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Pfanne mit Burgerpaddies aus alternativen Proteinen
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Klimafreundliche Fleischalternativen ohne Tierleid

Das Good Food Institute (GFI) fördert die Entwicklung von pflanzenbasierten und kultivierten Fleisch-, Fisch-, Eier- und Milchprodukten, um diese schmackhaft, erschwinglich und für alle zugänglich zu machen. Diese tierleidfreien und umweltfreundlichen Lebensmittel sollen Produkte aus der Tierhaltung ersetzen.

GFI arbeitet mit der Wissenschaft und mit Unternehmen jeder Größe zusammen, um ein florierendes Ökosystem für diese alternativen Proteinquellen zu schaffen und diese nachhaltigen Lebensmittel im Hinblick auf Geschmack und Preis auf Augenhöhe mit den tierischen Pendants zu bringen. Darüber hinaus arbeitet GFI mit der Politik zusammen, um faire Wettbewerbsbedingungen für den Sektor zu schaffen und um mehr Ressourcen für die Forschung zu mobilisieren.  

Das Problem

Prognosen zeigen, dass bis zum Jahr 2050 fast zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden und der weltweite Milch- und Fleischkonsum um bis zu 70% ansteigen könnte.[1] Ein ungebremster Anstieg hätte katastrophale Folgen für die Tiere, unser Klima, die Umwelt und die Ernährungssicherheit.

Schon heute ist die Tierhaltung für rund 20% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.[2] Studien zeigen, dass die Pariser Klimaziele ohne eine Abkehr von der konventionellen Tierhaltung kaum zu erreichen sind.[3] 

Darüber hinaus verschärft die Tierhaltung die globale Wasserknappheit, verunreinigt das Grundwasser und belastet die Ozeane. Sie beansprucht fast 80% der weltweiten land­wirt­schaftlichen Nutzfläche, obwohl sie weniger als 20% der weltweiten Kalorienzufuhr produziert.[4] 

Zudem begünstigt die Massentierhaltung durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika die Entstehung multiresistenter Keime. Antibiotikaresistenz verursacht bereits heute weltweit 700.000 Todesfälle pro Jahr, eine Zahl, die laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum Jahr 2050 auf 10 Millionen Todesfälle pro Jahr ansteigen könnte, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden.[5]

Eine deutliche Reduktion des Konsums tierischer Produkte wäre eine naheliegende Lösung. Es ist jedoch unrealistisch, dass große Teile der Bevölkerung bereit sind, aus diesen Erwägungen auf Fleisch und andere tierische Produkte zu verzichten. Zwar ist der Fleischkonsum in Deutschland inzwischen rückläufig.[6] Weltweit ist dies jedoch die Ausnahme. Die globale Fleischproduktion steigt weiter an,[7] auch weil der Verzicht auf tierische Produkte von den meisten Menschen immer noch mit einem Verlust an Lebensqualität verbunden wird.

Die Lösung

Durch die Herstellung von Fleisch direkt aus Pflanzen und direkt aus Zellen können die negativen Auswirkungen unseres Ernährungssystems drastisch reduziert werden. Es gibt drei Hauptkategorien von alternativen Proteinen:

  • Pflanzliche Ersatzprodukte für Fleisch, Meeresfrüchte, Eier und Milchprodukte werden aus Pflanzen hergestellt und imitieren Geschmack und Textur tierischer Produkte. Für ihre Herstellung werden die Inhaltsstoffe und Geschmacksträger von Fleisch auf molekularer Ebene erforscht und pflanzliche Stoffe gesucht, die diesen Eigenschaften möglichst nahe kommen.
  • Kultiviertes Fleisch ist mit herkömmlichem Fleisch auf zellulärer Ebene identisch, hat aber nur einen Bruchteil der negativen Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Gesundheit. Aus einer kleinen Probe tierischer Zellen werden die gewünschten Fleisch- oder Fischbestandteile direkt in einem Nährmedium gezüchtet.
  • Fermentation kann auf innovative Weise eingesetzt werden, um aus Mykoprotein tierfreies Fleisch zu erzeugen, oder um mit Hilfe von Mikroorganismen wie Hefe Lebensmittel herzustellen, die den Geschmack, die Textur und die Funktionalität von tierischen Produkten bieten.

