Wie viele Tiere werden jeden Tag geschlachtet?

Jeden Tag werden Hunderte Millionen Tiere für Fleisch getötet.

Anmerkung des Effektiv Spenden-Teams: Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Our World in Data auf Englisch veröffentlicht und vom Effektiv Spenden-Team ins Deutsche übersetzt. Die Originalversion des Artikels von Max Roser findest du hier.

Der Fleischkonsum der Menschheit ist enorm. 360 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr.

Diese Zahl ist so groß, dass sie für mich nicht zu begreifen ist. Was mir hilft, sie besser zu verstehen, ist, sie vom Fleischgewicht auf die Anzahl der Tiere und von der Jahresgesamtzahl auf die Tageszahl umzurechnen. Das habe ich in der folgenden Grafik getan. Sie zeigt, wie viele Tiere an einem durchschnittlichen Tag geschlachtet werden.

Jeden Tag werden etwa 900.000 Kühe geschlachtet. Wenn jede Kuh 2 Meter lang wäre und alle hintereinander laufen würden, ergäbe das eine Reihe von Kühen, die 1.800 km lang wäre.[1] Und so viele Kühe werden täglich geschlachtet.

Bei den Hühnern ist die Zahl der täglich geschlachteten Hühner extrem hoch – 202 Millionen Hühner pro Tag. Um das Ausmaß zu verstehen, ist es besser, es auf eine durchschnittliche Minute herunterzubrechen: jede Minute werden 140.000 Hühner geschlachtet.

Die Zahl der täglich getöteten Fische ist sehr unsicher. Ich komme am Ende dieses Artikels darauf zurück. Aber auch wenn die Unsicherheiten groß sind, so ist doch klar, dass die Zahl der getöteten Fische enorm ist: Mit Sicherheit werden täglich hunderte Millionen Fische getötet.

Wenn man davon ausgeht, dass das Schlachten von Tieren Leiden verursacht, und wenn man diesem Leiden auch nur eine geringe ethische Bedeutung beimisst, dann ist die moralische Dimension dieser Tatsache immens.

Wie viele Tiere werden jeden Tag geschlachtet?

Unter dem Aspekt des Tierleids sind die absoluten Zahlen der Tiere von Bedeutung, aber wenn du diese Daten pro Kopf betrachten möchtest, kannst du dies in unserem Animal Welfare Explorer tun.

Es geht nicht nur darum, wie viele Nutztiere getötet werden, sondern auch um das Leiden, das sie während ihrer Aufzucht ertragen mussten. Die meisten Nutztiere weltweit werden unter erbärmlichen Bedingungen gehalten. Schweine werden auf engstem Raum unter Stress gehalten und leiden unter chronischem Unbehagen und Schmerzen. Kühen werden die Kälber weggenommen, um Milch für den menschlichen Verzehr zu produzieren, eine Praxis, unter der sowohl das Muttertier als auch das Kalb leiden. Viele Tiere werden ohne Betäubung kastriert. Hühnern werden oft die Schnäbel gestutzt, damit sie nicht mit anderen Hühnern kämpfen; viele können sich ihr Leben lang nicht umdrehen.

Welche Vorteile hätte eine Reduzierung unseres Fleischkonsums?

Die Fleischproduktion hat eine Reihe großer negativer Auswirkungen auf die Umwelt,[3] die Tierwelt und unsere Gesundheit. Umgekehrt bedeutet dies, dass die Vorteile einer Reduzierung des Fleischkonsums groß sind. Was wären einige dieser Vorteile?

Weniger Landnutzung für die Landwirtschaft und mehr Biodiversität: Die landwirtschaftliche Flächennutzung ist die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt.[4] Fast die Hälfte der eis- und wüstenfreien Flächen der Erde wird heute landwirtschaftlich genutzt, der größte Teil davon für die Viehzucht. Die gesamte globale Landnutzung für die Fleisch- und Milchproduktion beläuft sich auf 37 Millionen Quadratkilometer, eine Fläche so groß wie ganz Amerika – von Alaska im Norden bis Kap Hoorn im Süden.[5]

Wie meine Kollegin Hannah Ritchie gezeigt hat, wäre es möglich, die landwirtschaftliche Nutzfläche von 4 auf 1 Milliarde Hektar zu reduzieren, wenn wir kein Fleisch essen würden. Eine Umstellung auf weniger Fleischkonsum hätte große Vorteile für Tiere auf der ganzen Welt, da die Natur wieder wachsen könnte, um Lebensräume für Wildtiere zu schaffen.[6]

Vorteile für das Klima: Eine Verringerung des weltweiten Fleischkonsums würde auch zum Klimaschutz beitragen: Sie würde die direkten Methan-Emissionen von rülpsenden Kühen und Lachgas aus Gülle verringern, aber auch die Emissionen aus Entwaldung und Landnutzungsänderungen.

