An Tierheime spenden? Sind Tierpatenschaften sinnvoll?

Wirkung Impact

Ganz grundsätzlich lässt sich schon einmal festhalten: Wer über Spenden an Tierheime oder über Tierpatenschaften (also Tierschutz im allgemeinen) nachdenkt, ist ein guter Mensch. Sich von dem Schicksal empfindsamer und schutzloser Wesen anrühren zu lassen und etwas dazu beitragen zu wollen, dass sich ihr Los bessert, zeigt unsere Spezies von ihrer besten Seite.

Ist es also eine gute Idee, an Tierheime zu spenden? Oder ist es sinnvoll, eine oder mehrere Tierpatenschaften zu übernehmen? Bei den Tierpatenschaften fällt die Antwort besonders leicht: Nein, es ist nicht sinnvoll, eine Tierpatenschaft zu übernehmen. Im schlechtesten Fall würde nämlich genau das passieren, was die Patenschaftsorganisationen versprechen: Deine Spende kommt genau diesem einen Tier zugute, das du ausgewählt hast. Der Aufwand, eine solche präzise Mittelverwendung sicherzustellen und nachzuhalten wäre allerdings so hoch, dass allein der Steuerungsaufwand einen Großteil deiner Spende verschlingen dürfte. Der bessere Fall wäre daher, dass die Spende nicht bei dem Tier ankommt, das du ausgewählt hast, weil der Steuerungsaufwand eben einfach zu groß ist. Dann sollte man sich allerdings fragen, ob man an eine Organisation spenden möchte, die etwas verspricht, dass sie nicht einhalten kann oder nicht einhalten will.

Wäre es daher also besser, vom Schicksal des einzelnen Tieres zu abstrahieren und gleich ans Tierheim insgesamt spenden? Nun, es kommt ganz darauf an, was dir wichtig ist: Möchtest du gerne einer dir persönlich bekannten, in der Regel in deiner Stadt beheimateten Tierschutzinstitution unter die Arme greifen, dann liegt eine Spende an „dein“ Tierheim tatsächlich nahe – im doppelten Wortsinn. Geht es dir aber darum, möglichst vielen Tieren besonders schlimme Qualen zu ersparen, dann bietet sich noch ein anderer Weg an, mit dem du mit dem gleichen Einsatz viel, viel mehr Tieren helfen kannst. 

Du kannst noch viel mehr erreichen

Auch wenn uns das Schicksal ausgesetzter Haustiere oder einzelne Berichte von Misshandlungen unmittelbar emotional berühren, so sind diese Schicksale tatsächlich relativ wenige im Vergleich zu der systematischen Misshandlung sogenannter „Nutztiere“, die für unseren „Gebrauch“, also in der Regel den Verzehr vorgesehen sind. Dies gilt insbesondere für die Massentierhaltung, in der Tiere in Bedingungen gehalten werden, die erschütternd sind. Wir machen uns einfach keine Vorstellung davon, was es heißt, als Kuh, als Schwein oder als Huhn der Massentierhaltung ausgeliefert zu sein. Die Fleischindustrie ist gut beraten, dass dies auch so bleibt und sich der Schrecken der Massentierhaltung weit entfernt und unsichtbar vom Verbraucher vollzieht.

Das Ausmaß der Massentierhaltung übersteigt unsere Vorstellungskraft – jeden Tag werden Hunderte Millionen Tiere geschlachtet. Allein für Deutschland lässt sich grob festhalten, dass jedes Jahr etwa 2.000 Mal (zweitausendmal!) so viele Tiere geschlachtet als in Heimen aufgenommen werden. Während ein einziges Tier im Tierheim aufgenommen wird, sterben also etwa 2.000 Tiere in der Massentierhaltung. Angesichts der dortigen Zustände dürfte für die meisten dieser Tiere der Tod eine Erlösung darstellen. Was Massentierhaltung für Tiere in Deutschland für die einzelnen Tiere bedeutet, schildert unter anderem die gemeinnützige Organisation proveg nüchtern und differenziert.  

Den wenigsten Menschen ist bewusst, wie viele Tiere in wie grausamen Bedingungen gehalten werden. Das zeigt sich auch am Spendenvolumen. Nur ein winziger Bruchteil der Spenden, die für Tierschutz ausgegeben werden, haben die Verbesserung der Bedingungen in der Massentierhaltung zum Gegenstand. Im Vergleich zu anderen Tierschutzthemen ist Massentierhaltung damit in hohem Maße vernachlässigt. Die Grafik zeigt dies besonders anschaulich:

Für Spender bedeutet das im Umkehrschluss, dass sich mit einer Spende besonders viel erreichen lässt. Ganz grob (und sehr konservativ geschätzt) kann man davon ausgehen, dass man mit einer Spende, die einem einzelnen Tier in einem Tierheim zu einem würdigen Leben verhilft, die Lebensbedingungen von mehr als tausend Tieren in der Massentierhaltung verbessern kann. Warum und wie dies möglich ist, stellen wir hier ausführlich vor. (Und man muss auch keine Veganerin oder kein Vegetarier sein, um hier wirksam werden zu können. Auch bei Effektiv Spenden essen einige von uns weiterhin Fleisch – wenn auch hinsichtlich der Haltungsbedingungen ausgewählter und insgesamt deutlich weniger als früher.)

Auch wenn das Thema insgesamt bedrückend ist, unabhängig davon ob wir von Tieren sprechen, die von ihren Besitzern misshandelt oder ausgesetzt werden oder von den Zuständen in der Massentierhaltung, so steckt in den oben geschilderten Befunden ja durchaus auch eine gute Nachricht. Nämlich die, dass jeder Mensch, der sich mit der Frage nach Spenden für ein Tierheim oder die Übernahme einer Tierpatenschaft beschäftigt, nun noch eine weitere Option hat, Tieren zu helfen – und mit dieser Option die Aussicht darauf, viel, viel mehr Tieren vor Qualen zu bewahren als er es wahrscheinlich jemals für möglich gehalten hätte.

Über den Autoren

Avatar von Stefan Shaw

Gründer & Leitung Spendenberatung

Weitere Blogposts