67% aller Schweizerinnen und Schweizer, die im vergangenen Jahr mehr als 200 Franken gespendet haben, achteten oft oder immer auf das Zewo-Gütesiegel.
Dieses Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zeigt, wie gross der Einfluss des bekanntesten Schweizer Spendensiegels auf die etwa 2.25 Milliarden Franken ist, die jedes Jahr in der Schweiz gespendet werden.
Das ist erstaunlich, aber auch schade, denn die Frage, die beim Spenden eigentlich im Vordergrund stehen sollte, nämlich wo man mit seiner Spende die grösstmögliche Wirkung erzielen kann, gehört leider nicht zum Prüfauftrag der Zewo. Wer also wissen will, wo er oder sie mit jedem Franken möglichst vielen Menschen oder Tieren in Not helfen kann, muss sich anderweitig umschauen.
Aber der Reihe nach… Das Zewo-Gütesiegel wurde bereits 1940 von der Zentralen Auskunftsstelle für Wohlfahrtsunternehmungen (seit 1990 nur noch Zewo) eingeführt und soll, ähnlich wie das deutsche DZI-Spendensiegel und das Österreichische Spendengütesiegel, Hilfsorganisationen auszeichnen, „die Spenden zweckbestimmt, wirtschaftlich und wirksam einsetzen.“ Derzeit tragen 503 Organisationen das Zewo-Gütesiegel, darunter bekannte Organisationen wie Helvetas, Pro Juventute oder die Krebsliga Schweiz.
Um es zu erhalten, muss sich eine Non-Profit-Organisation (NPO) einer kostenpflichtigen Prüfung durch die Zewo unterziehen. Die genaue Höhe der Gebühr hängt u.a. vom tatsächlichen Aufwand der Prüfung ab, die mit einem Stundensatz von SFr. 150 berechnet wird, sowie einer jährlichen Lizenzgebühr von bis zu SFr. 13.000. Bereits die pauschale Gebühr für die Erstprüfung beträgt SFr 2.500, laut aktuellem Gebührenreglement.
Auch wenn uns kein Fall bekannt ist, in dem sich dieser Interessenkonflikt auf die Vergabe des Gütesiegels ausgewirkt hat, sehen wir es generell kritisch, dass – wie beim deutschen DZI – die Prüfstelle von den geprüften Organisationen bezahlt wird und damit von diesen finanziell abhängig ist. So erzielt die Zewo mit den Gebühren für die Vergabe des Gütesiegels 86% ihrer gesamten Einnahmen.
Vor allem aber geht es beim Zewo-Gütesiegel nicht darum, die besten Hilfswerke zu finden, sondern lediglich darum, die Einhaltung der 21 Zewo-Standards zu zertifizieren. Dabei handelt es sich zwar um durchaus wichtige Standards wie Integrität, Transparenz und Effizienz (letzterer fokussiert leider zu stark auf die aus unserer Sicht irrelevanten Verwaltungskosten), aber die konkreten Anforderungen zur Erfüllung sind oft nicht sehr anspruchsvoll. So ist z.B. der besonders relevante Standard Wirkung bereits „im Wesentlichen erfüllt, wenn die Organisation Wirkungsziele definiert hat und in der öffentlichen Berichterstattung über das Thema Wirkung berichtet.” Ob die geprüfte Spendenorganisation tatsächlich Wirkung erzielt hat, sie die Lebensbedingungen der Zielgruppe also wirklich verbessert hat, wird von der Zewo selbst also überhaupt nicht geprüft. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Thema Wirkung nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist die Tatsache, dass sich zuletzt keine der im Rahmen der Zewo-Prüfungen erteilten Auflagen auf den Standard Wirkung bezogen. Die meisten beziehen sich lediglich auf Standards wie die korrekte Abbildung der Jahresrechnung und die korrekte Verwendung der Spendengelder.
Insofern kann die Zewo auch keine Aussage über die Kosteneffektivität machen, also ob die möglicherweise erzielte Wirkung in einem wirklich guten Verhältnis zu den Kosten steht, oder ob man mit einer Spende an eine andere Organisation deutlich mehr Menschen helfen könnte. Wir sehen dies kritisch, denn zahlreiche Studien aus der globalen Entwicklungs- und Gesundheitsforschung zeigen, dass sich die Kosteneffektivität von Interventionen und Organisationen stark unterscheidet. Die besten Massnahmen erzielen bei vergleichbarem Mitteleinsatz ein Vielfaches der Wirkung anderer. Um solche herausragend guten Initiativen zu identifizieren, reicht eine Überprüfung, die sich im Wesentlichen auf die Einhaltung formaler Mindeststandards beschränkt, allerdings nicht aus. Und in der Tat sind zumindest die öffentlich zugänglichen Profile der zertifizierten Hilfsorganisationen auf der Zewo-Webseite wenig detailliert. Selbst die Darstellung grosser Organisationen, die, wie das Schweizerische Rote Kreuz, über Jahreseinnahmen von deutlich mehr als 100 Millionen Franken verfügen, beschränkt sich weitgehend auf eine Selbstdarstellung von weniger als 200 Wörtern. Zum Thema Wirkung findet sich überhaupt keine Aussage und es werden auch keine diesbezüglich weiterführenden Links zur Verfügung gestellt.
Dass es auch anders geht, zeigt das Evaluierungsinstitut GiveWell, auf dessen Untersuchungen die Empfehlungen von Effektiv Spenden basieren. So sind beispielsweise in dieser Analyse des Malaria Consortiums schon einige der über 100 (!) Fussnoten deutlich länger als die kompletten Organisationsprofile der Zewo. Neben zahlreichen Studien sind dort auch komplexe Berechnungen verlinkt, mit deren Hilfe die Aussagen zur Kosteneffektivität nachvollzogen werden können.
Neben der inhaltlichen Tiefe unterscheidet sich der Ansatz von GiveWell und den anderen wissenschaftlichen Partnern von Effektiv Spenden aber auch ganz grundsätzlich von dem der Zewo. Wir verfolgen nicht das Ziel und haben auch keinen finanziellen Anreiz möglichst vielen Hilfsorganisationen die Einhaltung bestimmter Mindeststandards zu bescheinigen. Uns geht es einzig und allein darum, die weltweit besten Spendenorganisationen zu finden, quasi die Testsieger. Also Hilfswerke, bei denen man sich nicht nur sicher sein kann, dass die eigene Spende ankommt, sondern die auch im internationalen Vergleich als herausragend gut bewertet wurden.
Dieser Ansatz führt dazu, dass wir auf Effektiv Spenden statt einer Liste mit Hunderten von gemeinnützigen Organisationen nur eine Handvoll wirklich herausragender Initiativen präsentieren. Ganz gleich, ob es um die Bekämpfung extremer Armut, wirksamen Klimaschutz oder Tierschutz, den Erhalt der Demokratie oder die Minderung existenzieller Risiken geht: Bei uns findest du einige der effektivsten Hilfsorganisationen der Welt.
Wichtig: Wir erhalten weder direkte noch indirekte Vergütungen von den von uns empfohlenen Organisationen. Die Arbeit unserer unabhängigen und gemeinnützigen Organisation wird zu 100% durch freiwillige Spenden finanziert. Von Menschen, die wie wir daran glauben, dass man mit wohlüberlegten Spenden noch viel mehr Menschen und Tieren in Not helfen kann.
Mehr zu unserem generellen Ansatz und unseren Partnern findest du hier und falls du darüber hinaus noch Fragen hast, kannst du auch jederzeit eine kostenlose und unabhängige Spendenberatung buchen.
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