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GiveDirectly

Direkte Geldtransfers für extrem arme Menschen

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Mercy und Leonard, zwei GiveDirectly-Empfänger in Malawi, vor ihrem Hause

GiveDirectly überweist Menschen, die in extremer Armut leben, Geld per Handy. Diese Geldtransfers sind an keinerlei Bedingungen geknüpft und die Empfänger müssen das Geld nicht zurückzahlen.

Familien können damit dringend benötigte Nahrungsmittel und Medikamente kaufen, Schulgebühren zahlen oder kleine Unternehmen gründen. Eine Fülle wissenschaftlicher Studien zeigt, dass bedingungslose Geldtransfers zuverlässig und nachhaltig Menschen helfen, extreme Armut zu überwinden – im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Hilfsmaßnahmen.

Das Problem

832 Millionen Menschen leben in extremer Armut, d.h., sie müssen mit weniger als $3 pro Tag auskommen. Das sind 10% der Weltbevölkerung. Zwar konnten seit 1990 ca. 1,5 Milliarden Menschen der extremen Armut entkommen – aber dieser Trend ist seit der Covid-19-Pandemie dabei, sich umzukehren. Die Organisation Our World in Data geht davon aus, dass die Zahl der Menschen, die in extremer Armut lebt, bis 2040 auf 932 Millionen ansteigt.[1]

Wie sich das im Alltag der Betroffenen niederschlagen kann, beschreibt Caroline Teti, bei GiveDirectly Vice President für Human Centred Design and Advocacy, sehr eindrücklich in diesem Video.

Viele herkömmliche Ansätze der Entwicklungszusammenarbeit (EZ, vormals: Entwicklungshilfe) orientieren sich aber zu wenig an den tatsächlichen Bedürfnissen dieser Menschen. So werden EZ-Programme häufig stärker von politischen Erwägungen (im Geber- wie Empfängerland) geprägt als von der Frage, wie man Menschen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln am wirksamsten helfen kann. Häufig verursacht klassische EZ auch hohe Kosten, da viele Mitarbeiter aus Geberländern beschäftigt werden, die vergleichsweise hohe Gehälter beanspruchen.

Die Lösung

Warum also nicht einfach auf den großen Hilfsapparat verzichten und stattdessen Menschen in extremer Armut direkt das Geld geben? Niemand kennt die Bedürfnisse armer Menschen besser als sie selbst.

Dank bedingungsloser Geldtransfers können Menschen selbstbestimmt entscheiden, was für ihr Leben am besten ist. GiveDirectly überweist Menschen, die in extremer Armut leben, das Äquivalent eines Jahreseinkommens. In Kenia entspricht das etwa $1.000 für einen Fünfpersonenhaushalt.

Diese Geldtransfers sind äußerst effizient: Von den Spenden, die für die Programme von GiveDirectly getätigt werden, werden etwa 85% direkt an die Ärmsten der Welt geliefert, wobei die restlichen etwa 15% die Kosten für die Lieferung (Personal, Bankgebühren usw.) decken. Weil das Geld über mobiles Banking auf die Handys der Menschen transferiert wird, ist es nahezu sicher vor Korruption. Außerdem ist dieser Ansatz stark skalierbar und kann theoretisch ohne großen Aufwand in viele andere Länder übertragen werden.

GiveDirectly Gemeindeversammlung („Baraza“) in Kilifi, Kenia
GiveDirectly Gemeindeversammlung („Baraza“) in Kilifi, Kenia
GiveDirectly-Grundeinkommen-per-Mobiltelefon-Effektiv-Spenden
GiveDirectly: Grundeinkommen per Mobiltelefon

Die Wirkung

Geldtransfers sind in vielen Ländern seit rund zwei Jahrzehnten im Einsatz und gelten mittlerweile als eine der am besten evaluierten Ansätze in der EZ. Ein Auswertung von 165 Studien zeigt, dass Geldtransfers erstaunlich zuverlässig sind und zu nachhaltigen Verbesserungen in einer Vielzahl von Bereichen führen (u.a. Bildung, Gesundheit, Sparquote).[2] In der humanitären Hilfe können Geldtransfers die Ernährungssicherheit erhöhen und sind kostengünstiger als Sachleistungen.[3]

Häufig wurde dennoch befürchtet, dass die Empfänger das Geld für Alkohol, Drogen und Ähnliches ausgeben würden. Studien zeigen jedoch immer wieder, dass dies nicht der Fall ist.[4] Auch die Weltbank sieht gezielte Geldtransfers als wirksames Mittel im Kampf gegen Armut und Ungleichheit.[5]

