeitplan sehr ambitioniert, wie ich jetzt auch dann erleben musste. Und du warst am Anfang so ein bisschen zögerlich. Es stand zur Debatte, eventuell kann man das ja auch alleine machen. Aber irgendwann dachtest du, okay, lass machen und dann sehr schnell voll an Bord.

Von April bis November

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Anne Schulze: Ja, ich glaube, es ist lustig, nochmal zu der Timeline. Ich habe gestern mit unserer Layouterin gesprochen und dann habe ich nur ein bisschen erzählt und dann habe ich so gesagt, ja, ja, im April haben wir angefangen und dann sie so, diesen Jahres? Ich so, ja, diesen Jahres. Und sie so, oh wow. Also ich glaube, wir haben so die Timeline. Das Thema wir sind schnell, was wir ja am Anfang gesagt haben, ist ein Teil unserer DNA, haben wir auf jeden Fall auch in der Buchproduktion umgesetzt. Und ich glaube, ja, ich war auf jeden Fall skeptisch. Wie du weißt, ich schreibe gar nicht so gerne und hatte wahnsinnig, ich dachte so, jetzt irgendwie so ein dröges Sachbuch schreiben, ich krieg ein Vogel. Und ich habe auch noch ziemlich viele andere Dinge irgendwie zu tun. Das heißt, für mich war dieser Switch, also zwei Sachen, glaube ich. Einmal dieser Switch, so wir schreiben kein Sachbuch und wir, Anne und Basti, schreiben jetzt ein Buch, sondern wir erzählen Geschichten von Menschen, die uns begeistern. Das hat, glaube ich, dann dazu geführt, dass ich gesagt habe, okay, das klingt irgendwie cool und das klingt sinnvoll. Und natürlich auch, ich möchte mehr Menschen erreichen. Und wie kann ich mehr Menschen erreichen? Indem ich hoffentlich coole, spannende und berührende Geschichten erzähle. Und wenn wir das irgendwie dieses Jahr vorhaben und das dann in dem Format sozusagen machen, so dann bin ich dabei.

Basti Schwiecker: Ja, absolut. Trotzdem noch kurz auf die Timeline eingehen. Wir haben ja beide keine Erfahrung mit dem Buchschreiben und wie lange auch dann der Prozess dahinter irgendwie dauert mit Lektorat und Druck und Design und sowas. Ich war im August in Dänemark im Urlaub und da haben wir uns Richtung, wir waren ja noch nicht im Lektorat, aber ich dachte, wir sind auf der Zielgerade, war dann mal relativ lange Zielgerade, den Text fertigzustellen und hab dann auch im Urlaub noch einiges dran getan. Mein Bruder war auch dabei und der hatte auch für sein neues Buch, war ja auch schon im Lektoratsprozess und so, dachte ja irgendwie, coole Sache. Und dann irgendwann hab ich gefragt, wann soll denn dein Buch rauskommen und wann soll dein Buch rauskommen? Und unseres meinte ich ja, also unsere erste Novemberhälfte. Und er meinte, oh, seines nächsten Sommers. Da dachte ich, oh. Okay. Und da sind wir, glaube ich, eher die Ausnahme.

Anne Schulze: Also ich hoffe, es klappt alles. Wir haben auch hier bei nichts Puffer irgendwie. Wir hatten dann ja auch wirklich diese Interviews krass eng getaktet. Zum Teil irgendwie drei, vier Interviews in einer Woche über alle Themengebiete hinweg und dann daraus irgendwie …

Basti Schwiecker: Also es ist ja gut, dass wir es zu zweit gemacht haben und trotzdem das ein oder andere Überstündchen hat sich auf jeden Fall eingeschlichen in den letzten Monaten.

Anne Schulze: Und dann auch irgendwie auch wieder das Ökosystem so geil mitgespielt hat, weil wir haben dann ja irgendwie die Leute angesprochen, dann haben wir mit denen Interviews geführt, dann musste das irgendwie in Texte gegossen werden und dann mussten wir natürlich diese Texte nochmal mit den Leuten abstimmen und die hatten ehrlich gesagt 48 Stunden Zeit, weil wir das ja alles wieder zusammenziehen mussten, um dann irgendwie das zu einem Buch zusammenzubringen und Übergänge noch zu schreiben und dann das Ganze irgendwie ins Lektorat zu geben.

Basti Schwiecker: Und parallel dann auch Design und Lektorat. Also genau, wir arbeiten da mit einem sehr Startup-artigen Verlag zusammen, um die ganzen Sachen so zu machen. Und Anne, in dem Fall auch nochmal echt vielen Dank an dein Projektmanagement. Also erinnert mich jetzt schon wieder an das gesamte Story of Our Life. Ich push irgendwie die, lass mal machen, wird cool, wird geil, ich starte irgendwie so. Projektmanagement gehört da auch dazu. Ja, soll Anne machen. Ein bisschen hab ich schon auch gemacht sowas, aber ohne dich würde dieses Buch dieses Jahr nicht mehr erscheinen. Da können wir uns sicher sein.