Alternative Proteine folgen dem gleichen Gedanken wie Erneuerbare Energien und Elektromobilität. So wie Erneuerbare Energien technische Lösungen zum langfristigen Ersatz der fossilen Energieträger sind und E-Mobilität eine technische Lösungen zur Dekarbonisierung des fossilen Verkehrs ist, sind alternative Proteine Lösungen zur Dekarbonisierung der Fleischherstellung. Damit pflanzenbasierte Lebensmittel und kultiviertes Fleisch Lebensmittel aus der Tierhaltung ersetzen können, müssen sie in Geschmack und Preis gleichwertig sein, um von einem Großteil der Bevölkerung akzeptiert zu werden.

Die Umstellung auf pflanzenbasiertes und kultiviertes Fleisch könnte die Emissionen im Vergleich zur Tierhaltung um bis zu 92 % reduzieren, gegenüber Fleisch aus der Tierhaltung könnte kultiviertes Fleisch bis zu 90 % weniger Land beanspruchen.[8] GFI geht davon aus, dass alternative Proteine die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 10 bis 14 Gt CO2e pro Jahr reduzieren können.[9] Die Menschen könnten also an ihren gewohnten Mahlzeiten festhalten, ohne die Klimakrise und das Tierleid weiter zu verschärfen.

Bislang fristen alternative Proteine jedoch ein Nischendasein. Für ihren Erfolg ist eine breitere Basis an frei zugänglichem Wissen in der Grundlagen- und angewandten Forschung notwendig. Der New York Times-Kolumnist Ezra Klein forderte bereits im Jahr 2021 einen „Moonshot for Meatless Meat“.[10] Ein vom britischen Außenministerium und der ClimateWorks Foundation mitfinanzierter Bericht hält eine Steigerung der weltweiten öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung und für die Skalierung in diesem Bereich in diesem Bereich auf rund $10 Milliarden für notwendig.[11] 

Hier setzt GFI an. Sowohl im Bereich pflanzenbasierter Alternativen als auch im Bereich kultiviertes Fleisch und Fermentation setzt sich GFI für eine öffentliche Förderung ein und schafft durch die Finanzierung von Open-Access-Forschung Grundlagen für die weitere Entwicklung. Mit seiner Arbeit als Think Tank unterstützt GFI Wissenschaftler, Politik und Unternehmen, um die Entwicklung und Verbreitung von wettbewerbsfähigen Alternativen zu beschleunigen.

Eine weitere Maßnahme, um pflanzlichen Alternativen zum Durchbruch zu verhelfen, ist die Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen – zum einen, um Planungssicherheit für die Entwicklung neuer Technologien wie z.B. kultiviertes Fleisch zu gewährleisten, zum anderen, um zu verhindern, dass nachhaltige Alternativen durch Verbote und unsinnige Beschränkungen bei den Produktkennzeichnungen benachteiligt werden.

Bruce Friedrich - CEO Good Food Institute - TED Talk
Bruce Friedrich, der Geschäftsführer des Good Food Institutes gibt einen TED-Talk mit dem Titel „The next global agricultural revolution“. (Foto: © The Good Food Institute)
Bruce Friedrich, der Geschäftsführer des Good Food Institutes gibt einen TED-Talk mit dem Titel „The next global agricultural revolution“. (Foto: © The Good Food Institute)

Die Wirkung

GFI hat seit seiner Gründung im Jahr 2015 bereits viel erreicht. Damals war das Ökosystem für Forschung und Ausbildung im Bereich alternativer Proteine praktisch nicht existent. Es gab keine Kurse oder Studiengänge für alternative Proteine und Forschungsgelder für alternative Proteine waren rar. Heute werden weltweit 15 Studiengänge für alternative Proteine angeboten und das von Studierenden getragene Alt Protein Project, das alternative Proteine stärker in den Universitäten verankern will, hat weltweit 53 Sektionen. Das GFI Research Grant-Programm hat seit 2019 mehr als $16,8 Millionen an Fördermitteln für 103 Projekte in 19 Ländern bereitgestellt. Im Jahr 2022 nutzte GFI Mittel des Programms, um mit EIT Food, der weltweit größten Community für Lebensmittel-Innovationen, zusammenzuarbeiten. Dadurch wurden Mittel, die sonst nicht in alternative Proteine geflossen wären, in Bereiche mit großen Forschungslücken gelenkt.