Weniger Antibiotikaresistenzen: Eine Verringerung des weltweiten Fleischkonsums würde den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht verringern, eine Praxis, die zur Zunahme antibiotikaresistenter Bakterien beiträgt. Dieser Rückgang könnte die Wirksamkeit der vorhandenen Antibiotika erhalten und die Gesundheit der Menschen weltweit schützen.

Geringeres Risiko von Pandemien: Viele Infektionskrankheiten haben ihren Ursprung bei anderen Tieren. Die hohe Besatzdichte in vielen Fleischproduktionsanlagen schafft ein ideales Umfeld für die Mutation und Verbreitung von Krankheitserregern. Eine Reduzierung des weltweiten Fleischkonsums würde das Risiko von Zoonosen und die Gefahr einer weiteren Pandemie verringern.

Weniger Tierleid: Um auf den Ausgangspunkt dieses kurzen Textes zurückzukommen: Weniger Fleischkonsum würde weniger Tierleid bedeuten.

Ich glaube, dass eine solche Zukunft möglich ist. Ich kann mir eine Zukunft vorstellen, in der unsere Enkel auf unsere Zeit zurückblicken und kaum glauben können, dass wir heute in einer Welt leben, in der wir täglich Hunderte Millionen Fische, 900.000 Kühe, 1,4 Millionen Ziegen, 1,7 Millionen Schafe, 3,8 Millionen Schweine, 11,8 Millionen Enten und mehr als 200 Millionen Hühner töten.

Danksagung: Ich möchte Hannah Ritchie, Pablo Rosado, Fiona Spooner, Bastian Herre und Edouard Mathieu für ihre hilfreichen Kommentare zu diesem Artikel und der Visualisierung danken.

Appendix: Was ist mit den Fischen?

Die obige Grafik zeigt geschätzte tägliche Schlachtzahlen verschiedener Landtiere.

Der Grund dafür, dass die Schätzung für Fische weniger zuverlässig ist als für andere Tiere, liegt darin, dass es nur wenige gute Daten über die Anzahl der jährlich getöteten Fische gibt. Die meisten Daten beziehen sich auf die Tonnage getöteter Wassertiere, und Schätzungen der Anzahl getöteter Fische sind wesentlich unsicherer als Schätzungen der Anzahl getöteter Landtiere.

Die FAO veröffentlich nur Daten über die Tonnage, nicht die getöteten Tiere

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beträgt die für den menschlichen Verzehr verfügbare Tonnage (Gewicht) an Fisch 157 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Gesamtproduktion (einschließlich Nichtnahrungszwecke wie Fischmehl und Fischöl) wird auf 177,8 Millionen Tonnen Fisch geschätzt.

Diese Zahlen umfassen Tiere aus Wildfang und Aquakultur und beziehen sich auf Schätzungen für das Jahr 2020 (im obigen Hauptartikel werden Daten für das Jahr 2021 diskutiert, aber für dieses Jahr liegen noch keine Daten zur Fischproduktion vor). Sie umfassen alle Wassertiere mit Ausnahme von Wassersäugetieren, Krokodilen, Alligatoren und Kaimanen.

Diese Schätzungen sind zu finden in FAO (2022) — The State of World Fisheries and Aquaculture 2022. Towards Blue Transformation. https://doi.org/10.4060/cc0461en 

Verfügbare Schätzungen zur Anzahl der getöteten Fische

Leider veröffentlicht die FAO die Daten über Fische nur in Tonnage und nicht als Anzahl der einzelnen Tiere.

Andere Organisationen versuchen, die Zahl der einzelnen Tiere zu schätzen, zumindest die Zahl der gezüchteten Fische. Die veröffentlichten Schätzungen für die Zahl der Zuchtfische sind mit sehr großen Unsicherheiten behaftet, geben aber einen gewissen Hinweis auf die Größenordnung:

Betrachtet man nur Zuchtfische und stützt sich auf die vom Sentience Institute veröffentlichte mittlere Schätzung, so würde die Zahl der an einem durchschnittlichen Tag getöteten Fische 211 Millionen betragen. (77.000.000.000/365 = 210.958.904 Millionen) Dies würde bedeuten, dass die Zahl der getöteten Zuchtfische der Zahl der getöteten Hühner entspricht. Wenn jedoch die Schätzung von Mood et al. zutrifft, ist die Zahl fast doppelt so hoch.

Diese Schätzungen beziehen sich nur auf die Zahl der Zuchtfische; wild lebende Wassertiere, die für den menschlichen Verzehr gefangen und getötet werden, sind darin nicht enthalten.

Die verfügbaren Daten der FAO über das Gewicht von Fischen aus Aquakultur und Wildfängen geben uns jedoch eine Vorstellung von der Größenordnung der Gesamtzahl der getöteten Fische. Diese Daten findest du in unserer Tabelle hier: Produktion von Meeresfrüchten: Wildfänge im Vergleich zu Aquakultur. Im Jahr 2020 betrug das Gewicht von Fisch aus Aquakulturen 122,6 Millionen Tonnen und das Gewicht von Fisch aus Wildfängen 91 Millionen Tonnen.

