Stand: Oktober 2026 · Zahlen: Zewo-Spendenstatistik 2025
Kurz gesagt: Das Zewo-Gütesiegel bestätigt, dass eine Organisation 21 Standards zu Führung, Transparenz, Rechnungslegung und Mittelverwendung einhält. Es ist ein Nachweis für ordentliche Führung, kein Wirksamkeitsvergleich. Mit dem 2025 eingeführten Zewo Impact Tool hat die Zewo einen Schritt hin zu mehr Wirkungsorientierung gemacht: Hilfsorganisationen können damit ihre Fortschritte anhand selbst gesetzter Ziele planen und messen. Eine vergleichende Prüfung, welche Organisation mit Spenden mehr bewirkt, fehlt jedoch weiterhin.
Zudem ist das Zewo-Gütesiegel für die Steuerbefreiung nicht massgebend.
Nach der Hochrechnung der Zewo gehen rund zwei Drittel des Geldes, das in der Schweiz gespendet wird, an Organisationen mit Zewo-Gütesiegel. 2025 waren es CHF 1.55 Milliarden von insgesamt rund CHF 2.3 Milliarden.
Auch bei der einzelnen Spendenentscheidung zählt das Siegel. Von den Spenderinnen und Spendern, die insgesamt mehr als 200 Franken gespendet haben, kennen 61 Prozent das Zewo-Gütesiegel. Von diesen achten 69 Prozent beim Spenden immer oder oft darauf. Das sind rund vier von zehn grösseren Spenderinnen und Spendern (Bevölkerungsbefragung Link Institut 2025 im Auftrag der Zewo).
Das zeigt, wie viel Gewicht das Siegel hat. Umso bedauerlicher ist, dass die Frage, die beim Spenden eigentlich im Vordergrund stehen sollte, nicht zum Prüfauftrag der Zewo gehört: wo die eigene Spende die grösstmögliche Wirkung erzielt. Wer wissen will, wo er oder sie mit jedem Franken möglichst vielen Menschen oder Tieren in Not helfen kann, muss sich anderweitig umschauen.
Was das Zewo-Gütesiegel ist
Die Zentrale Auskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen, seit 1990 nur noch Zewo genannt, nahm 1934 ihre Tätigkeit auf und vergibt seit den frühen 1940er-Jahren ihr Gütesiegel. Ähnlich wie das deutsche DZI-Spendensiegel und das Österreichische Spendengütesiegel zeichnet es Hilfsorganisationen aus, die ihre Spenden nach dem Anspruch der Zewo «zweckbestimmt, wirksam und wirtschaftlich» einsetzen (Spendenreport 2025). Ende 2025 trugen rund 500 Organisationen das Siegel, darunter bekannte wie Helvetas, Pro Juventute oder die Krebsliga Schweiz.
Die Prüfstelle wird von den Geprüften bezahlt
Um das Siegel zu erhalten, muss sich eine Non-Profit-Organisation (NPO) einer kostenpflichtigen Prüfung durch die Zewo unterziehen. Laut Gebührenreglement wird der Prüfaufwand mit einem Stundensatz von CHF 150 verrechnet, dazu kommt eine jährliche Lizenzgebühr von bis zu CHF 13’000. Die Pauschale für die Erstprüfung beträgt CHF 2’500. Für eine Erstzertifizierung rechnet die Zewo selbst typischerweise mit rund CHF 5’000 (auf Englisch).
Auch wenn uns kein Fall bekannt ist, in dem sich dieser Interessenkonflikt auf die Vergabe des Siegels ausgewirkt hat, sehen wir es kritisch, dass die Prüfstelle, wie beim deutschen DZI, von den geprüften Organisationen bezahlt wird und damit finanziell von ihnen abhängt. 2025 stammten CHF 1.17 Millionen der CHF 1.30 Millionen Betriebsertrag der Zewo aus der Vergabe des Gütesiegels, rund 90 Prozent.
Geprüft werden Standards, nicht Wirkung
Vor allem aber geht es beim Zewo-Gütesiegel nicht darum, die besten Hilfswerke zu finden, sondern darum, die Einhaltung der 21 Zewo-Standards zu bestätigen. Das sind durchaus wichtige Standards zu Integrität, Transparenz und Effizienz. Bei der Effizienz steht allerdings der Anteil der Verwaltungskosten im Vordergrund, ein aus unserer Sicht wenig aussagekräftiger Massstab. Die Zewo wirbt gegenüber Spendenden selbst mit dieser Logik: Von 100 Franken setzen zertifizierte Hilfswerke laut Zewo durchschnittlich 81 Franken für Projekte ein, 12 Franken für die Verwaltung und 7 Franken für das Sammeln von Spenden (Spendenreport 2025, Datengrundlage 2020). Das beantwortet die Frage, ob eine Spende ankommt. Was sie bewirkt, beantwortet es nicht.
