Charity-Check:
Welthungerhilfe
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Die Welthungerhilfe verfügt über solide Grundlagen für Evaluation und Wirkungsmessung, insbesondere durch verbindliche Vorgaben und externe Evaluationspraxis. Ihre institutionelle Evaluationskultur ist mittelmäßig gut entwickelt. Deutlich schwächer ist jedoch der methodische Nachweis tatsächlicher Wirkung: robuste Evidenz konnte nicht gefunden werden. Die Kosteneffektivität wird weder analysiert noch kommuniziert, was die Steuerbarkeit einschränkt. In puncto Transparenz gibt es Fortschritte, etwa durch die Meta-Evaluation 2023, jedoch bestehen Lücken bei Aktualität, Datenzugang und systematischer Veröffentlichung. Insgesamt liegt die Welthungerhilfe im unteren Mittelfeld entwicklungspolitischer Organisationen mit Verbesserungspotenzial vor allem bei Wirkungstiefe und Datennutzung.
Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir daher 2,2 von 5 möglichen Sternen.
Webseite: www.welthungerhilfe.de
Gründungsjahr: 1962
Sitz: Bonn
Finanzkennzahlen (2024)
Gesamteinnahmen: 383,5 Mio. €
- Spenden: 86,5 Mio. €
- Öffentliche Fördermittel: 279,8 Mio. €
- Sonstige Erträge: 17,2 Mio. €
Gesamtaufwand: 381,4 Mio €
- Projektarbeit: 359,4 Mio. €
- Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit:
22,0 Mio. €
Detailbewertung
Wirkungsnachweis (Gewichtung: 40%)
Der Wirkungsnachweis der Welthungerhilfe ist in der Breite eher schwach ausgeprägt. Zwar werden in vielen Projekten Outcome-Indikatoren berichtet und in einzelnen Programmen theoriebasierte Ansätze angewendet. Allerdings fehlen vollständig robuste kausale Designs wie randomisierte kontrollierte Studien oder quasi-experimentelle Studien. Die Ergebnisse beruhen vor allem auf Vorher-Nachher-Beobachtungen ohne Kontrollgruppen. Peer-Review-Verfahren oder unabhängige Validierungen wissenschaftlicher Standards sind nicht dokumentiert. Der Anteil an Programmen mit überprüfbarer Evidenz bleibt sehr gering. Damit ist die tatsächliche Wirkung oft nicht über das Plausibilitätsniveau hinaus belegbar.
Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir im Bereich Wirkungsnachweis 2 von 5 möglichen Sternen (trägt 40% zur Gesamtbewertung bei).
Evaluationskultur (Gewichtung: 30%)
Die Welthungerhilfe verfügt über eine institutionell verankerte Evaluationspraxis mit klaren Kriterien, wann Projekte extern evaluiert werden müssen. Besonders hervorzuheben ist das Vorliegen eines Evaluation Manuals und die regelmäßige Beauftragung externer Gutachten. Die Meta-Evaluation von 2023 bewertet die Qualität der Evaluationen als insgesamt solide. Schwächen zeigt jedoch der geringe Anteil evaluierter Projekte bezogen auf das Gesamtportfolio. Auch die Nutzung von Evaluationsergebnissen für strategische Entscheidungen erfolgt laut Meta-Evaluation nur begrenzt. Zuständigkeiten und Finanzierung der Evaluationen sind zudem nicht transparent geregelt. Insgesamt ist die Evaluationskultur etabliert, aber in ihrer Umsetzung ausbaufähig.
Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir im Bereich Evaluationskultur 3 von 5 möglichen Sternen (trägt 30% zur Gesamtbewertung bei).
Kosteneffektivität (Gewichtung: 20%)
Im Bereich Kosteneffektivität gibt es derzeit keine veröffentlichten Analysen zur Kosten-Wirkungs-Relation. Die Welthungerhilfe orientiert sich zwar an den OECD-DAC-Kriterien, eine systematische Bewertung der Wirtschaftlichkeit findet jedoch nicht nachweisbar statt. Auch Vergleiche zwischen Programmen oder Wirkungen pro eingesetztem Euro fehlen vollständig. Ebenso ist unklar, ob Kosteneffizienz bei Förderentscheidungen eine Rolle spielt. Offen bleibt auch, ob es Pläne zur Einführung entsprechender Methoden gibt. Damit bleibt ein zentrales Steuerungselement ungenutzt.
Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir im Bereich Kosteneffektivität 1 von 5 möglichen Sternen (trägt 20% zur Gesamtbewertung bei).
Transparenz (Gewichtung: 10%)
Die Welthungerhilfe veröffentlicht zentrale Evaluations- und Wirkungsdokumente auf ihrer Website, darunter auch Methodenbeschreibungen und eine Meta-Evaluation. Jahresberichte enthalten Kapitel zur Wirkung, und Evaluationen sind nach Regionen auffindbar. Allerdings ist die Veröffentlichungspraxis nicht systematisch oder aktuell – der letzte Wirkungsbericht stammt aus dem Jahr 2022, und viele Evaluationen sind nur punktuell auffindbar. Negative Ergebnisse werden nur teilweise berichtet und nicht hervorgehoben. Eine Übersicht offener Datensätze oder projektgenauer Ausgaben fehlt. Auch direkte Kontaktmöglichkeiten für Stakeholder zu veröffentlichten Ergebnissen sind nicht vorhanden. Die Transparenz ist bemüht, aber inkonsequent umgesetzt.
Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir im Bereich Transparenz 3 von 5 möglichen Sternen (trägt 10% zur Gesamtbewertung bei).
Welthungerhilfe – Kurzbeschreibung
Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen Deutschlands. Sie wurde 1962 gegründet und hat ihren Sitz in Bonn. Die Organisation arbeitet politisch und konfessionell unabhängig und unterstützt Menschen weltweit dabei, Hunger und Armut zu überwinden. Grundlage der Arbeit ist der Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“. Mit über 550 Mitarbeitenden im In- und Ausland führt die Welthungerhilfe Projekte gemeinsam mit lokalen Partnern durch, um nachhaltige Verbesserungen der Lebensbedingungen zu erreichen.
Projekte und Handlungsschwerpunkte
Die Welthungerhilfe arbeitet in vielfältigen Bereichen, um Menschen in Not zu unterstützen. Dazu gehören Ernährungssicherung, Landwirtschaft, Wasser- und Sanitärversorgung, Gesundheit und Ernährung von Kindern, Katastrophenhilfe, Wiederaufbau und Bildungsarbeit. Die Organisation setzt außerdem Programme zur Einkommensförderung und Klimaresilienz um und reagiert schnell bei akuten Krisen wie Konflikten oder Naturkatastrophen.
Länderschwerpunkte
Die Welthungerhilfe ist in 37 Ländern aktiv, vor allem in Afrika und Asien. 2024 unterstützte sie dort Millionen von Menschen in 649 Projekten. Die meisten Projekte liegen in afrikanischen Ländern, aber auch in Südasien, dem Nahen Osten, Teilen Lateinamerikas und der Ukraine. Gemeinsam mit lokalen Partnern reagiert sie flexibel auf akute Notlagen und setzt langfristige Programme um.