Anne Schulze: Ja, das ist dann immer sinnvoll, wenn man diese Sachen wieder einbringt, die man kann und sich dessen bewusst ist und das dann auch schätzen kann. Aber ja, toughe Timeline würde ich sagen. Auch nochmal hier Props ans Team, die uns echt den Rücken freigehalten haben und irgendwie wahrscheinlich auch jetzt drei Kreuze machen, wenn dieses Buch endlich raus ist, weil wie oft habe ich irgendwie gesagt, ja sorry, ich muss unser One-on-One verschieben, ich habe da irgendwie eine Abgabe. Ich weiß gar nicht, ob die mir noch glauben, dass ich irgendwie lauter Abgaben habe, weil es gab sehr viele Abgaben und das ist jetzt wirklich finales Manöver. Und dann nochmal das Lektorat. Und jetzt nochmal das Endlektorat im Satz. Und dadurch, dass wir nirgendwo Puffer haben, geht es halt immer weiter. Weil Buchabgabe heißt, sich Buchmarketing zu überlegen. Und mit wem wollen wir wie wann sprechen. Vielleicht noch irgendwie ein Push, dass das Aufmerksamkeit bekommt. Also ja, sagen wir mal so, während des anfänglichen Prozesses dachte ich, boah, wir können gleich nächstes Jahr Volume 2 schreiben, weil wir haben irgendwie total viele geile Geschichten und aus jeder Geschichte könntest du fast ein Buch schreiben. Also wir könnten lauter kleine Autobiografien irgendwie schreiben. Aber momentan bin ich so, maybe not.

Basti Schwiecker: Ja, da müssen wir ein Sauerstoffzelt im Office aufbauen oder so. Das wird eher ein zweijähriger Rhythmus oder zwanzigjährig schon nochmal.

Anne Schulze: Aber ich glaube ganz wichtig für mich wirklich nochmal, es gibt wahnsinnig viele wunderbare Menschen in unserem Umfeld, die so mission-driven und mit so viel Hingabe und Leidenschaft unterwegs sind und sich auch immer wieder in Frage stellen. Einfach sicherstellen wollen, dass die Welt ein besserer Ort wird in dem Themengebiet, in dem sie arbeiten. Und dafür zum Teil auch wirklich krasse Entscheidungen getroffen haben, finde ich.

Basti Schwiecker: Ja, ja, absolut. Also genau, den Lebensmittelpunkt wechseln, irgendwie ist eine Sache natürlich einfach örtlich, aber auch echt teilweise beeindruckende Karrieren aufgeben. Also ich meine, kannst du irgendwas als ein Lied von singen, du könntest jetzt auch irgendwie ganz wahrscheinlich das Geld mit der Schubkarre nach Hause fahren, wenn du ein paar andere Entscheidungen getroffen hättest. Nee, also beeindruckend. Und ich finde aber auch, also ich hoffe, wir haben es geschafft auch nochmal zu erklären, also was die auch inhaltlich so besonders macht. Also du meinst, das sind ja Menschen, die sich auch immer wieder selber in Frage stellen. Ich glaube halt, also auch bewundernswert, Menschen, die ein Problem sehen und dann sich mit ganzer Leidenschaft dem hingeben. Aber das ist ja auch so unsere Story irgendwie so, dass man immer wieder mal einhaken soll und gucken, okay, das Ziel nicht in Frage stellen, aber was ist wirklich der beste Weg und ist das, wo ich, wenn ich erstmal losrenne, so, immer mal wieder innehalten und den eigenen Weg zu challengen und vielleicht sollte man doch was anderes machen und vielleicht kann ich das Ziel viel, viel besser erreichen. Und oftmals kann man, glaube ich, das Ziel viel, viel besser erreichen, als einfach nur dem ersten Impuls zu folgen. Also darum geht es natürlich auch.

Anne Schulze: Genau. Ich stelle mir die Frage jedes Jahr am 31.12. und so, ist Effektiv Spenden noch der richtige Ort, wo ich den größten Mehrwert haben kann? Bisher bin ich immer zu der Antwort gekommen, ja, weil Basti braucht mich noch. Wir können auch heute gerade sagen, schau einfach zu mir und denken so, was macht der Mensch denn ohne mich? Ja, aber das ist ja so ganz typisch auch für die Menschen, die wir da porträtiert haben. Und sich nicht in so einer Bequemlichkeit oder sich nicht auf eine Bequemlichkeit einzulassen, das finde ich schon auch was, was wir zumindest in den Interviews sehr gemerkt haben.

Am 25.11. erscheint das Buch (ursprünglicher Termin musste verschoben werden)

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Basti Schwiecker: Insofern, alle die das hier hören oder sehen, markiert euch den 11.11. nicht nur für den Karneval, sondern auch um spätestens dann unser Buch zu kaufen. Gerne schon vorbestellen, wir würden uns freuen. Wir freuen uns auch über konstruktives Feedback, auch wenn wir es wahrscheinlich nicht gleich nächstes Jahr verwenden für den zweiten Teil. Genau, und vor allem schaut euch die Menschen an, die wir da vorstellen und helft uns die zu unterstützen in dem, was sie tun.

Anne Schulze: Indem ihr spendet.

Über die Gesprächspartner

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Gründer & Geschäftsführer

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