Unser Buch: 100x MEHR – Geschichten, wie deine Spende wirklich wirkt: Jetzt vorbestellen! Unser Buch: 100x MEHR
Jetzt vorbestellen!

Wofür eigentlich? Philanthropie- und Spendenberatung in der Schweiz

Luftaufnahme des Zürichsees mit Stadt und Alpenpanorama

Eine Unternehmerin verkauft ihre Firma und möchte einen Teil des Erlöses stiften. Ihre Bank strukturiert das Vermögen und begleitet die Gründung einer Stiftung, eine Anwältin klärt die rechtlichen und steuerlichen Fragen. Nach ein paar Monaten steht das Vehikel: professionell aufgesetzt, steuerlich sauber, mit ordentlicher Governance. Nur die wichtigste Frage ist noch offen – wofür eigentlich?

Welchen Zweck soll die Stiftung verfolgen? Welche Organisationen bewirken innerhalb dieses Zwecks am meisten? Und wie lässt sich diese Wirkung über Jahre hinweg maximieren? Wer in der Schweiz grössere Beträge spenden oder sein philanthropisches Engagement langfristig aufbauen möchte, merkt an diesem Punkt: Ein solches Vorhaben berührt ganz unterschiedliche Fachgebiete – und kaum ein Anbieter deckt sie alle ab.

Dabei zeigt sich: Die Schweizer Beratungslandschaft ist weniger ein Wettbewerb konkurrierender Anbieter als ein Zusammenspiel verschiedener Rollen. Banken bauen Strukturen, Anwälte und Steuerberater sichern das Fundament, Strategieberatungen entwickeln das Engagement – und die Frage, wo eine Spende am meisten bewirkt, ist noch einmal eine eigene Disziplin. Viele Spendende arbeiten deshalb nicht mit einem, sondern mit mehreren spezialisierten Partnern. Das unterscheidet die Schweiz gar nicht so sehr von Deutschland, dessen Beratungslandschaft wir bereits porträtiert haben – nur ist hierzulande die Rolle der Banken und Dachstiftungen deutlich ausgeprägter.

Dass sich die Wirkungsfrage lohnt, zeigt die Forschung deutlich: Die besten Organisationen bewirken pro Franken ein Vielfaches des Durchschnitts, und weil der Spendenmarkt nicht wie ein gewöhnlicher Markt funktioniert, setzen sich die wirksamsten Angebote nicht von allein durch. Wer diese Frage nicht bewusst stellt, überlässt die wichtigste Entscheidung dem Zufall – oder dem Marketing.

Welche Expertise benötigst du?

Die Frage «Welcher Anbieter ist der beste?» führt deshalb in die Irre. Zielführender ist: Welche Aufgabe steht gerade an – und wer ist dafür spezialisiert?

AufgabeTypische Ansprechpartner
Stiftungsvermögen anlegen und die finanzielle Führung begleitenBank (z. B. UBS, Lombard Odier, Pictet, LGT, Zürcher Kantonalbank)
Rechtliche und steuerliche Fragen klären (Gründung, Gemeinnützigkeit, Nachlass)Anwältin, Steuerberater, spezialisierte Beratungen wie KENDRIS
Die Vermögensanlage unabhängig beurteilen, Vermögensverwalter auswählen und überwachenInvestment Consultants wie PPCmetrics oder c-alm
Eine Stiftung gründen, ihre Governance aufsetzen oder sie verwalten lassenStiftungsZentrum.ch; ohne eigene Stiftung: Dachstiftungen wie die Swiss Philanthropy Foundation oder die Fondation des Fondateurs
Eine langfristige Philanthropie-Strategie oder ein Familienprojekt entwickelnWISE, Pagume
Eine bestehende Stiftung oder NPO weiterentwickelnCon·Sense
Den Förderzweck schärfen und die wirksamsten Organisationen auswählenEffektiv Spenden
Die Rollen schliessen sich nicht aus – bei grösseren Vorhaben sind oft mehrere gleichzeitig gefragt.

