Anmerkung des Effektiv Spenden-Teams: Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Open Philanthropy Farm Animal Welfare Research Newsletter auf Englisch veröffentlicht und vom Effektiv Spenden-Team ins Deutsche übersetzt. Die Originalversion dieses Blogbeitrags von Lewis Bollard findest du hier.
Der Fortschritt beim Kampf gegen industrielle Tierhaltung ist viel zu langsam. Dennoch gibt es Veränderung. Praktiken, die einst als gegeben hingenommen wurden – wie Batteriekäfige und das Töten männlicher Küken – befinden sich nun im langsamen Prozess des Aussterbens. Tiere, die überhaupt nicht wahrgenommen wurden – wie Fische und sogar Shrimps – erfahren nun endlich Reformen, und die Zahl der betroffenen Lebewesen geht in die Milliarden.
Es ist leicht, solche Zahlen zu übergehen. Daher möchte ich dich beim Lesen der folgenden Errungenschaften ermutigen, jedes dieser Tiere als Individuum zu betrachten. Ein Huhn, das von seinem Käfig befreit ist, ein Küken, das nicht mehr bei lebendigem Leib geschreddert wird, ein Fisch, der vor einem langen, qualvollen Tod bewahrt wird.
Ich möchte dich auch dazu ermutigen zu reflektieren, welche Rolle du mit all den Mitstreitern und Geldgeberinnen bei diesen Erfolgen gespielt hast. Ich bin inspiriert von dem, was wir erreicht haben und ich hoffe, du wirst es auch sein.
- Flügelschlag statt Stahlverschlag. Mehr als 1.000 Unternehmen weltweit haben inzwischen ihre Eigenverpflichtung zur käfigfreien Haltung erfüllt. McDonald’s hat seine Zusage in den USA und Kanada zwei Jahre früher als geplant umgesetzt und damit sieben Millionen Hühner vor der Käfighaltung bewahrt. Subway hat sein Versprechen in Europa, dem Nahen Osten, Ozeanien und Indonesien umgesetzt. Yum Brands, Eigentümer von KFC und Pizza Hut, meldete, dass 25.000 seiner Restaurants nun zu 90 % käfigfrei sind. Diese Veränderungen sind nicht billig: Lidl investierte kürzlich eine Milliarde Pfund in Großbritannien, um einen Teil seiner dortigen Eierlieferkette auf Freilandhaltung umzustellen.
- Der Egg-sodus, oder das Aufbrechen der Käfige. In fünf der sieben größten europäischen Eiermärkte – Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich – werden inzwischen mindestens zwei Drittel der Hennen käfigfrei gehalten. In den USA leben etwa 40 % der Hennen käfigfrei – vor zehn Jahren waren es nur 6 %. In Brasilien, wo es vor einem Jahrzehnt noch keine groß angelegte käfigfreie Produktion gab, leben heute etwa 15 % der Hühner käfigfrei. Und in Japan, wo es immer noch kaum Freilandhaltung gibt, hat sich der größte Eierkäufer des Landes, Kewpie, verpflichtet, die käfigfreie Produktion des Landes zu verfünffachen. Diese Veränderungen sind wichtig: Die bisher umfassendste Analyse des Welfare Footprint Project legt nahe, dass käfigfreie Hühner weniger als halb so viel leiden wie ihre Vettern in Käfigen.
- Platz zum Plustern. Im Vereinigten Königreich haben sich fast alle größeren Einzelhändler, von Tesco bis Aldi, verpflichtet, das enge Zusammenpferchen für die rund 350 Millionen Hühner in ihren Lieferketten zu verringern. Der Schritt, der jedem Vogel etwa 20 % mehr Platz verschafft, scheint bescheiden. Aber Studiendeuten darauf hin, dass selbst diese kleine Veränderung die Rate der Läsionen und Befälle an den Beinen der Tiere halbieren kann und die Supermarktkette Sainsbury’s berichtete, dass die Maßnahme die Krankheitsrate bei ihren Vögeln bereits um 29 % gesenkt hat. In Deutschland gingen Rewe und Lidl noch einen Schritt weiter und führten umfassende Tierschutzreformen ein – einschließlich eines Wechsels von Zuchtrassen –, die das Leben von etwa 165 Millionen Hühnern pro Jahr verbessern werden.
- Innovationen ausgebrütet – aber nicht geschlüpft. Die Zahl der in europäischen Brütereien getöteten männlichen Küken ist in den letzten Jahren um etwa ein Fünftel gesunken, da die Geschlechtsbestimmung im Ei laut einer neuen Studie von Innovate Animal Ag eine Marktdurchdringung von 20 % erreicht hat. KAT, die die meisten Legehennen in Deutschland zertifiziert, hat das Verbot der Kükentötung umgesetzt und erspart damit jährlich 80 Millionen Küken diese Praxis. Der erste Eierproduzent in den USA gab bekannt, dass er das Töten von Küken bald einstellen wird, und erst letzte Woche teilte eine US-Brüterei mit, dass sie das erste In-Ovo-Geschlechtsbestimmungssystem des Landes installiert hat.