Für die Wirkung gibt es einen eigenen Standard. Standard 10 verlangt, dass eine Organisation wirkungsorientiert handelt: Sie soll Wirkungsziele definieren, deren Erreichung regelmässig überprüfen und in ihrer öffentlichen Berichterstattung über Wirkung informieren. Ob eine Organisation tatsächlich Wirkung erzielt, ob sich also die Lebensbedingungen der Zielgruppe verbessert haben, prüft die Zewo selbst nicht. Und selbst diese Anforderungen wurden uneinheitlich umgesetzt: Bei kleineren und im Inland tätigen Organisationen konnte die Zewo nach eigener Aussage nur teilweise Fortschritte erkennen.
Das Zewo Impact Tool: ein Fortschritt mit Grenzen
Die Zewo hat darauf reagiert. Im Januar 2025 führte sie das Zewo Impact Tool (ZIT) ein. Damit erstellen Organisationen ein Wirkungsmodell, legen Ziele und Indikatoren fest und dokumentieren ihre Fortschritte. Für zertifizierte Organisationen ist das Tool kostenlos, und es kann als Nachweis für Standard 10 dienen. Im Herbst 2025 hatten sich 466 Personen aus 153 Organisationen registriert. Von den rund 500 zertifizierten Organisationen haben sich damit höchstens drei von zehn registriert, denn in der Zahl sind auch nicht zertifizierte Organisationen enthalten.
Das ist ein echter Fortschritt. Die Lücke, um die es uns geht, schliesst er aber nicht. Das Tool misst Fortschritte an Zielen und Indikatoren, die jede Organisation selbst festlegt, im Beispiel der Zewo etwa, ob Kinder in einer Therapie mehr Wortmeldungen machen. Ob ein Franken bei dieser Organisation mehr bewirkt als bei einer anderen, zeigt es nicht. Kosten-Wirksamkeit bleibt ausserhalb des Prüfauftrags.
Wo der Schwerpunkt der Prüfungen liegt, zeigen auch die Auflagen, die die Zewo ausspricht. 2025 ergaben 74 Rezertifizierungen 237 Auflagen, am häufigsten zur korrekten Verbuchung zweckgebundener Spenden nach Swiss GAAP FER und vermehrt zum Datenschutz. Durchgesetzt wird vor allem ordnungsgemässe Buchführung, nicht nachgewiesene Wirkung.
Warum das für Spendende wichtig ist
Die Zewo kann deshalb keine Aussage über die Kosteneffektivität machen, also darüber, ob die erzielte Wirkung in einem guten Verhältnis zu den Kosten steht oder ob man mit einer Spende an eine andere Organisation deutlich mehr Menschen helfen könnte. Das ist kein Detail. Zahlreiche Studien aus der globalen Entwicklungs- und Gesundheitsforschung zeigen, dass sich die Kosteneffektivität von Interventionen und Organisationen stark unterscheidet. Die besten Massnahmen erzielen bei vergleichbarem Mitteleinsatz ein Vielfaches der Wirkung anderer. Und die Frage beschäftigt Spendende zunehmend: Laut dem Spendenbarometer von Swissfundraising werden mangelndes Vertrauen und Zweifel an der Wirkung häufiger als Grund genannt, nicht zu spenden.
Um herausragende Initiativen zu identifizieren, reicht eine Prüfung, die sich im Wesentlichen auf formale Mindeststandards beschränkt, nicht aus. Das zeigen auch die öffentlichen Profile der zertifizierten Organisationen auf der Zewo-Website. Selbst bei grossen Organisationen wie dem Schweizerischen Roten Kreuz, das über Jahreseinnahmen von deutlich mehr als CHF 100 Millionen verfügt, beschränkt sich das Profil weitgehend auf eine Selbstdarstellung von weniger als 200 Wörtern. Zur Wirkung findet sich dort keine Aussage und kein weiterführender Link.
Wie es anders geht
Dass es anders geht, zeigt das Evaluationsinstitut GiveWell, auf dessen Untersuchungen unter anderem unsere Empfehlungen zur Armutsbekämpfung beruhen. In der Analyse des Malaria Consortium sind schon einige der über 100 Fussnoten länger als die kompletten Organisationsprofile der Zewo. Neben zahlreichen Studien sind dort auch die Berechnungen verlinkt, mit denen sich die Aussagen zur Kosteneffektivität nachvollziehen lassen.
Neben der inhaltlichen Tiefe unterscheidet sich der Ansatz von GiveWell und unseren anderen wissenschaftlichen Partnern auch grundsätzlich von dem der Zewo. Wir verfolgen nicht das Ziel, möglichst vielen Hilfsorganisationen die Einhaltung von Mindeststandards zu bescheinigen, und haben dafür auch keinen finanziellen Anreiz. Uns geht es darum, die weltweit wirksamsten Spendenorganisationen zu finden: Hilfswerke, bei denen man nicht nur sicher sein kann, dass die Spende ankommt, sondern die auch im internationalen Vergleich als herausragend bewertet wurden.
