Spendenabsetzbarkeit in Österreich

Zewo-Gütesiegel

Spenden über die Plattform Effektiv Spenden sind in Österreich – anders als in Deutschland und der Schweiz – aktuell leider nicht steuerlich absetzbar. Gleiches gilt für direkte Spenden an unsere empfohlenen Organisationen.

In diesem Beitrag erklären wir, i) woran das liegt, ii) ob künftig eine Chance auf Spendenabsetzbarkeit besteht und iii) warum es auch ohne Steuervorteil empfehlenswert ist, an die weltweit effektivsten Hilfsorganisationen zu spenden.

Das Wichtigste vorweg: Wenn du möglichst viel Gutes tun willst, dann spende im Zweifel lieber weniger, als weniger effektiv. Wir gehen davon aus, dass unsere Top-Empfehlungen 10- bis 100-mal effektiver sind als durchschnittliche Initiativen. Angesichts dieser großen Kosten-Wirksamkeits-Unterschiede kannst du die fehlende Spendenabsetzbarkeit vernachlässigen.

Wie Spendenbegünstigung funktioniert

Österreich fördert Geldspenden von Privatpersonen und Unternehmen an bestimmte gemeinnützige Organisationen: Spenden an solche spendenbegünstigten Non-Profit-Organisationen (NPOs) verringern beim Zahler als Sonderausgaben oder Betriebsausgaben die Bemessungsgrundlage der Lohn-, Einkommens- oder Körperschaftssteuer um bis zu 10%.

Dieser staatliche Spendenanreiz ist Organisationen vorbehalten, die entweder per Gesetz als spendenbegünstigt gelten (z.B. Universitäten, öffentliche Schulen und Kindergärten oder freiwillige Feuerwehren) oder vom Finanzamt auf Grundlage bestimmter Kriterien als spendenbegünstigt anerkannt wurden. Die „Liste begünstigter Einrichtungen (Spenden, Kirchenbeiträge u.a.)“ kann auf der Website des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) abgerufen werden. Ende 2023 waren darauf 6.007 Organisationen aufgeführt, darunter 4.518 Freiwillige Feuerwehren.

Warum Effektiv Spenden (noch) nicht spendenbegünstigt ist

Weder Effektiv Spenden noch die von uns aktuell empfohlenen Hilfsorganisationen sind zurzeit auf der BMF-Liste als steuerbegünstigt ausgewiesen.

Hauptgrund dafür ist, dass keine der Organisationen ihren Sitz in Österreich hat. Effektiv Spenden ist in Berlin und Basel ansässig, unsere Empfehlungen häufig in den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder anderswo auf der Welt.

Die österreichische Spendenbegünstigung steht zwar neben österreichischen NPOs grundsätzlich auch „vergleichbare[n] ausländische[n] Körperschaften eines Mitgliedstaates der Europäischen Union oder eines Staates, mit dem eine umfassende Amtshilfe besteht“ offen, aber de facto erschweren nationale Unterschiede im Gemeinnützigkeitsrecht die Aufnahme erheblich oder machen sie unmöglich.

Durch viele Verbesserungen im Gemeinnützigkeitsreformgesetz 2023 besteht nun allerdings Hoffnung auf eine Lösung, die uns ermöglicht, ab 2025 auch in Österreich absetzbare Spenden über unsere Plattform anzubieten.

Wir aktualisieren den Artikel diesbezüglich laufend. Das nächste Update erwarten wir bis spätestens Ende Juli 2024.

Warum Wirksamkeit wichtiger ist als Absetzbarkeit

Im Gespräch mit Menschen aus Österreich erleben wir beim Thema Spendenabsetzbarkeit häufig Verunsicherung: Sollte man wirklich auf den Steuervorteil verzichten? Oder ist es nicht doch sinnvoller, bei der Wahl der Hilfsorganisation einen Kompromiss zu machen, dafür aber die Steuerersparnis mitzunehmen?

Klar ist: Wer an steuerlich absetzbare Organisationen spendet, kann großzügiger spenden. Man bekommt schließlich einen Teil der Spende vom Finanzamt zurück. Die Höhe der Steuerersparnis ist abhängig vom persönlichen Grenzsteuersatz, also davon, wie hoch der letzte eingenommene Euro des Jahres versteuert wird.

Nehmen wir ein Beispiel: Julia hat einen Bruttojahreslohn von 55.000 € und spendet 2.500 € an eine spendenbegünstigte Organisation. Bei ihrem Grenzsteuersatz von 40% spart sie damit 1.000 € Lohnsteuer. (Steuerersparnis = Spendenbetrag × Grenzsteuersatz, siehe Tabelle.) Nach Abzug der Steuergutschrift kommen von der 2.500 €-Spende also „nur“ 1.500 € von ihrem Nettolohn, die restlichen 1.000 € übernimmt der Staat. Durch die steuerliche Absetzbarkeit erhöht Julia also ihren eigenen Spendenbetrag um das 1,67-fache, um auf die Gesamtspende von 2.500 € zu kommen.

Würde Julia’s Einkommen über 1 Million € pro Jahr liegen und sie den Spitzensteuersatz von 55% zahlen, würde ihre Spende sogar um das 2,2-fache erhöht; ihr eigener Anteil an den gespendeten 2.500 € läge dann bei 1.125 €.

Auf Basis unabhängiger Studien führender Experten gehen wir bei Effektiv Spenden davon aus, dass unsere Empfehlungen 10- bis 100-mal effektiver sind als durchschnittliche Initiativen. Wenn Julia also ihren Spendenanteil von 1.500 € über unsere Plattform an eine unserer Top-Empfehlungen spendet und auf die steuerliche Absetzbarkeit verzichtet, erhöht sie die Wirkung ihrer Spende ebenfalls um das 10- bis 100-fache. Der Effekt ist deutlich größer als der des Steuervorteils.

Wirkungs-Multiplikator

Wenn du dir also nicht wirklich sicher bist, ob das spendenbegünstigte Projekt deiner Wahl wirklich kostenwirksam ist (und für die allermeisten Projekte bleibt das leider weiterhin unklar), dann verzichte auf den Steuervorteil und spende stattdessen lieber an ein Projekt, dessen Wirksamkeit nachgewiesen ist – damit erreichst du mehr Gutes!

(Bildquelle: Österreichische Flagge am Schiffsheck, Wolfgangsee im Juli 2019, aufgenommen von DominikCK1999 und veröffentlicht unter CC BY 4.0 DEED)

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