Zukunft bewahren: Rückblick 2023

Im Jahr 2023 haben knapp 900 Spenderinnen und Spender über Effektiv Spenden unseren Spendenfonds: Zukunft bewahren unterstützt. Dabei wurden rund 750.000 € aus Deutschland und CHF 860.000 aus der Schweiz gespendet. Vielen Dank für eure sehr großzügige Unterstützung der tollen, besonders vielversprechenden Arbeit, die die aus dem Spendenfonds geförderten Organisationen leisten!

Im Folgenden teilen wir einen kurzen Rückblick auf das Jahr 2023, in dem wir die Fortschritte und Erfolge der bisher unterstützten Organisationen beschreiben. Den Rückblick haben wir gemeinsam mit den Organisationen und unseren Gutachtern und Partnern wie Longview Philanthropy und dem Founders Pledge Global Catastrophic Risk Fund erstellt, die uns auch in der Auswahl der geförderten Projekte unterstützen. Weitere Projekte, unter anderem zur Biosicherheit, sind bereits in Vorbereitung. 

Carnegie Endowment for International Peace

Die Erfüllung der Mission des Carnegie Endowment for International Peace hängt in erster Linie davon ab, die talentiertesten Wissenschaftler und Experten in ihren jeweiligen Fachgebieten zu gewinnen und zu halten. Seit Sommer 2023 wird die Arbeit von Carnegie zu Russland und den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine durch drei neue Wissenschaftler, die Senior Fellows Michael Kofman, Dara Massicot und Alexandra Prokopenko, erheblich gestärkt. 

Kofman und Massicot mit Sitz in Washington, D.C. gehören zu den weltweit führenden Experten für das russische Militär und den Krieg in der Ukraine. Ihre Erkenntnisse werden von hochrangigen westlichen, europäischen und ukrainischen Politikern und Militärs gerne eingeholt. Kofman kam vom Center for Naval Analyses zu Carnegie, wo er Direktor des Russland-Programms war. Vor Carnegie war Massicot als Senior Policy Researcher bei der RAND Corporation und als Senior Analyst im US-Verteidigungsministerium tätig. Alexandra Prokopenko, eine ehemalige leitende Mitarbeiterin der russischen Zentralbank, verstärkt das Team des Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin. Ihre Arbeit über die Herausforderungen für die russische Wirtschaft und die Auswirkungen der westlichen Sanktionen hat in westlichen politischen Kreisen große Anerkennung gefunden. Die Arbeit dieser Wissenschaftler bei Carnegie wurde auch durch die großzügige Unterstützung von Effektiv Spenden ermöglicht.

Programmaktivitäten und Outputs

Carnegie-Experten spielen eine führende Rolle bei der Unterstützung von politischen Entscheidungsträgern und Meinungsführern im Umgang mit den gefährlichen Auswirkungen des fast vollständigen Abbruchs der Beziehungen zum Kreml. Sie sind dafür bekannt, Entscheidungsträgern die Wahrheit zu sagen und strategische Einsichten zu liefern, die nirgendwo sonst zu finden sind. Ein Beispiel dafür ist ein langer Artikel von Andrew S. Weiss und Eugene Rumer, der Ende November im Wall Street Journal erschien. Ihr Artikel, in dem sie dazu aufforderten, bei der Entwicklung einer nachhaltigen und wirksamen politischen Antwort des Westens auf die Herausforderung durch ein abtrünniges Russland „magisches Denken“ zu vermeiden, wurde von hochrangigen Vertretern der USA und der EU persönlich gelobt und trug dazu bei, eine weltweite Debatte über die Gefahren eines baldigen Endes der gegenwärtigen Konfrontation in Gang zu setzen. In der Zwischenzeit leiten Weiss und Rumer gemeinsam ein Projekt mit dem Titel „Right-Sizing the Russia Challenge“, das hochrangige US-Vertreter aus dem gesamten politischen Spektrum dabei unterstützen soll, sich mit einer Reihe von Schlüsselfragen zu befassen, die im Januar 2025 auf dem Schreibtisch der neuen Regierung landen werden.