Die Philanthropieberatungen im Porträt

Beginnen wir mit den Häusern, deren Kerngeschäft die Philanthropieberatung selbst ist. Ihr Kreis ist in der Schweiz überschaubar, ihre Profile sind es nicht:

AnbieterRolleZielgruppeBesonderheit
WISEStrategie & FamilienphilanthropieVermögende Privatpersonen und FamilienGenerationsübergreifende Philanthropie, Family Philanthropy Navigator
KENDRISRecht, Steuern & VermögensplanungVermögende PrivatpersonenPhilanthropie eingebettet in die Gesamtvermögensstrategie
StiftungsZentrum.chStiftungsgründung & -verwaltungStifter, Familien, UnternehmenUnabhängige Schweizer Beratung seit 2004
PagumeStrategie & WirkungsorientierungFamilien, Unternehmen, FörderstiftungenLeadership und internationale Perspektiven
Con·SenseOrganisationsentwicklungStiftungen und NPOWissenschaftlicher Hintergrund (CEPS-Spin-off)
Effektiv SpendenZweck schärfen & wirksamste Organisationen auswählenPrivatpersonen, Familien, Unternehmen und StiftungenEvidenzbasiert, kostenlos und unabhängig

Hinter den Kurzprofilen stehen recht unterschiedliche Häuser. WISE Philanthropy Advisors in Genf hat die Familienphilanthropie zu seinem Markenzeichen gemacht: Mitgründer Etienne Eichenberger hat mit dem Family Philanthropy Navigator ein Standardwerk dazu mitverfasst, wie Familien ihr Engagement über Generationen hinweg entwickeln. KENDRIS kommt aus der anderen Richtung – von Treuhand, Steuern und Nachlassplanung – und bettet Philanthropie in die Gesamtvermögensstrategie ein; das passt, wenn das Engagement Teil einer grösseren Vermögensfrage ist. StiftungsZentrum.ch wiederum ist die Adresse fürs Handwerk: Seit über zwanzig Jahren begleitet das Haus Gründung und Verwaltung von Stiftungen, ergänzt um Family-Office- und Corporate-Services.

Dazu kommen zwei kleinere, geschärfte Profile: Pagume Philanthropy Advisors in Bern entwickelt wirkungsorientierte Strategien für Unternehmen, Förderstiftungen und Familien, mit besonderem Blick auf Leadership und internationale Zusammenarbeit. Und Con·Sense, ein Spin-off des Center for Philanthropy Studies der Universität Basel, berät nicht Spendende, sondern die andere Seite: Stiftungen und Nonprofit-Organisationen, die sich strategisch weiterentwickeln wollen.

Und wir? Die Wirkungsfrage

Unsere Rolle in diesem Gefüge ist die Frage, vor der die Unternehmerin vom Anfang steht: Wohin sollen die Mittel fliessen, damit sie möglichst viel bewirken? Effektiv Spenden beantwortet nicht, wie philanthropisches Engagement organisiert wird – sondern wofür.

Dazu kuratieren wir in Zusammenarbeit mit unabhängigen Forschungsinstituten wie GiveWell, Founders Pledge und Animal Charity Evaluators ein kleines Portfolio herausragender internationaler Projekte – in der Bekämpfung extremer Armut, im Klimaschutz, im Tierschutz, beim Erhalt der Demokratie und bei der Minderung existenzieller Risiken. Die Entscheidung stützt sich damit auf belastbare Evidenz statt auf Bekanntheit oder Marketing. Bei grösseren Vorhaben begleiten unsere Berater den ganzen Weg – von der Spendenstrategie über die Auswahl der Organisationen bis zur Strukturierung grösserer Beträge, gern auch im Zusammenspiel mit Bank, Family Office oder Anwältin.