Die positiven Ergebnisse zeigen sich auch in der Evaluierung von GiveDirectlys Arbeit. Der Goldstandard wissenschaftlicher Untersuchungen, eine randomisierte kontrollierte Studie, wies nach, dass sich GiveDirectlys Programm in Kenia nicht nur positiv auf die finanzielle Lage der Teilnehmenden auswirkte, sondern auch das psychologische Wohlbefinden der Zahlungsempfänger erhöhte.[6]

Darüber hinaus gibt es Hinweise auf sogenannte Multiplikatoreffekte: Empfänger von GiveDirectly-Zahlungen geben ihr Geld in der Regel in lokalen Unternehmen aus. Dies kurbelt die lokale Wirtschaft an: Jeder gespendete Dollar führte in bisherigen Studien zu einem wirtschaftlichen Wachstum von $2,50 und erzeugte dabei nur minimale Inflation. Somit verbessert sich nachweislich auch die finanzielle Situation der Menschen aus der Region, die selbst kein Geld erhalten.[7]

Die Organisation

Auf der Suche nach dem effektivsten Weg Armut zu bekämpfen gründeten Studenten der Universitäten Harvard und Massachusetts Institute of Technology im Jahre 2009 GiveDirectly. Von Beginn an wurde großer Wert darauf gelegt, dass die Projekte wissenschaftlich begleitet und sorgfältig evaluiert werden. Die Organisation zeichnet sich durch hohe Kosteneffektivität und herausragende Transparenz aus: Im GDLive Newsfeed berichten Empfänger freiwillig und ungefiltert von ihren Erfahrungen.

Seit Gründung ist die Organisation stark gewachsen. Im vergangenen Jahrzehnt hat GiveDirectly rund 950 Millionen US-Dollar direkt an extrem arme Menschen ausgezahlt (Stand Dezember 2025). Dennoch ist das Wachstumspotenzial nach wie vor enorm. GiveDirectly hat das Potenzial, in den nächsten drei Jahren rund 1,4 Milliarden US-Dollar bereitzustellen – 450 % mehr als in den letzten drei Jahren für seine Afrika-Programme gesammelt wurden – und dabei die aktuelle Betriebsqualität zu halten oder zu übertreffen. Durch bereits bestehende Partnerschaften mit Regierungen in den Ländern, in denen das Unternehmen tätig ist, und die zunehmende Unterstützung durch Hilfsorganisationen und private Spender ist GiveDirectly gut positioniert, um Millionen weiterer Menschen zu erreichen, die in extremer Armut leben.

Über diesen direkten Beitrag zur Armutsbekämpfung hinaus versucht GiveDirectly, auch strukturellen Einfluss auf die „Hilfsindustrie“ zu nehmen und damit die Wirksamkeit und Effizienz der Entwicklungszusammenarbeit insgesamt zu erhöhen.

Von 2012 bis 2022 wurde GiveDirectly von GiveWell als „Top-Hilfsorganisation“ empfohlen. Aufgrund einer Anpassung der Bewertungskriterien empfiehlt GiveWell GiveDirectly inzwischen nicht mehr, die Einschätzung als herausragend gute Hilfsorganisation gilt aber unvermindert weiter.[8] Zusätzlich hat GiveWell kürzlich seine Kosteneffizienzschätzung für das Programm „Cash for Poverty Relief“ von GiveDirectly im Vergleich zur letzten Bewertung im Jahr 2019 um das Drei- bis Vierfache erhöht. [9] Diese Aktualisierung wurde durch neue Schätzungen der positiven Auswirkungen von Direktzahlungen auf die lokale Wirtschaft, den Konsum und die Kindersterblichkeit vorangetrieben. Diese Aktualisierung hat nichts an den wichtigsten Wohltätigkeits- und Finanzierungsempfehlungen von GiveWell geändert, aber dies könnte sich in Zukunft ändern, da die anstehenden Studien zur Arbeit von GiveDirectly ihre Bewertung weiter verbessern könnten. GiveWell verwendet weiterhin Geldtransfers als Maßstab für die Bestimmung der Kosteneffizienz.