In ähnlicher Weise haben Kofman und Massicot eine umfassende Reihe von Briefings für hochrangige Beamte auf beiden Seiten des Atlantiks über die Elemente einer überarbeiteten Militärstrategie abgehalten, die der Ukraine helfen könnte, im kommenden Jahr effektiv „zu halten, aufzubauen und zuzuschlagen“ („hold, build and strike“). Ihre Arbeit basiert auf Erfahrung aus einem Aufenthalt an der Front mit ukrainischen Kommandeuren und Truppen sowie auf häufigen Gesprächen mit hochrangigen Vertretern in Kiew. Unter der Leitung von Senior Fellow Eric Ciaramella konzentriert sich Carnegie’s Ukraine-Initiative auf längerfristige Themen wie Wiederaufbau, Sicherheitsvorkehrungen und die anhaltenden Auswirkungen des Krieges auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Dem Projektteam gehört nun auch der ehemalige ukrainische Außenminister Pavlo Klimkin an. 

Das Berliner Team war sehr aktiv, um das Verständnis des Westens für die jüngsten Entwicklungen in Russland zu verbessern, einschließlich des Todes von Alexey Navalny und des aggressiven Werbens des Kremls um China. Andrei Kolesnikov, ein in Moskau ansässiger Carnegie-Wissenschaftler, hat mit seiner bahnbrechenden Arbeit über die sich wandelnden Trends in der russischen öffentlichen Meinung und ihre „erlernte Gleichgültigkeit“ gegenüber den Schrecken des Krieges in der Ukraine große Aufmerksamkeit erregt. Kolesnikovs Forschung wird in Zusammenarbeit mit dem Direktor des Levada Centers durchgeführt, dem einzigen unabhängigen Institut für Meinungsforschung und Soziologie in Russland.

All die genannten Projekte wurden durch die großzügige Förderung von Effektiv Spenden und weiterer Spender ermöglicht.

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Center for a New American Security

Bereits im Februar 2023 finanzierte der Spendenfonds einen Expertenworkshop des Center for a New American Security (CNAS), zu den Risiken autonomer Waffensysteme. Die Mittel des Spendenfonds ergänzten dabei eine bestehende Förderung des CNAS durch den Founders Pledge GCR Fund. Christian Ruhl, Senior Researcher und Fondsmanager des GCR Funds bei Founders Pledge, hat selbst am Workshop teilgenommen und in einem Gastbeitrag auf unserem Blog ausführlich darüber berichtet.

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Global Shield

Global Shield wurde kurz vor der Unterstützung durch den  Spendenfonds im Juni 2023 gegründet und ist eine internationale Organisation, die sich für die Reduzierung globaler Katastrophenrisiken (GCR) in allen Bereichen einsetzt. Global Shield setzt sich für eine Welt ein, in der alle Regierungen entschlossen handeln, um GCR zu verringern und wenn möglich zu beseitigen, unabhängig von der Bedrohung, die das Risiko verursacht. 

Seit seiner Gründung hat Global Shield bedeutende Fortschritte in vier Kernbereichen erzielt: angewandte Politikforschung, direkte politische Lobbyarbeit bei Regierungen, auf politische Entscheidungsträger ausgerichtete Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation sowie interne Abläufe und Wachstum.

  1. Global Shield hat einen Modellansatz für die Entwicklung praktischer politischer Maßnahmen zur Reduzierung von GCR in allen Bereichen entwickelt. Ein wichtiges Ergebnis dieser Arbeit ist eine erste Liste von ca. 150 Ideen für relevante politische Maßnahmen, die auf verschiedene Länder übertragbar sind. 
  2. Global Shield setzte seine erfolgreiche Lobbyarbeit in den USA zur Reduzierung globaler Katastrophenrisiken fort. Insbesondere hat dies dazu beigetragen, dass die US-Regierung als erste Nation das breite Spektrum katastrophaler und existenzieller Bedrohungen für die Welt, einschließlich künstlicher Intelligenz, in einem bevorstehenden Bericht offiziell anerkennen wird.
  3. Global Shield hat erfolgreich seine Website, soziale Medien und einen regelmäßigen Newsletter zur GCR-Politik einem wachsenden Publikum zugänglich gemacht, um den Bekanntheitsgrad der Organisation zu steigern. 
  4. Schließlich hat Global Shield durch die Entwicklung wichtiger interner Strategien, Richtlinien und Instrumente die anfängliche „Start-up“-Phase hinter sich gelassen, um sich für zukünftiges Wachstum zu rüsten.