Die Initiative Giving Green, die hochwirksame Klimaschutzorganisationen bewertet, sieht in GFI auch einen wichtigen Beitrag dazu, dass mehr öffentliche Mittel für die Forschung und Entwicklung alternativer Proteine bereitgestellt werden.[12] Bis Mai 2023 hat allein die US-Regierung $35,4 Millionen für alternative Proteine zugesichert und die weltweite Unterstützung dürfte die Marke von $1 Milliarde überschritten haben. Die Niederlande, Dänemark, Großbritannien und Spanien haben erhebliche öffentliche Investitionen angekündigt, um das Potential alternativer Proteine zu heben. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat für 2024 Investitionen in Höhe von 38 Millionen € für den Übergang zu alternativen Proteinen beschlossen und sich damit auf den Weg gemacht, eine internationale  Führungsrolle in diesem Innovationsfeld einzunehmen.

Zudem stärkt GFI das Verbraucherrecht und erleichtert Alternativ­produkten so den Marktzugang. Die Organisation spielte 2019 eine Schlüsselrolle bei der Ablehnung des Vorschlags für ein EU-weites „Veggie-Burger-Verbot“, das darauf abzielte, Begriffe wie „Burger“ und „Wurst“ für pflanzliche Produkte zu verbieten. Die häufige Nennung von GFI in den Medien im Zusammenhang mit der erstmaligen Zulassung von kultiviertem Fleisch durch die US Food and Drug Administration unterstreicht ebenfalls das Fachwissen und das Ansehen, dass sich GFI erarbeitet hat. 


Blogartikel

Externe Evaluationen

Quellen

[1] ↑ Tim Searchinger et al. Creating a Sustainable Food Future. World Resources Institute. https://www.wri.org/research/creating-sustainable-food-future. Juli 2019.

[2] ↑Xu, X., Sharma, P., Shu, S. et al. Global greenhouse gas emissions from animal-based foods are twice those of plant-based foods. Nat Food 2, 724–732. https://doi.org/10.1038/s43016-021-00358-x. September 2021.

[3] ↑ Michael A. Clark et al. Global food system emissions could preclude achieving the 1.5° and 2°C climate change targets. Science Vol. 370, No. 6517. https://doi.org/10.1126/science.aba7357. November 2020. 

[4]↑ Hannah Ritchie. How much of the world’s land would we need in order to feed the global population with the average diet of a given country? Our World in Data. https://ourworldindata.org/agricultural-land-by-global-diets. Oktober 2017.

[5] ↑ No Time to Wait: Securing the future from drug-resistant infections. UN Interagency Coordination Group on Antimicrobial Resistance. https://www.who.int/publications/i/item/no-time-to-wait-securing-the-future-from-drug-resistant-infections. April 2019.

[6] ↑ Fleischverzehr 2022 auf Tiefstand. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2023/230403_Fleischverzehr.html. April 2023.

[7] ↑ Total meat production, 1961 to 2021. Global Food Explorer von Our World in Data. https://ourworldindata.org/explorers/global-food?tab=chart&facet=none&country=~OWID_WRL&Food=Meat%2C+Total&Metric=Production&Per+Capita=false. Aufgerufen November 2023.

[8] ↑ Sinke, P., Swartz, E., Sanctorum, H. et al. Ex-ante life cycle assessment of commercial-scale cultivated meat production in 2030. Int J Life Cycle Assess 28, 234–254. https://doi.org/10.1007/s11367-022-02128-8. Januar 2023.

[9] ↑ Global Food System Transition is Necessary to Keep Warming Below 1.5°C. Climate Advisers und The Good Food Institute. https://gfi.org/wp-content/uploads/2021/07/Climate-Advisers_Good-Food-Institute-Alternative-Proteins-Report-FINAL-v2.pdf. 2022.

[10] ↑ Ezra Klein. Let’s Launch a Moonshot for Meatless Meat. The New York Times. https://www.nytimes.com/2021/04/24/opinion/climate-change-meatless-meat.html. April 2021.

[11] ↑ Global Innovation Needs Assessments: Protein diversity. ClimateWorks Foundation und UK Foreign, Commonwealth & Development Office. https://www.climateworks.org/wp-content/uploads/2021/11/GINAs-Protein-Diversity.pdf. November 2021.

[12] ↑ Good Food Institute: Recommendation. Giving Green. https://www.givinggreen.earth/mitigation-research/good-food-institute%3A-recommendation. November 2023. 

[13] ↑ The Good Food Institute — General Support (2021). Open Philanthropy. https://www.openphilanthropy.org/grants/the-good-food-institute-general-support-2021/. Oktober 2021.