Insgesamt scheint es klar zu sein, dass mindestens hunderte Millionen Fische pro Tag getötet werden. Aber wie dieser Artikel zeigt, ist die Unsicherheit sehr groß. Es wäre wichtig zu verstehen, wie viele Tiere vom Menschen getötet werden, und diese Lücken in unserem statistischen Verständnis der Welt zu schließen.

Über den Autoren

Avatar von Max Roser

Max ist der Gründer von Our World in Data und begann 2011 mit der Arbeit an der kostenlosen Online-Publikation. Heute ist er der Herausgeber und leitet das Team als Direktor. Er ist Professor of Practice in Global Data Analytics an der Blavatnik School of Government der Universität Oxford, Programmdirektor des Oxford Martin Programme on Global Development und Co-Direktor des Global Change Data Lab, der gemeinnützigen Organisation, die Our World in Data veröffentlicht.

Quellen

[1] ↑ Eine Körperlänge von 2 m ist eine konservative Schätzung. Das typische Holstein-Riend hat eine Körperlänge zwischen 2,35-2,50 m.

Die Entfernung zwischen Madrid und Amsterdam beträgt etwa 1.800 Kilometer.

Das ist mehr als das 16-fache des Erdumfangs (40.075 km) pro Jahr: 365 x 1.800 km = 657.000 km und 657.000 km / 40.075 km = 16,4.

[2] ↑ Die Daten, auf denen das Diagramm basiert, können in diesem interaktiven Diagramm über die jährliche Anzahl der für Fleisch geschlachteten Tiere untersucht werden. Die interaktive Grafik ermöglicht es auch, diese Daten für Länder auf der ganzen Welt und im Zeitverlauf zu untersuchen.

Diese Zahlen beziehen sich nur auf die Anzahl der Tiere, die für die Fleischproduktion geschlachtet werden. Das bedeutet, dass z.B. die Anzahl der männlichen Küken, die in der Eierindustrie getötet werden (siehe Kükentötung auf Wikipedia), in diesen Zahlen nicht enthalten ist.

Das Diagramm basiert auf den Daten für 2021, die zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokuments (Juli 23) die neuesten verfügbaren Daten waren. Die Berechnungen für die in der Tabelle angegebenen Zahlen lauten wie folgt:

Rinder: 331.950.000 Kühe pro Jahr, also 331.950.000/365,25 = 908.830 pro Tag
Ziegen: 500.870.000 pro Jahr, also 500.870.000/365,25 = 1.371.307 pro Tag
Schafe: 617.260.000 pro Jahr, also 617.260.000/365,25 = 1.689.966 pro Tag
Schweine: 1.400.000.000 pro Jahr, also 1.400.000.000/365,25 = 3.832.991 pro Tag
Enten: 4.310.000.000 pro Jahr, also 4.310.000.000/365,25=11.800.137 pro Tag
Hühner: 73.790.000.000 pro Jahr, also 73.790.000.000/365,25 = 202.026.010 pro Tag bzw. 202.026.010/(24*60) = 140.296 pro Minute

Alle Daten stammen von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Dies sind zwar die besten und umfassendsten verfügbaren Daten, aber sie sind bei weitem nicht perfekt, und die Unsicherheiten bei den Schätzungen sind erheblich. Einige Probleme bei der Zählung von Tieren in den FAO-Daten behandelt dieser Artikel (aus dem Jahr 2019) von Saulius Šimčikas bei Rethink Priorities: Accuracy issues in FAO animal numbers.

[3] ↑ Siehe auch die Our World in Data-Seite zu den Umweltauswirkungen der Lebensmittelproduktion.

[4] ↑ Wir haben auf Our World in Data ausführlich über dieses Problem geschrieben. Zu den Artikeln, in denen die Evidenz und das Ausmaß des Problems erörtert werden, gehören:
Humans destroyed forests for thousands of years – we can become the first generation that achieves a world in which forests expand
Cutting down forests: what are the drivers of deforestation?
Wild mammals have declined by 85% since the rise of humans, but there is a possible future where they flourish
The world has lost one-third of its forest, but an end of deforestation is possible
Half of the world’s habitable land is used for agriculture

[5] ↑ Die Daten findest du auf der Our World in Data-Seite zur Landnutzung

[6] ↑ Davon würden nicht nur die Landtiere profitieren: Die Viehzucht ist auch eine wichtige Quelle für Phosphor- und Stickstoffeinträge durch die Verwendung von Tierdung als Düngemittel. Eine Verringerung dieser Nährstoffeinträge würde zu weniger schädlichen Algenblüten in den Gewässern führen und damit die Wasserqualität verbessern und die Artenvielfalt in den Gewässern erhalten.

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