Auch aufgrund seiner indirekten Wirkung auf die EZ insgesamt halten wir GiveDirectly nach wie vor für eine herausragend gute Hilfsorganisation und empfehlen weiterhin Spenden an die Organisation. Die über uns an GiveDirectly weitergeleiteten Spenden kommen dabei ausschließlich Programmen in Entwicklungsländern zugute. Dennoch möchten wir auch darauf hinweisen, dass GiveWell seine vier „Top-Hilfsorganisationen“ als 2x wirksamer als die Geldtransfers von GiveDirectly erachtet.[10]


Blogartikel

Häufige Fragen

Wie entscheidet GiveDirectly, wer Geld erhält?

Das Ziel von GiveDirectly ist es die Ärmsten der Armen zu erreichen. Dafür werden zuerst besonders arme Regionen anhand offizieller Daten identifiziert. Dann stellen Mitarbeiter vor Ort den Gemeinden die Organisation sowie deren Ansatz vor. Im Anschluss werden einzelne Haushalte besucht um Details zu erklären, die Identitäten der Personen zu überprüfen und möglichem Betrug entgegenzuwirken. In der Regel endet der Prozess dann damit, dass alle Menschen, die in der Region leben, Geld von GiveDirectly erhalten.

Wie genau funktioniert der Geldtransfer?

GiveDirectly nutzt elektronische Zahlungsdienstleister für die Überweisungen: In Kenia ist dies M-Pesa, der mobile Geldtransferdienst des größten kenianischen Mobilfunkbetreibers. In Uganda kommt das Mobile Money System des dort führenden Telekommunikations­unternehmen des Landes zum Einsatz. Lokale GiveDirectly-Mitarbeiter helfen den Menschen im Programm, sich bei ihrem Zahlungsdienstleister zu registrieren. Anschließend sendet GiveDirectly das Geld an das mobile Konto des Empfängers. Der Empfänger erhält eine SMS, sobald der Betrag eingegangen ist. Der Empfänger kann dann sein „mobiles Geld“ bei Tauschstellen gegen Bargeld eintauschen. Tauschstellen sind häufig lokale Händler und Kioske, können aber auch Tankstellen, Supermärkte, Internet-Cafés oder Banken sein.

Erhalten die Empfänger den Betrag als einmalige Summe oder aufgeteilt in kleineren Beträgen?

Der Betrag wird in mehreren Raten ausgezahlt. Dies ist der Ansatz, den die Mehrheit der Empfänger befürwortet. Während des Registrierungsprozesses werden die Empfänger genau darüber informiert, wie viel Geld sie wann erhalten werden.

Wie setzen die Empfänger das Geld ein?

Geldtransfers erlauben es den Menschen, das Geld für die Dinge auszugeben, die sie am dringendsten benötigen. Eine Evaluierung der Arbeit von GiveDirectly aus dem Jahr 2013 zeigt, dass die Menschen mit dem Geld beispielsweise Nutztiere, Medikamente oder Schulbücher kauften, es in regendichte Dächer investierten oder für größere Investitionen ansparten.[11] Im GDLive Newsfeed lässt sich ungefiltert und in Echtzeit verfolgen, was Empfänger mit ihrem Geld vorhaben.

Wie nachhaltig wirken Geldtransfers?

Geldtransfers sind der klarste Ausdruck des Prinzips „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Einkommen von Haushalten, die für eine Studie über bedingungslose Bargeldtransfers in Mexiko untersucht wurden, stiegen um das 1,5- bis 2,6-fache des transferierten Betrags – ein deutlicher Hinweis für die langfristige Wirkung der Geldtransfers.[12] Was Menschen in extremer Armut fehlt, um der Armut zu entkommen, sind nicht spezifische Fähigkeiten, sondern Geld.

Was halten staatliche Vertreter von GiveDirectly?

Die Voraussetzung für die Arbeit von GiveDirectly ist, dass die entsprechenden staatlichen Vertreter in den Regionen (Bürgermeister, Dorfälteste, Abgeordnete etc.) das Programm von GiveDirectly befürworten. GiveDirectly arbeitet stets in enger Abstimmung mit allen relevanten staatlichen Institutionen.

Wird der Geldbetrag an Frauen oder Männer ausgezahlt?

GiveDirectly überweist das Geld sowohl an Männer wie Frauen. Eine Studie zeigte, dass es kaum einen Unterschied machte, wer das Geld erhielt; beide Geschlechter gehen verantwortungsvoll mit dem Geld um. GiveDirectly lässt die Haushalte daher selbst entscheiden, welcher Erwachsene sich für das Programm einschreibt. Bisher sind etwas mehr als die Hälfte der Empfänger Frauen.

