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Effektiver Klimaschutz in­ ­­­­
einer neuen politischen Landschaft

Ein Geysir bricht unter blauem Himmel mit einer hohen Wasserfontäne aus

Die Präsidentschaftswahlen in den USA haben 2024 dazu geführt, dass die republikanische Partei nicht nur das Präsidentenamt, sondern auch den Senat und den Kongress kontrolliert.

Dies stellt für den Klimaschutz zweifelsfrei eine große Herausforderung dar, aber es ist keinesfalls alles verloren. Es gibt nach wie vor Chancen, mit effektiven Spenden einen echten Beitrag für den Klimaschutz zu leisten.

Um herauszufinden, welche politischen Hebel unter der neuen US-Regierung für den Klimaschutz relevant sein werden, haben wir bei Founders Pledge zahlreiche Experteninterviews geführt und hunderte Veröffentlichungen und Forschungsstudien ausgewertet. Daraus ist der 102-Seiten starke Report „All In: Strategies for Climate Philanthropists in a New Political Landscape” entstanden.

Dieser Bericht stellt die erste systematische Bestandsaufnahme der Klimaphilanthropie in einer sich verändernden Welt dar und beantwortete die Frage, welche Auswirkungen die neue politische Landschaft auf die Prioritäten philanthropischen Handelns haben sollte.

Wie können Spenderinnen und Spender auf die aktuelle Situation reagieren?

Drei Empfehlungen, um sich auch im Jahr 2025 und darüber hinaus mit Spenden wirksam für den Klimaschutz zu engagieren, sind aus unserer Sicht von entscheidender Bedeutung:

  1. Definiere Fortschritt nicht zu lokal und kurzfristig

Obwohl die USA für einen beträchtlichen Teil der historischen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, gehen aktuelle Prognosen davon aus, dass dieser Anteil im 21. Jahrhundert auf unter 10 % sinken wird. Dennoch werden in den USA wie in anderen Ländern Maßnahmen zum Klimaschutz noch zu oft danach beurteilt, welchen kurzfristigen Effekt sie auf lokale Emissionen haben. Der Klimawandel ist aber eine globale und langfristige Herausforderung, und wir müssen politische Handlungen auf der Grundlage ihrer langfristigen, globalen Auswirkungen bewerten. Ein Positivbeispiel hierfür ist die staatlichen Förderungen von Technologien die für wirksamen Klimaschutz notwendig sind und Potenzial haben weltweit zum Einsatz zu kommen.

  1. Überwinde alte Denkmuster

Die Landschaft während der zweiten Amtszeit von Präsident Trump wird grundlegend anders aussehen als während seiner ersten. Es gab durch das überparteiliche Infrastrukturgesetz sowie den Inflation Reduction Act (IRA) erhebliche Fortschritte in der Klimapolitik. Beide Gesetze führten unter anderem zu massiven Investitionen in saubere Energie und Produktionskapazität in traditionell republikanischen Wahlkreisen und Staaten. Darüber hinaus stehen einige der wirkungsvollsten klimapolitischen Möglichkeiten – insbesondere die Reform und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren – nun in Einklang mit den Prioritäten der Republikaner. Das bedeutet, dass es ein Fehler wäre, sich wie 2016 allein auf Maßnahmen auf staatlicher und lokaler Ebene sowie auf Gerichtsverfahren zu konzentrieren. Stattdessen sollten wir uns nun auf die Verteidigung der bisherigen Fortschritte und die Förderung parteiübergreifender Maßnahmen auf Bundesebene konzentrieren.

  1. Finde neue Verbündete

Viele Republikaner verfolgen Ziele, die mit dem Klimaschutz in Einklang stehen und mit ihm vereinbar sind, wie z. B. die Konzentration auf Energieunabhängigkeit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Das konservative Klima-Ökosystem ist so weit entwickelt wie nie zuvor, erhält aber immer noch nur 30 Millionen US-Dollar an philanthropischen Mitteln, verglichen mit über 300 Millionen US-Dollar für linksgerichtete Klimaschutzorganisationen. Wir gewinnen, indem wir alle einbeziehen, die es mit dem Klimaschutz ernst meinen, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit.

Auf welche politischen Hebel sollten wir uns konzentrieren?

Drei politische Entscheidungen dominieren in der Regel die Nachrichten, wenn es um Klimaschutz unter der neuen Trump-Regierung geht: Die Zukunft des IRA (mit besonderem Schwerpunkt auf dem Schutz der Steuergutschriften des IRA), die Reform und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren (die den Aufbau der Energieinfrastruktur beschleunigen werden) und die Ausweitung der Produktion fossiler Brennstoffe durch die Regierung (z. B. Versuche, die Vorschriften der Environmental Protection Agency zur Schadstoff- und Kraftstoffeffizienz zurückzunehmen).

Diese Maßnahmen erhalten die größte Aufmerksamkeit, weil sie sich kurzfristig wahrscheinlich am stärksten auf die inländischen Emissionen auswirken werden. Wenn wir diese Frage jedoch aus der Perspektive der globalen kumulativen Emissionen und nicht der kurzfristigen inländischen Auswirkungen betrachten, ergeben sich mehrere entscheidende neue Erkenntnisse:

  • Die Komponenten des IRA, die kurzfristig von Bedeutung sind, sind nicht die einzigen, die langfristig im globalen Rahmen relevant sind. Während Steuergutschriften für Wind-, Solar- und Elektrofahrzeuge die kurzfristig größten Emissionssenkungen im Inland bewirken, handelt es sich hierbei bereits um weitgehend ausgereifte Technologien die auch ohne zusätzliche Steuergutschriften eine immer größere Rolle spielen werden. Stattdessen können technologieoffene Investitionsanreize, beispielsweise für verbesserte Geothermie oder fortschrittliche Kernenergie, wahrscheinlich einen größeren Unterschied bei der langfristigen Reduzierung des internationalen Treibhausgasausstoßes machen. Diese Maßnahmen gilt es zu verteidigen, um neuen, sauberen Energien zur Marktreife zu verhelfen.
  • Die Reform der Genehmigungsverfahren stellt sowohl langfristig als auch kurzfristig eine wichtige Chance dar. Nicht nur, weil sie hilft, kurzfristig Emissionen zu senken, sondern auch, weil sie Hindernisse für Energieinnovationen abbauen kann. Kostensenkungen bei neuen Energietechnologien entstehen nicht zuletzt durch Skaleneffekte. Um diese zu erzielen, muss es möglich sein, die Technologien schnell und ohne prohibitiv hohe bürokratische Hürden ausrollen zu können.
  • Der Kampf gegen eine erneute Deregulierung der Öl- und Gasindustrie ist zwar wichtig, aber bereits gut finanziert und sollte daher keine Priorität haben. Es ist zu erwarten, dass die US-Regierung perspektivisch wieder von den Demokraten angeführt wird, welche entsprechende Regulierungen rückgängig machen würden. Dieses Szenario spielt bei den oft sehr langfristigen Investitionsentscheidungen der Produzenten fossiler Brennstoffe natürlich auch eine Rolle, so dass die im Raum stehenden Pläne der Trump-Regierung vermutlich weniger signifikante Auswirkungen haben werden als in einigen Modellen prognostiziert. Zugleich sind diese Regelungen aber, da sie durch Gerichtsverfahren angefochten werden können, traditionell ein großer Fokus der Umweltbewegung und Klimaphilanthropie, so dass der Nutzen zusätzlicher Spenden sehr gering ist.

Eine globale Betrachtung zeigt auch einige unterschätzte Hebel, die aus globaler Sicht entscheidend sein könnten, was den positiven Handlungsspielraum für Klimaphilanthropen erweitert, um Fortschritte zu erzielen. Dazu gehören:

  • Neugestaltung und Förderung von Richtlinien für Energieinnovationen, einschließlich parteiübergreifender Errungenschaften wie dem Energiegesetz von 2020, dem parteiübergreifenden Infrastrukturgesetz und dem CHIPS- und Wissenschaftsgesetz. Diese Richtlinien sind für die globalen Emissionen von Bedeutung und stehen im Einklang mit vielen parteiübergreifenden Prioritäten, da sie dazu beitragen, dass die USA weiterhin der größte Innovator bei wichtigen Technologien zur Dekarbonisierung bleiben.
  • Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Programme des Energieministeriums. Beispielsweise das Loan Programs Office, ein 400 Milliarden Dollar schweres Instrument für die Kommerzialisierung neuer Technologien, oder die Programme des Energieministeriums zur Forschung, Entwicklung und Demonstration, welche neuen Technologien zur Marktreife verhelfen können. Wenngleich die Trump-Regierung weniger am Klimaschutz interessiert ist, so ist sie doch an Regierungseffizienz und der Rolle als größter Energieproduzent interessiert. Hier besteht ein positives Potenzial für Fortschritte.

Um zu verstehen, welche politischen Hebel priorisiert werden sollten, muss man über ihre relative Bedeutung hinausblicken – wir müssen auch berücksichtigen, wie andere Philanthropen bereits ihre Ressourcen einsetzen. Viele Geldgeber und Organisationen konzentrieren sich jetzt auf Rechtsstreitigkeiten gegen die Bundesregierung. Andere verlagern ihre Unterstützung reflexartig auf Maßnahmen auf Ebene der Bundesstaaten. Insgesamt werden vor allem eher linksgerichtete Klimaschutzorganisationen unterstützt. Obwohl diese Strategien alle für den Klimaschutz notwendig sind, schaffen sie auch Möglichkeiten für eine überproportionale Wirkung, wenn wir uns auf Bereiche konzentrieren, die vernachlässigt werden, aber ebenso wichtig sind.

Menschen, die sich, auch mit Spenden, für den Klimaschutz engagieren wollen, stehen vor einer entscheidenden Wahl. Wir können an vertrauten Strategien und parteipolitischen Spaltungen festhalten oder unseren Ansatz anpassen, um die einzigartigen Chancen und Herausforderungen des Jahres 2025 zu nutzen. Dieser Bericht bietet eine analytische Grundlage für Philanthropen, um sich der Herausforderung zu stellen und die vielversprechendsten neuen Wege zur Klimawirkung zu beschreiten.

Nachtrag April 2025:

Dieser Report wurde im Januar veröffentlicht und größtenteils vor Trumps zweiter Amtseinführung geschrieben. Daher stellt sich natürlich die Frage – inwieweit haben sich die Erwartungen erfüllt und inwieweit verändern neue Ereignisse die Empfehlungen.

In vielerlei Hinsicht hat sich die Trump-Administration im Bereich Energie und Klimaschutz so verhalten, wie im Report skizziert – es gibt keine Gesetzesverfahren oder Initiativen, welche nicht vorhersehbar waren.

Die größte Überraschung bisher in diesem Politikbereich ist die Konsequenz und Wucht, mit der DOGE operiert, und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit und Regierungskapazität des Energieministeriums und anderer Regierungsbehörden, welche für die Energiepolitik zentral sind. Hier beobachten wir die Entwicklungen genau und werden diese Umstände in zukünftigen Fondsentscheidungen detailliert berücksichtigen.

Über den Autoren

Avatar von Johannes Ackva

Climate Lead bei Founders Pledge

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