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Charity-Check:
misereor


Logo Misereor

misereor hat klare Stärken in der institutionellen Verankerung von Evaluationskultur und in der Transparenz, aber Schwächen beim strengen Wirkungsnachweis und bei der systematischen Kosteneffektivität. Insgesamt ergibt sich aus den vier Kategorien ein Bild im oberen Mittelfeld: Die Struktur und Unabhängigkeit der Evaluationspraxis sind im Vergleich zu vielen Organisationen stark, der tatsächliche Evidenzgrad der Wirkungen eher mittel, die Kosteneffektivität eher niedrig bis mittel und die Transparenz wieder deutlich überdurchschnittlich. Im Vergleich zu anderen großen Hilfswerken lässt sich misereor daher insgesamt als „eher stark“ einordnen, wenn der Fokus auf Evaluationskultur und Offenheit liegt – mit klaren Abstrichen bei harter Wirkungsevidenz und analytischer Kosteneffektivität. Um die Evaluationskultur weiter zu verbessern, wären insbesondere drei Schritte sinnvoll: erstens der systematischere Einsatz theoriegestützter und, wo möglich, quasi-experimenteller Designs (inklusive Baseline-Daten und kontrafaktischer Überlegungen), zweitens der Aufbau standardisierter Kosten-Wirkungs-Analysen und Vergleichskennzahlen zwischen Projekten, und drittens eine noch strukturiertere, zugängliche Übersicht aller Evaluationen inklusive klarer Kennzeichnung von Grenzen, Misserfolgen und Lernpunkten.

Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir daher 3,2 von 5 möglichen Sternen.

Webseite: www.misereor.de

Gründungsjahr: 1958

Sitz: Aachen


Finanzkennzahlen (2024)

Gesamteinnahmen: 229,9 Mio. €

  • Spenden: 62,4 Mio. €
  • Öffentliche Fördermittel: 152,3 Mio. €
  • Sonstige Erträge: 15,2 Mio. €

Gesamtaufwand: 253,1 Mio €

  • Projektarbeit: 233,3 Mio. €
  • Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit:
    19,8 Mio. €

Wirkungsnachweis (Gewichtung: 40%)

Beim Wirkungsnachweis zeigt misereor ein gemischtes Bild: Es gibt eine solide Basis an Outcome-orientierten Nachweisen, regelmäßige externe Evaluationen und thematische Querschnitts- und Meta-Evaluationen (z. B. im Bereich Menschenrechte). Wirkungen werden in vielen Fällen anhand konkreter Veränderungen für Zielgruppen beschrieben, und die Evidenz ist überwiegend aktuell (< 5 Jahre). Gleichzeitig bleibt das methodische Niveau begrenzt: Strenge kausale Wirkungsnachweise (durch randomisierte kontrollierte Studien) fehlen komplett, quasi-experimentelle Ansätze kommen nur vereinzelt vor, und theoriegestützte Analysen (klare Theory of Change, kontrafaktische Überlegungen) sind laut Meta-Evaluation häufig lückenhaft. Häufig werden Outputs (z. B. Anzahl Schulungen) als „Wirkungsnachweis“ genutzt, differenzierte Auswertungen nach Gruppen (z. B. Geschlecht) sind nur teilweise vorhanden, und unabhängige Bestätigungen durch Forschung oder stabile Kooperationen mit Universitäten fehlen. Insgesamt ergibt sich daher ein Wirkungsnachweis auf „niedrig bis mittlerem“ Niveau: deutlich besser als reines Storytelling, aber weit entfernt von strenger Wirkungsevidenz.

Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir im Bereich Wirkungsnachweis 3 von 5 möglichen Sternen (trägt 40% zur Gesamtbewertung bei).

Evaluationskultur (Gewichtung: 30%)

misereor hat die Evaluationskultur klar strukturell verankert: Es gibt ein Evaluierungskonzept (mehrfach überarbeitet) mit klaren Kriterien und Vorgaben. Außerdem sind Evaluierungen spätestens in der dritten Förderphase verpflichtend. Desweiteren gibt es ein eigenes Team „Evaluierung & Beratung“. Projektevaluationen werden konsequent extern vergeben, interne Projektevaluationen finden bewusst nicht statt – was die Unabhängigkeit stärkt, aber auch bedeutet, dass es keine zusätzlichen internen „Second Opinions“ gibt. Positiv ist, dass mindestens 10 % der relevanten Projekte jährlich evaluiert werden und die Qualität der Evaluationen über Meta-Evaluationen überprüft wird (zuletzt mit überwiegend guter Bewertung). Schwächen liegen vor allem darin, dass eben nicht alle Programme systematisch erfasst werden und dass die Nutzung der Ergebnisse für strategische Entscheidungen zwar beschrieben, aber eher qualitativ und „teilweise“ belegt ist.

Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir im Bereich Evaluationskultur 4 von 5 möglichen Sternen (trägt 30% zur Gesamtbewertung bei).

Kosteneffektivität (Gewichtung: 20%)

Im Bereich Kosteneffektivität erfüllt misereor eher die Mindestanforderungen als einen hohen Standard. Positiv ist, dass Effizienz in den Leitlinien ausdrücklich als Kriterium benannt wird, in Evaluationen qualitativ geprüft wird („wurde sparsam und wirtschaftlich gehandelt?“), und dass Hinweise auf Kennzahlen wie „Kosten pro Begünstigten“ oder „Kosten pro Leistung“ in der Methodik angelegt sind. Außerdem fließt die Einschätzung zur Effizienz in Förderentscheidungen ein, etwa bei der Frage, ob Projekte fortgeführt oder beendet werden. Gleichzeitig bleibt der systematische Nachweis von Kosteneffektivität schwach: Kosten-pro-Ergebnis-Analysen finden nur punktuell und qualitativ statt, Programme werden nicht erkennbar auf Basis von Kosten-Wirkungs-Vergleichen priorisiert, und es ist unklar, ob und wie Kennzahlen tatsächlich zwischen Projekten verglichen werden. Pläne, die Analyse der Kosteneffektivität deutlich zu vertiefen (z. B. standardisierte Kosten-Wirkungs-Analysen), sind in den vorliegenden Dokumenten nicht erkennbar. Insgesamt deutet das auf ein eher niedriges bis mittleres Niveau der Kosteneffektivität hin.

Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir im Bereich Kosteneffektivität 2 von 5 möglichen Sternen (trägt 20% zur Gesamtbewertung bei).

Transparenz (Gewichtung: 10%)

Transparenz ist eine klare Stärke von misereor. Es gibt einen eigenen Bereich auf der Website zu Evaluierung und Beratung, die Evaluations-Handreichung ist öffentlich zugänglich, und es werden jährlich sowohl ein Evaluationsbericht als auch Kurzfassungen aller Evaluierungen veröffentlicht. Im Publikationsbereich sind Evaluationen suchbar, und Meta-Evaluationen sowie thematische Syntheseberichte sind offen verfügbar. Auch die Projektfinanzen sind vergleichsweise transparent: Im Jahresbericht werden für Projekte bewilligte Mittel aufgeführt. Darüber hinaus kommuniziert misereor in Teilen methodische Grenzen (z. B. fehlende Daten, mangelnde Differenzierung) und veröffentlicht auch Meta-Evaluationen, in denen Schwächen klar benannt und Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet werden. Schwächen bleiben vor allem bei der Systematik der Darstellung: Es gibt keine vollständige, strukturierte Übersicht aller Evaluationen mit Kerninformationen (Thema, Methode, Region, Design) und keine offenen Datensätze. Zudem sind negative Evaluationsergebnisse eher über Formulierungen und Konsequenzen erschließbar, als dass sie klar und prominent ausgewiesen würden.

Im Rahmen des Effektiv Spenden Charity-Check vergeben wir im Bereich Transparenz 4 von 5 möglichen Sternen (trägt 10% zur Gesamtbewertung bei).

misereor Kurzbeschreibung

misereor ist das weltweit größte katholische Entwicklungswerk mit Sitz in Aachen. misereor verfolgt drei Ziele: Projektarbeit gegen Hunger & Armut in der Welt, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit um für globale Ursachen von Armut zu sensibilisieren und Advocacy-Arbeit für einen gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Gerechtigkeit. Die Organisation setzt sich vor allem für gerechte, nachhaltige Entwicklung ein (z. B. faire Wirtschaftsstrukturen, Schutz der Schöpfung). Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz arbeitet misereor als Förderer und politische Lobby für benachteiligte Menschen – getragen von ca. 1.700 Partnerorganisationen in 85 Ländern der Welt.

Projekte und Handlungsschwerpunkte

misereor unterstützt vorrangig Projekte zur Armuts- und Hungerbekämpfung. Wichtige Themen sind Gesundheitsvorsorge (z. B. AIDS-Prävention), nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherung, Bildung sowie Umwelt- und Klimaschutz. Zudem fördert misereor Menschenrechte, demokratische Teilhabe und die Stärkung von Staat und Zivilgesellschaft.

Länderschwerpunkte

Tätig in mehr als 80 Ländern, insbesondere in Afrika, Asien und Lateinamerika, in Europa insbesondere in Südeuropa und Südosteuropa.