Deshalb präsentieren wir statt einer Liste mit Hunderten von Organisationen nur eine Handvoll wirklich herausragender Initiativen. Ganz gleich, ob es um die Bekämpfung extremer Armut, wirksamen Klimaschutz, Tierschutz, den Erhalt der Demokratie oder die Minderung existenzieller Risiken geht: Bei uns findest du einige der wirksamsten Hilfsorganisationen der Welt.
Wichtig: Wir erhalten weder direkte noch indirekte Vergütungen von den Organisationen, die wir empfehlen. Unsere Arbeit wird vollständig durch freiwillige Spenden finanziert, von Menschen, die wie wir überzeugt sind, dass man mit wohlüberlegten Spenden noch viel mehr Menschen und Tieren in Not helfen kann.
Mehr zu unserem Ansatz und unseren Partnern findest du in unserer Methodik. Wenn du darüber hinaus Fragen hast, kannst du jederzeit eine kostenlose und unabhängige Spendenberatung buchen.
Häufige Fragen
Was prüft die Zewo?
Die Zewo prüft, ob eine gemeinnützige Organisation die 21 Zewo-Standards einhält. Sie betreffen unter anderem Führung und Aufsicht, Transparenz, Rechnungslegung, die zweckbestimmte Verwendung der Spenden, Spendenwerbung und Datenschutz. Das Siegel wird alle fünf Jahre erneuert.
Heisst Zewo-zertifiziert auch wirksam?
Nicht im Sinne eines Vergleichs. Das Siegel bestätigt, dass eine Organisation ordentlich geführt wird und sich mit ihrer Wirkung befasst. Ob eine Spende bei ihr mehr bewirkt als bei einer anderen Organisation, prüft die Zewo nicht.
Bekommen Organisationen mit Zewo-Siegel mehr Spenden?
Sie erhalten den grössten Teil: Nach der Hochrechnung der Zewo gingen 2025 rund zwei Drittel aller Spenden in der Schweiz an zertifizierte Organisationen. Ob das am Siegel liegt, lässt sich daraus aber nicht ablesen, denn die meisten grossen Hilfswerke sind zertifiziert, 36 der 50 spendenstärksten Organisationen. Der Zuwachs 2025 entfiel vor allem auf diese grössten Organisationen, und dort wuchsen die Spenden jener ohne Siegel um 8.5 Prozent, jener mit Siegel um 8 Prozent. Die übrigen zertifizierten Organisationen erhielten 6 Prozent weniger Spenden (Zewo-Spendenstatistik 2025).
Was kostet das Zewo-Gütesiegel?
Nach Angaben der Zewo (auf Englisch) kostet eine Erstzertifizierung typischerweise rund CHF 5’000. Dazu kommt eine jährliche Lizenzgebühr, die je nach Organisation bis zu CHF 13’000 beträgt.
Brauche ich ein Zewo-Siegel, um meine Spende von den Steuern abzuziehen?
Nein. Abziehbar sind Spenden an Organisationen, die wegen gemeinnütziger Zwecke steuerbefreit sind und ihren Sitz in der Schweiz haben (Art. 33a DBG). Ein Gütesiegel ist dafür weder nötig noch ausreichend. Wie viel du mit deiner Spende sparst, erklären wir in «Spenden von der Steuer abziehen».
Wie findet Effektiv Spenden wirksame Organisationen?
Wir stützen uns auf unabhängige Evaluatoren wie GiveWell, die die Kosten-Wirksamkeit von Organisationen vergleichen und ihre Berechnungen offenlegen. Wie wir dabei vorgehen, beschreibt unsere Methodik.
Quellen
- Stiftung Zewo, Spendenstatistik 2025 (Ausgabe Oktober 2026): Spendenvolumen und Zewo-Anteil 2025, Entwicklung nach Organisationsgrösse
- Swissfundraising und Stiftung Zewo, Spendenreport Schweiz 2025 (November 2025): Bekanntheit und Beachtung des Gütesiegels (Link Institut 2025), Selbstdarstellung der Zewo, Kostenaufteilung pro 100 Franken, Zewo Impact Tool, Spendenbarometer
- Stiftung Zewo, Jahresbericht und Jahresrechnung 2025: Anzahl zertifizierter Organisationen, Auflagen, Betriebsertrag, Gründung
- Stiftung Zewo, Gebührenreglement
- Stiftung Zewo, How to get the Zewo quality seal (auf Englisch): Kosten der Erstzertifizierung
- Stiftung Zewo, Die 21 Zewo-Standards
- Center for Global Development, The Moral Imperative toward Cost-Effectiveness in Global Health
- GiveWell, Malaria Consortium
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