Geldspenden sind besser als Sachspenden

Es sind vor allem aktuelle Katastrophen – Erdbeben, Überflutungen oder kriegerische Auseinandersetzungen – die uns konkret vor Augen führen, woran es den betroffenen Menschen am meisten mangelt. Etwa Wasser oder Lebensmittel oder Decken oder Medikamente. Alles Dinge, die bei uns im Überfluss vorhanden sind. Und häufig noch nicht einmal gebraucht werden, weil wir sie längst schon in den Speicher geräumt oder im Keller verstaut haben. Da liegt es doch nahe, sie wieder rauszusuchen und den Menschen zur Verfügung zu stellen, die sie dringender benötigen. Indem wir sie zum Beispiel zu einem der Sammelpunkte bringen, von denen aus LKWs starten, mit denen die Sachspenden dann in die Katastrophengebiete gebracht werden – wie jüngst etwa nach Afghanistan oder in die Ukraine.

Was jedoch wenigen bewusst ist: Die Sortierung, Verladung und der Transport von Gütern zum Beispiel aus Deutschland in Katastrophengebiete beanspruchen viele Ressourcen, also Zeit und Geld. Hinzu kommt, dass die gesammelten Güter in der Regel nicht exakt dem tatsächlichen Bedarf vor Ort entsprechen, weder hinsichtlich ihrer konkreten Beschaffenheit noch hinsichtlich ihrer Anzahl.

Ein Beispiel: Nach einer Flutkatastrophe müssen Menschen über Wochen in Zelten eines Notlagers ausharren. Die Nächte sind kalt. Also braucht es Decken und Schlafsäcke, die auch zahlreich gespendet werden. Allerdings stellt sich vor Ort heraus, dass die Nächte nicht nur kalt sind, sondern auch feucht. Die Decken und Schlafsäcke aus Daunen, etwa die Hälfte der Lieferung, die aus Deutschland transportiert wurde, stellt sich als wertlos heraus, da Daunen die Feuchtigkeit aufnehmen und damit ihre Wärmeisolierung verlieren. Zu dem Aufwand für die Sortierung, Lagerung, den Transport und die Anlieferung der Ware kommt nun noch weiterer Aufwand, nämlich für ihre Entsorgung.

Dies ist kein Einzelfall und der Gegenwert in (verlorenem) Geld ist beträchtlich. Stünde der monetäre Gegenwert der gespendeten Dinge und des Aufwands, sie zu sortieren und zu transportieren einer wirksamen Organisation vor Ort zur Verfügung, damit sie die benötigten Dinge in der notwendigen Beschaffenheit und Anzahl besorgen kann, wäre erheblich mehr Menschen geholfen – und dies natürlich auch deutlich schneller.

Was bedeutet das für uns als Spenderinnen? Statt Waren auf einen kostspieligen Weg zu schicken, ohne zu wissen, ob die Dinge vor Ort tatsächlich nützlich sind, sollten wir Geld auf den Weg bringen – und zwar zu Organisationen, die vor Ort tätig sind und dies mit nachweislich hoher Wirksamkeit. Jene Organisationen können dann am besten einschätzen, was tatsächlich gebraucht wird, die entsprechenden Waren besorgen und genau dorthin transportieren, wo der Mangel gerade am höchsten ist.

Aber was passiert dann mit den Sachen, die unsere Speicher und Keller zustellen? Die können wir verkaufen und zwar an Menschen in unserer Umgebung, die genau das suchen, was wir gerade anbieten. Und das Geld schicken wir dann dorthin, wo es dringend gebraucht wird.

Am Ende ist allen gedient. Die Familie in unserer Nachbarschaft freut sich über einen günstigen Daunenschlafsack, die Familie in dem Flüchtlingslager bekommt genau die Dinge, die sie gerade am dringendsten braucht – und unser Keller ist endlich wieder aufgeräumt.

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