Deutschland ist für weniger als 2% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, daher würde ja selbst eine wirklich ambitionierte deutsche Klimapolitik nichts bringen…

So oder ähnlich haben in den letzten Jahren viele Entscheidungsträger argumentiert, nicht zuletzt der künftige Bundeskanzler Friedrich Merz. Mir fällt es inzwischen schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn ich dieses „Argument” höre und unterstelle den Menschen in der Regel, dass es ihnen nicht um Erkenntnisgewinn oder gar das Lösen von Problemen geht, sondern nur darum, in der Debatte zu punkten.
Aber für diejenigen, die es wirklich ernst meinen, hier noch mal fünf Gründe, warum die aktuellen CO2 Treibhausgasemissionen eines Landes für dessen Klimapolitik nicht wirklich relevant sein sollten.
1. Pro Kopf statt pro Land
Natürlich ergibt es keinen Sinn, sich am Ausstoß eines ganzen Landes zu orientieren, wenn es darum geht, wer in der Pflicht ist. Vielmehr sollte man sich an den CO2-Emissionen pro Kopf orientieren und da liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht nur vor China, sondern auch um mehr als 100% über dem weltweiten Durchschnitt.
2. Konsum statt Produktion
Viele Emissionen entstehen für importierte Produkte. In Deutschland und Österreich sind die konsumbezogenen CO₂-Emissionen um rund 40 % höher als die offiziell ausgewiesenen. In der Schweiz sogar über 270 % höher. Entscheidend ist, was wir verbrauchen, nicht nur, was wir produzieren.
3. Historische statt aktuelle Emissionen
Es scheint äußerst unfair, sich lediglich auf die aktuellen Emissionen zu konzentrieren, anstatt auf die historische Summe, denn schließlich wurde unser Wohlstand nicht alleine im letzten Jahr erzeugt, sondern basiert zu einem nennenswerten Teil auf der industriellen Entwicklung der letzten 200 Jahre. Gemäß dieser Metrik liegt Deutschland schon bei über 5%.
4. Zielerreichung statt Blame Game
Selbst wenn die beiden größten Emittenten – China und die USA – überhaupt keine Treibhausgase mehr ausstoßen würden, hätten wir das Ziel, die weltweiten CO2-Emissionen auf 0 zu reduzieren, nicht einmal zur Hälfte erreicht. Wenn nicht alle mitmachen, kann es nicht klappen, daher können sich auch kleine Länder nicht ihrer Verantwortung entziehen.
5. Ambitionen statt Ausreden
Anstatt zu lamentieren, wie viel oder wenig Deutschland zum Klimawandel beiträgt, sollten wir lieber darüber nachdenken, wie wir mehr erreichen können. Dabei sollten wir nicht zu sehr nach innen schauen, sondern überlegen, welche Maßnahmen dazu beitragen könnten, die weltweiten CO2-Emissionen zu senken. Ein Ansatz wäre es, neuen Klimatechnologien zum Durchbruch zu verhelfen, die dann weltweit ausgerollt werden können. Genau das haben wir schon einmal gemacht, nämlich mit der Solarindustrie, wie Ramez Naam in diesem Video eindrücklich darlegt:
Der letzte Punkt ergibt übrigens nicht nur für Länder, sondern auch für uns alle ganz persönlich Sinn. Statt sich auf den Versuch zu beschränken, die selbst verursachten CO2-Emissionen zu kompensieren, sollte man lieber überlegen, wie man sich ambitioniert für den weltweiten Klimaschutz einsetzt. Neben persönlichen Verhaltensänderungen können effektive Spenden ein großer Hebel für den Klimaschutz sein, insbesondere wenn man sie nutzt, um notwendige Klimatechnologien skalierbar und kompetitiv zu machen. Genau daran arbeiten die von uns empfohlenen Top-Klimaschutzorganisationen.
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