Wichtig: Wir erhalten weder direkte noch indirekte Vergütungen von den von uns empfohlenen Organisationen. Als gemeinnützige Organisation wird unsere Arbeit zu 100% durch freiwillige Spenden finanziert – unsere Spendenberatung ist deshalb kostenlos und unabhängig.

Banken und Dachstiftungen: die Struktur-Rolle

Was die Schweizer Landschaft von der deutschen unterscheidet, ist das Gewicht der Vermögensseite. Viele Banken – darunter UBS, Lombard Odier, Pictet, LGT oder die Zürcher Kantonalbank – sind neben der Vermögensanlage auch philanthropisch aktiv: Sie beraten bei der Stiftungsgründung, unterstützen bei der finanziellen Führung und führen teils eigene Dachstiftungen. Diese Angebote sind häufig professionell und gut vernetzt. Sie sind allerdings Teil einer umfassenden Vermögensberatung – hier, und eigentlich nur hier, stellt sich die Unabhängigkeitsfrage strukturell: Wer Vermögen verwaltet, berät nicht neutral über die Verwaltung dieses Vermögens.

Für genau diesen Punkt gibt es eine eigene Berufsgattung. Spezialisierte Investment Consultants wie PPCmetrics oder c-alm beraten Stiftungen und Nonprofit-Organisationen zur Anlage ihres Vermögens, wählen Vermögensverwalter aus und überwachen deren Ergebnisse – ohne selbst Vermögen zu verwalten und bezahlt allein von ihren Auftraggebern. Wer die Anlageseite unabhängig beurteilt haben möchte, findet hier das Gegenstück zur Bankberatung.

Die Frage nach der Wirkung – wohin die Mittel fliessen sollen – ist davon noch einmal unabhängig. Auch sie gehört typischerweise nicht zum Kerngeschäft einer Bank, und genau deshalb lassen sich die Rollen gut kombinieren.

«Eine Bank ist dann stark, wenn es um Struktur geht: um die Anlage des Stiftungsvermögens und um Unterstützung bei der Governance, insbesondere in der finanziellen Führung einer Stiftung. Die Fragen, wofür konkret gespendet werden soll und wo eine Spende am meisten bewirkt, sind eigene Disziplinen – es spricht viel dafür, sie bewusst zu stellen und dafür auch spezialisierte Partner beizuziehen.» Dr. Hansjörg Schmidt, langjähriger Leiter Stiftungen bei der Zürcher Kantonalbank (bis 2026)

Wer die Vorteile einer Stiftung nutzen möchte, ohne selbst eine zu gründen, findet in der wachsenden Zahl von Dachstiftungen eine schlanke Alternative: Zum Beispiel bei der Swiss Philanthropy Foundation oder der Fondation des Fondateurs richtet man einen eigenen Fonds unter bestehendem Dach ein. Verwaltung und Administration übernimmt die Dachstiftung, über die Förderzwecke entscheidet weiterhin die spendende Person. Auch unser Spenden-Depot folgt diesem Prinzip – verbindet es aber von vornherein mit der Wirkungsfrage.

Für den Selbst-Einstieg: Spheriq und Zewo

Nicht jedes Anliegen braucht gleich eine persönliche Beratung. Wer sich zunächst selbst orientieren möchte, findet auf Spheriq die grösste Rechercheplattform für gemeinnützige Organisationen und Stiftungen des Landes, mit umfangreichen Such- und Filtermöglichkeiten. Die Plattform hiess bis Oktober 2025 StiftungSchweiz und versteht sich heute als digitale Infrastruktur für den gesamten gemeinnützigen Sektor.

Und für viele Spendende ist das Zewo-Gütesiegel der erste Anhaltspunkt: Es prüft Transparenz, Governance und den verantwortungsvollen Umgang mit Spendengeldern – also, ob eine Organisation seriös arbeitet. Ob sie im Vergleich zu anderen auch besonders viel bewirkt, beantwortet es bewusst nicht. Beide Fragen sind berechtigt; man sollte nur wissen, welche der beiden ein Siegel beantwortet. Eine ausführliche Einordnung findest du in unserem Artikel «Das Zewo-Gütesiegel: Eine Kritik».

