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Was bedeutet Trumps
„Big Beautiful Bill“
für das Klima?

Schwarz-weiße Nachtluftaufnahme eines beleuchteten Parks mit geschwungenen Wegen
Das Team von CeSIA

Dieser Artikel, verfasst von Johannes Ackva in Zusammenarbeit mit Hannah Yang, erschien in englischer Originalfassung auf der Website von Founders Pledge und wurde durch das Effektiv Spenden-Team ins Deutsche übersetzt und lokalisiert. Ein in diesem Zusammenhang erschienenes Interview mit Johannes im ntv-Podcast Klima-Labor gibt es hier zu hören. Das Titelphoto stammt von Eugene Zh.

Die unmittelbaren Auswirkungen des BBB auf amerikanische Emissionen dominieren die Schlagzeilen – doch das Potenzial für positive globale Fortschritte bleibt enorm.

Die Klimawelt ist in Aufruhr wegen des „Big Beautiful Bill“ (BBB), den der US-Kongress Anfang Juli verabschiedet hat.

Das Mega-Gesetz, der erhebliche Auswirkungen auf viele Bereiche amerikanischen Lebens hat, untergräbt auch einen großen Teil der US-Fortschritte im Klimaschutz, indem es die Förderung von Solar-, Wind- und Elektrofahrzeugen drastisch kürzt. Dies wird bis 2035 zu geschätzten zusätzlichen 2 Gigatonnen Treibhausgasemissionen führen – das entspricht etwa den Emissionen der USA in vier Monaten oder etwa 4 % der aktuellen weltweiten Jahresemissionen.

Was jedoch die langfristige globale Dekarbonisierung angeht, ist noch nicht alles verloren. Auch wenn die USA in diesem Jahrhundert für etwa 5 % der weltweiten Emissionen verantwortlich sein werden, bleiben sie doch einer der weltweit wichtigsten Treiber für Durchbrüche in der Energietechnologie, und die wichtigsten Komponenten für die Förderung solcher Technologien haben das BBB weitgehend überstanden.

Dieser Moment ist ein entscheidender Test dafür, wie wir über die Auswirkungen des Klimawandels nachdenken und welche Entscheidungen wir als Reaktion darauf treffen. Optimieren wir für unmittelbare Kennzahlen – die Reduzierung der heimischen Emissionen in den nächsten zehn Jahren – oder konzentrieren wir uns auf das, was in diesem Jahrhundert den größten Gesamteinfluss auf das globale Klima hat?

Das BBB stellt einen erheblichen Rückschritt der Bemühungen der US-Regierung in Sachen Klima dar – lässt aber auch Raum für Hoffnung.

Die teilweise Aufhebung von Bidens Inflation Reduction Act

Die sichtbarste Auswirkung des BBB auf das Klima ist das beschleunigte Auslaufen der Steuergutschriften für Wind- und Solarenergie, die im Rahmen von Joe Bidens Inflationsbekämpfungsgesetzes beschlossen worden waren. Nach Inkrafttreten des BBBs haben nur Projekte, deren Bau innerhalb des nächsten Jahres beginnt, Anspruch auf die vollen Gutschriften. Dies wird den Ausbau erneuerbarer Energien verlangsamen und die Emissionen der USA bis 2035 erhöhen.

Eine teilweise Aufhebung des Inflation Reduction Act galt allerdings seit Längerem schon als wahrscheinlichstes Szenario – politische Beobachter hatten dieses Ergebnis bereits vor einem Jahr vorhergesagt. Tatsächlich sieht die von Senatorin Lisa Murkowski ausgehandelte Fassung des Gesetzentwurfs sogar eine längere Laufzeit für Steuergutschriften von Wind- und Solarenergie vor, als ursprünglich vorgeschlagen. Diese Gutschriften könnten erneut verlängert werden, sollten die Demokraten 2026 die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus zurückerobern, wobei sie teilweise mit dem Argument werben könnten, die Aufhebung der Steuergutschriften treibe die Preise für saubere Energie in die Höhe.

Tatsächlich prägt dieses Muster der Verlängerung und Erneuerung seit Jahrzehnten die US-amerikanische Politik im Bereich der erneuerbaren Energien, was bedeutet, dass wir die zusätzlichen Emissionen durch das BBB wahrscheinlich überschätzen.

Die verbleibenden Steuererleichterungen – und warum sie die wichtigsten sein könnten

Während das „Big Beautiful Bill“ Subventionen für Wind und Solar drastisch zusammenstreicht, behält es die Steuererleichterungen für alle anderen Formen sauberer Stromgewinnung bei. Das bedeutet, dass die Förderung von geothermische Anlagen oder fortschrittlicher Nukleartechnologien fortgesetzt wird – ein strategischer Erfolg, der in den Schlagzeilen oft übersehen wird.

Ein zentraler Erfolg ist auch, dass auch Methoden zur Energiespeicherung – die für eine höhere Durchdringung variabler erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne von zentraler Bedeutung sind – weiterhin unterstützt werden.