- Soy Boys slaying it – Ersatzprodukte auf dem Vormarsch. Vier der größten Einzelhändler Deutschlands senkten die Preise für pflanzliches Fleisch ihrer Eigenmarken, um sie an die Fleischpreise anzupassen. Lidl gab an, dass der Umsatz mit veganen Produkten um30 % gestiegen sei, nachdem man die Preise gesenkt und Fleischersatzprodukte neben ihren tierischen Pendants platziert hatte. Elf niederländische Supermärkte, die zusammen 90 % der Lebensmittel des Landes verkaufen, haben sich sogar dazu verpflichtet, den Anteil pflanzlicher Proteine bis 2030 von heute etwa 40 % auf 60 % zu erhöhen.
- Erbsenzählen in grünen Forschungsinstituten. Regierungen investierten etwa 200 Millionen Euro in die Forschung und Infrastruktur zur Förderung alternativer Proteine, darunter die der USA (66 Mio. EUR via DOC, DOD und Massachusetts), Dänemarks (55 Mio. EUR), Japans (47,5 Mio. EUR), Großbritanniens (31,5 Mio. EUR über zwei Zuschüsse), der Europäischen Union (12 Mio. EUR) und Chinas (10,5 Mio. EUR). In London, North Carolina und Singapur wurden außerdem neue Forschungszentren für alternative Proteine eröffnet, die durch den Bezos Earth Fund finanziert werden.
- Der Kommissar geht um. Die Europäische Kommission hat einen Kommissar für Gesundheit und Tierschutz ernannt – zum ersten Mal wurde der Tierschutz in diesen Rang erhoben. Der neue Kommissar, der ungarische Populist Olivér Várhelyi, versprach, eine Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetze für Nutztiere voranzutreiben, lehnte es jedoch ab, sich auf einen Zeitplan festzulegen. Anfang Dezember 2024 forderten elf europäische Länder die Kommission dazu auf, die Überarbeitung voranzutreiben. (Anmerkung des Übersetzers: März 2025 kündigte Várhelyi an, 2026 erste konkrete Entwürfe vorzulegen.)
- Klausel mit Klauen. Der Senat und das Abgeordnetenhaus Mexikos genehmigten einstimmig neue Klauseln, die den Tierschutz in der Verfassung verankern, und Präsidentin Claudia Sheinbaum unterzeichnete das entsprechende Gesetz. Zwar werden Nutztiere in den Gesetzestexten nicht erwähnt, doch Tierrechtlerinnen hoffen, dass sie den mexikanischen Kongress befähigen werden, ein allgemeines Gesetz zum Schutz aller Tiere zu erlassen.
- Hilfe für Nemo. Der Aquaculture Stewardship Council (ASC), eine der weltweit größten Organisationen für Nachhaltigkeitszertifikate, hat seinen neuen Standard für Zuchtbetriebe fertiggestellt, der nach seiner Einführung das Wohlergehen von schätzungsweise 1,2 Milliarden Fischen verbessern wird. ASC wird 2025 mit der Einführung beginnen. Aqualande, der größte Produzent von Regenbogenforellen in Frankreich, verpflichtete sich dazu, in all seinen Betrieben vor der Schlachtung eine elektrische Betäubung einzusetzen, gleiches gilt für einen weiteren großen Aquakulturproduzenten.
- Bombastic shrimp side eye. Die beiden größten Einzelhändler Großbritanniens, Tesco und Sainsbury’s, haben zwei der weltweit ersten Richtlinien zum Schutz von Krustentieren eingeführt. Sie haben sich verpflichtet, die grausige Praxis der Augenstielentfernung abzuschaffen und sicherzustellen, dass die etwa acht Milliarden Shrimp in ihren Lieferketten vor dem Schlachten betäubt werden. Sie verpflichteten sich außerdem, keine lebenden Krabben oder Hummer in ihren Geschäften zu verkaufen.

Angesichts der gewaltigen Missstände in der Massentierhaltung mögen diese Erfolge klein erscheinen, aber für die betroffenen Tiere sind sie eine große Sache. Und sie wurden alle von einer kleinen Gruppe von Tierschützern erreicht, die mit weniger Mitteln arbeiten, als Harvard für die Renovierung eines einzigen Wohnhauses ausgegeben hat.
Viele dieser Tierschützerinnen und Geldgeber lesen diesen Newsletter. Deshalb möchte ich euch sagen, wie sehr ich eure Arbeit schätze und bewundere. Ihr hättet euch leicht dafür entscheiden können, das Leid der Tiere in der Massentierhaltung zu ignorieren, ihre Sache als das Problem anderer abzutun und euch darauf konzentrieren können, euch selbst zu helfen. Die meisten Menschen tun das.
Aber du hast es nicht getan. Du hast dich dafür entschieden, deine wertvollen Ressourcen – deine Zeit und dein Geld – für eine Gruppe von Individuen einzusetzen, die von der Gesellschaft ignoriert werden. Individuen, denen du nie begegnen wirst und die dir nie danken, oder überhaupt deinen Namen kennen werden.
Im Laufe der Geschichte haben kleine Gruppen moralisch mutiger Menschen eine solche Entscheidung getroffen. Sie haben sich gegen Gräueltaten aufgelehnt, die von der Gesellschaft akzeptiert oder ignoriert wurden. Sie haben sich endlos in Obskurität und stiller Verzweiflung abgemüht – bis sie schließlich den Sieg davon trugen.
Ich weiß, dass sich auch unser Anliegen anfühlen kann wie ein Loch ohne Boden. Aber ihr habt die richtige Entscheidung getroffen. Dank euch werden viele Tiere weniger leiden und eines Tages werden auch wir gewinnen. Dafür lohnt es sich, dankbar zu sein. Vielen Dank für alles, was ihr tut.

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