Welchen Programmen von GiveDirectly kommen Spenden über effektiv-spenden.org zugute?

GiveDirectly führt unterschiedliche Programme durch, um Geldtransfers in verschiedenen Kontexten einzusetzen. Ziel ist immer, die Empfänger möglichst wirksam zu unterstützen und gleichzeitig die eigene Arbeit – und den Einsatz von Geldtransfers in der Entwicklungszusammenarbeit insgesamt – weiter zu verbessern. In diesem Zusammenhang hat GiveDirectly u.a. auch Programme zur Nothilfe für US-Bürger nach Katastrophen oder zur Unterstützung nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien ins Leben gerufen. Wir haben mit GiveDirectly vereinbart, dass die über Effektiv Spenden gespendeten Mittel ausschließlich Programmen in Entwicklungsländern zugute kommen.

Warum führt GiveWell GiveDirectly nicht mehr als “Top Charity”?

Im August 2022 hat GiveWell seine Kriterien für die Auswahl seiner „Top-Hilfsorganisationen“ angepasst. GiveWell hebt explizit hervor, dass der Anpassung keine geänderte Einschätzung von GiveDirectly zugrunde liegt und sie GiveDirectly weiterhin als eines der stärksten Programme einschätzen, die sie bisher evaluiert haben. (Hier die ausführliche Begründung von GiveWell dazu.) Dennoch erachtet GiveWell die Arbeit der empfohlenen „Top-Hilfsorganisationen“ als noch wirksamer und hat auch deshalb seine Empfehlungen angepasst.

Jedoch hat GiveWell kürzlich seine Kosteneffizienzschätzung für das Programm „Cash for Poverty Relief“ von GiveDirectly im Vergleich zur letzten Bewertung um das Drei- bis Vierfache erhöht.

GiveDirectly in den Medien

Quellen

[1] ↑ The end of progress against extreme poverty? Our World in Data. https://ourworldindata.org/end-progress-extreme-poverty. November 2025.

[2] ↑ Francisca Bastagli et al. Cash transfers: what does the evidence say? A rigorous review of impacts and the role of design and implementation features. Overseas Development Institute. https://www.odi.org/publications/10505-cash-transfers-what-does-evidence-say-rigorous-review-impacts-and-role-design-and-implementation. Juli 2016.

[3] ↑ Shannon Doocy and Hannah Tappis. Cash-based approaches in humanitarian emergencies: a systematic review. Campbell Systematic Review. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.4073/csr.2017.17. Dezember 2017

[4] ↑ David Evans und Anna Popova. Cash Transfers and Temptation Goods. Economic Development and Cultural Change, Vol. 65, Nr. 2. https://doi.org/10.1086/689575. Januar 2017. 

[5] ↑ Poverty and Shared Prosperity 2022. Weltbank. http://www.worldbank.org/en/publication/poverty-and-shared-prosperity. Oktober 2022.

[6] ↑ Unconditional Cash Transfers: Investing Directly in Poor Families. Abdul Latif Jameel Poverty Action Lab (J-PAL). https://www.povertyactionlab.org/scale-ups/unconditional-cash-transfers. Oktober 2018.

[7] ↑ Study: Giving people money returned 2.5x the value without causing inflation. GiveDirectly. https://www.givedirectly.org/multiplier/ Oktober 2025.

[8] ↑ „GiveDirectly is one of the strongest programs that we’ve found in years of research and we continue to have a very high view of their work.“ GiveDirectly – November 2020 version. GiveWell. https://www.givewell.org/charities/give-directly/November-2020-version. August 2022. 

[9] ↑ GiveDirectly’s Cash for Poverty Relief Program. GiveWell. https://www.givewell.org/international/technical/programs/givedirectly-cash-for-poverty-relief-program. Oktober 2025.

[10] ↑ Derzeit sind dies die Against Malaria FoundationHellen Keller International, das Malaria Consortium und New Incentives.

[11] ↑ Johannes Haushofer und Jeremy Shapiro. Household Response to Income Changes: Evidence from an Unconditional Cash Transfer Program in Kenya. https://poverty-action.org/household-response-income-changes-evidence-unconditional-cash-transfer-program-kenya. 2013. 

[12] ↑ Elisabeth Sadoulet, Alain de Janvry und Benjamin Davis. Cash Transfer Programs with Income Multipliers: PROCAMPO in Mexico. World Development, 29 (6): 1043-1056. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0305750X01000183. 2001.

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