Dass Wirkung dabei mehr ist als ein Verkaufsargument, betont auch die Forschung. Das Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel, das führende Forschungsinstitut zum Schweizer Gemeinnützigkeitssektor, sieht in ihr die Grundlage von Vertrauen. Sein Direktor Prof. Dr. Georg von Schnurbein bringt es auf den Punkt:

«NPO gewinnen Vertrauen, wenn sie nachvollziehbar zeigen, welchen Unterschied sie machen.» Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Direktor CEPS, in «Philanthropie Aktuell» Nr. 1/2026

Was für Organisationen gilt, gilt auch für Spendende: Wer nachvollziehen kann, welchen Unterschied eine Spende macht, entscheidet besser.

Häufige Fragen

Brauche ich überhaupt eine Philanthropieberatung?

Je grösser das geplante Engagement, desto sinnvoller kann eine unabhängige Beratung sein. Wer regelmässig grössere Beträge spendet oder philanthropische Strukturen aufbauen möchte, profitiert häufig von einer strategischen Begleitung.

Sollte ich mehrere Beratungsangebote kombinieren?

In vielen Fällen ja. Grössere philanthropische Vorhaben berühren unterschiedliche Fachgebiete – Vermögensstruktur, Recht, Steuern, Governance und die Auswahl wirksamer Förderorganisationen. Deshalb arbeiten viele Spendende mit mehreren spezialisierten Partnern zusammen: Die Bank strukturiert, die Anwältin klärt die rechtlichen Fragen – und eine evidenzbasierte Spendenberatung stellt sicher, dass die Mittel dort ankommen, wo sie am meisten bewirken.

Was kostet eine Philanthropieberatung?

Das hängt vom Anbieter ab. Viele klassische Beratungen arbeiten auf Honorarbasis. Einige gemeinnützige Angebote – darunter Effektiv Spenden – beraten kostenlos.

Kann ich Spenden in der Schweiz steuerlich abziehen?

In der Regel ja: Spenden an Organisationen, die als gemeinnützig und steuerbefreit anerkannt sind, lassen sich vom steuerbaren Einkommen abziehen. Wie hoch der Abzug ausfällt, ist allerdings kantonal geregelt und unterscheidet sich je nach Wohnkanton teils deutlich; zusätzlich gelten auf Bundesebene eigene Grenzen. Weil die Details stark vom Einzelfall abhängen, widmen wir diesem Thema bald einen eigenen Beitrag.

Welche Beratung ist die beste?

Die Frage führt in die Irre: Die Anbieter übernehmen verschiedene Rollen und konkurrieren oft gar nicht. Entscheidend ist, welche Aufgabe bei dir ansteht – Struktur, Recht, Strategie oder Wirkung.

Fazit: Nicht der beste Anbieter, sondern das richtige Team

Zurück zur Unternehmerin vom Anfang: Was ihr fehlt, ist nicht der eine beste Berater, sondern das richtige Team. Bank und Anwältin haben ihre Rollen bereits gespielt – Struktur und Fundament stehen. Offen ist die Frage, die über die Wirkung ihres Vermögens entscheidet: wofür. Die Schweizer Beratungslandschaft ist klein genug, dass du dir von jedem Anbieter selbst ein Bild machen kannst, und vielfältig genug, dass für jede dieser Rollen ein Spezialist bereitsteht.

Falls wir dein Interesse wecken konnten, du noch Fragen oder Anregungen hast oder eine kostenlose persönliche Spendenberatung wünschst – gern auch im Zusammenspiel mit deinen bestehenden Beratern –, melde dich bei uns: telefonisch unter +41 44 244 27 38, per E-Mail oder direkt mit einem Termin nach Wahl.

Über den Autor

Avatar von Philipp Augenstein

Weitere Blogposts