Im Jahr 2024 wird Global Shield eine Reihe von Projekten in denselben vier Kernbereichen durchführen. Geplant sind unter anderem: 

  • Im Rahmen seiner angewandten Politikforschung Veröffentlichung u.a. eines Berichts über die Auswirkungen des Wettbewerbs und der Rivalität der USA und ihrer westlichen Verbündeten mit China auf GCR sowie einer Bibliothek mit Politikvorschlägen, die Global Shield Optionen Optionen für verschiedene politische Gelegenheiten bieten wird.
  • Einsatz für neue Gesetze und Strategien, um die Kontinuität der Regierungs- und Einsatzplanung der USA aus der Ära des Kalten Krieges so zu verbessern, damit sie an das Spektrum der globalen Katastrophenrisiken des 21. Jahrhunderts jenseits des Atomkriegs angepasst ist.
  • Einsatz für die Berücksichtigung globaler Katastrophenrisiken in der Common Agenda und des Summit of the Future der Vereinten Nationen, insbesondere im geplanten Global Risk Report, gemeinsam mit bereits etablierten Partnerschaften mit gleichgesinnten Organisationen wie The Elders.
  • Op-Eds zur Veröffentlichung in den wichtigsten Medien und verstärkte Nutzung sozialer Medien, um das externe Branding und den Bekanntheitsgrad von Global Shield zu steigern, sowie kontinuierliche Verbesserung des regelmäßig erscheinenden Newsletters und der Website.
  • Schließlich wurde bereits mit der Suche nach den effektivsten Standorten für mögliche Büros begonnen, die in der Lage sind, maßgeschneiderte Kampagnen zu globalen Katastrophenrisiken bei den Regierungen ihrer Gastländer durchzuführen.

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METR (ehem. ARC Evals)

Im August 2023 hat der Spendenfonds: Zukunft bewahren das Evaluierungsprojekt des Alignment Research Center (ARC Evals) unterstützt. Das Projekt konnte bereits große Erfolge erzielen, zum Beispiel:

  • Das Team von ARC Evals hat unabhängige Evaluierungen von GPT-4 (in Zusammenarbeit mit OpenAI) und Claude (in Zusammenarbeit mit Anthropic) durchgeführt.
  • Das Projekt ist inzwischen offizieller Partner der britischen Frontier AI Taskforce.
  • Die von der Organisation entwickelten Ideen wurden in der US Executive Order on the Safe, Secure, and Trustworthy Development and Use of Artificial Intelligence („Verordnung über die sichere und vertrauenswürdige Entwicklung und Nutzung künstlicher Intelligenz“) aufgeführt.
  • Die Arbeit der Organisation wurde auch vom ehemaligen Präsidenten der USA, Barack Obama, hervorgehoben

ARC wurde ursprünglich als kleine Organisation für Alignment-Theorie unter der Leitung von Paul Christiano gegründet. Im Jahr 2022 stellte sie Beth Barnes ein und gründete ARC Evals, um unabhängige Evaluierungen modernster KI-Modelle als Ansatz zu untersuchen.

Da ARC Evals inzwischen zu einem eigenständigen Team geworden ist und die Mehrheit der ARC-Mitarbeiter ausgemacht hat, hat die Organisation entschieden, ARC Evals als eigenständige gemeinnützige Organisation auszugliedern. Dabei hat die Organisation auch einen neuen Namen angenommen, der den Schwerpunkt der Arbeit widerspiegelt: METR steht für „Model Evaluation & Threat Research“ und ist eine Anspielung auf die Metrologie – die Wissenschaft der Messung und ihrer Anwendung.

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Avatar von Sebastian Schienle

Gründer & Leitung Research

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