Die erste Welle erfolgreicher Klimatechnologien trug dazu bei, die Emissionsprognosen um Hunderte von Gigatonnen zu senken – zukünftige Innovationen im Bereich sauberer Energien könnten dasselbe bewirken. Selbst wenn diese neuen Technologien bis 2035 nicht zu einer erheblichen Emissionsreduzierung führen sollten, dürften sie langfristig und global dennoch zu einer Emissionsminderung von weit über 2 Gigatonnen beitragen. Diese noch in den Kinderschuhen steckenden Technologien sind zudem mit höheren technischen und kommerziellen Risiken verbunden als Wind- und Solarenergie, sodass sie laut der überparteilichen Rhodium Group am stärksten auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, um kommerziell rentabel zu werden.

Betrachten wir den Fall der Geothermie. Modellierungen deuten darauf hin, dass das BBB zu einer zusätzlichen Geothermie-Kapazität von 10 GW führen wird – eine Verdopplung der Kapazität im Vergleich zur vollständigen Aufhebung, was etwa einem Drittel der weltweiten Kapazität entspricht. Auch wenn diese Gewinne im Vergleich zu den 300 GW an verlorenen ausgereiften erneuerbaren Energien verblassen, wird dieser frühe Ausbau der langfristigen technologischen Entwicklung vermutlich sehr helfen. Wenn die USA die Innovation im Bereich der Geothermie nicht vorantreiben, wird sie vermutlich nirgendwo anders stattfinden.

Unterdessen macht der geschätzte Verlust von 140 GW an Solarenergiekapazität in den USA bis 2035 weniger als 2 % der prognostizierten globalen Kapazität aus und dürfte daher kaum Auswirkungen auf die globale Entwicklung der Solarenergie als ausgereifte saubere Energiequelle haben. In diesem Sinne sind aus einer langfristigen globalen Perspektive – die letztlich für die Bewertung von Klimaschutzmaßnahmen entscheidend ist – die wichtigsten Subventionen diejenigen, die erhalten bleiben.

Das Loan Programs Office bleibt erhalten

Steuergutschriften für neue Technologien sind nur dann als Nachfragesignale sinnvoll, wenn auch frühere Hindernisse im Kommerzialisierungsprozess überwunden werden können. Im Rahmen des BBB blieb das Loan Programs Office (LPO) des Energieministeriums erhalten. Dies ist von enormer Bedeutung: Die Kreditvergabebefugnis des LPO stellt einen der weltweit größten Kapitalpools dar, der speziell für die Kommerzialisierung sauberer Technologien vorgesehen ist.

Im Gegensatz zu Steuergutschriften, von denen in erster Linie etablierte Branchen mit starker Lobbying-Kapazität profitieren, konzentriert sich das LPO auf Speerspitzen-Projekte – genau die Investitionen, die am ehesten zu technologischen Durchbrüchen mit globalen Auswirkungen führen. Das frühe Darlehen von Tesla aus dem LPO trug dazu bei, ein Modell für moderne Elektrofahrzeuge zu etablieren, und half Tesla vielen Berichten nach, eine kritische Phase seiner Firmengeschichte zu überstehen.

Ähnliche Unterstützung für Projekte zur Verbesserung von Geothermie, fortschrittlichen Kernreaktoren oder kritischen Mineralien könnte heute eine Transformation des globalen Marktes bewirken und steht im Einklang mit den Zielen einer neuen Kreditvergabebehörde, die sich auf die „Finanzierung der Energiedominanz“ konzentriert. Zwar fehlt ihr der explizite Klimafokus früherer Programme, doch lässt sie die Tür für die Finanzierung groß angelegter Projekte im Bereich der sauberen Energie offen – wobei künftige Entscheidungen der Regierung und des Kongresses, einschließlich zusätzlicher Mittelvergabe, das tatsächliche Potenzial des LPO bestimmen werden.

Wohin führt nun der Weg für die Klimabewegung?

Bei Founders Pledge verwalten wir einen Klimafonds, der gezielte philanthropische Zuschüsse gewährt, um eine robustere globale Klimapolitik aufzubauen. Aus unserer Sicht stellt das BBB einen Rückschlag auf Bundesebene dar, aber für Klimaaktivisten, die sich auf langfristige globale Auswirkungen konzentrieren, bildet die Erhaltung der amerikanischen Innovationsinfrastruktur eine Grundlage für weiteren Fortschritt. Tatsächlich bleiben die meisten politischen Hebel, die wir in unserem Bericht vom Januar untersucht haben – insbesondere Reformen zur Erschließung sauberer Energien und Innovationspolitik –, weiterhin verfügbare Möglichkeiten, um bedeutende Fortschritte im Klimaschutz zu erzielen.

Die Kürzungen des BBB waren kein Todesstoß für den Fortschritt. Die größeren Bedrohungen für die Energieinnovation in den USA – und diese sind in der Tat sehr real – gehen von den DOGE-Kürzungen für das Energieministerium (DOE), der Streichung von dessen Projekten und den bevorstehenden Auseinandersetzungen um die Mittelvergabe aus.

Das BBB gibt der Klimagemeinschaft die Chance weiter zu kämpfen. Jetzt ist es an der Zeit, sich verstärkt für die Verteidigung der Innovationspipeline einzusetzen, die überlebt hat, anstatt die falsche Lehre zu ziehen, dass wir unseren Ansatz komplett ändern müssen. Klimaschützer, die diese Realität erkennen und ihre Strategien entsprechend anpassen, werden in den kommenden Jahren am besten in der Lage sein, bedeutende Fortschritte zu erzielen.

Hier könnt ihr Johannes in Zusammenhang mit diesem Artikel im Klima-Labor von ntv hören

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