Unser Spendenfonds: Klima schützen in H1/2023

Unnatürlich warme Ozeane, eine starke Hitzewelle, die im Juli fast die ganze Nordhalbkugel erfasst hat, starke Unwetter in Slowenien – die Klimakrise ist zur Zeit wieder sehr greifbar. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wäre die Hitzewelle im Juli in Europa und Nordamerika ohne den Klimawandel kaum möglich gewesen.”

Daher freuen wir uns, dass wir aus dem 1. Halbjahr 2023 mit knapp über 607.000 EUR Spendengelder aus unserem Spendenfonds für effektiven Klimaschutz unseren Beitrag zur Unterstützung besonders vielversprechende Klimaschutz-Organisationen leisten können. Davon stammen knapp 524.000 EUR aus Deutschland, rund 81.000 CHF aus der Schweiz. Danke an alle Spender und Spenderinnen, die das ermöglicht haben!

Mit 450.000 EUR (74%) aus den Fondsmitteln des 1. Halbjahrs werden unsere Top-Empfehlungen Future Cleantech Architects (FCA), Clean Air Task Force (CATF) und Carbon180 unterstützt, wobei der größte Teil davon erneut FCA zugutekommt. Das Team von Future Matters erhält weitere 157.000 EUR, die aufbauend auf dem EU Climate Priorities-Bericht die Beratungsarbeit der Organisation unterstützen. 

Kreisdiagramm der Fondsverteilung aus H1/23
Kreisdiagramm der Fondsverteilung aus H1/23

Unsere Top-Empfehlungen

Future Cleantech Architects (FCA)

Fonds-Mittel aus H1/23 insgesamt: 300.000 EUR

Wofür werden die Mittel verwendet? Ergänzend zur vorangegangenen Unterstützung aus unserem Spendenfonds für effektiven Klimaschutz und den Mitteln, mit denen unsere Spenderinnen FCA direkt unterstützen, sehen wir die Chance, das Wachstum und die Reichweite von FCA mit der weiteren Unterstützung aus dem Fonds noch einmal zu beschleunigen. 

FCA hat gerade ihre bisher größte Konferenz The ARC mit einem hochkarätigen Teilnehmerkreis aus Politik, Wirtschaft und Forschung und vielen interessanten Erkenntnissen abgehalten, die auch international viel Aufmerksamkeit erzeugt hat. Die Ergebnisse konnte das Team u.a. auch im Rahmen der UNFCCC-Klimaverhandlungen in Bonn präsentieren und wird diese auch auf dem Weltklimagipfel COP28 im Dezember einfließen lassen können.

Der von unserem Spendenfonds unterstützte beschleunigte Aufbau einer Präsenz in Brüssel trägt ebenfalls bereits erste Früchte. So kann etwa den Wünschen von Parlamentariern und Mitarbeitenden der Europäischen Kommission zu technischen Briefings nun kurzfristig nachgekommen werden – hierzu gehört auch eine eigene, ab Herbst startende Brüsseler Veranstaltungsreihe zu den Bereichen Zement / Baubranche, Luftfahrt und Energiespeicherung. Ebenso können Gesetzgebungsverfahren im Bereich Klimaschutztechnologie auf europäischer Ebene wesentlich enger begleitet und beraten werden.

Mit der zusätzlichen Förderung aus dem 1. Halbjahr 2023 kann FCA insbesondere diese internationale Arbeit auf EU-Ebene weiter verstärken, genauso wie im Rahmen internationaler Foren, beispielsweise den verschiedenen UN-Organisationen, mit denen

FCA bereits intensiv zusammenarbeitet, oder dem World Economic Forum. Das halten wir für einen großen Hebel, um das bestehende Momentum von FCA noch weiter zu stärken. 

Clean Air Task Force (CATF)

Fonds-Mittel aus H1/23 insgesamt: 75.000 EUR

Wofür werden die Mittel verwendet? Im ersten Halbjahr 2023 konnte CATF bereits einige politische Erfolge verbuchen, wie von der Organisation auch in ihrem Mid-Year Impact Update beschrieben. 

  • Die US-Umweltbehörde EPA hat einen Plan vorgelegt, mit dem die CO2-Emissionen von Kohle- und Gaskraftwerken in den kommenden Jahrzehnten auf Null gesenkt werden sollen. Schlüsselelemente des Plans reflektieren die Architektur, die von den Experten und dem Rechtsteam von CATF ausgearbeitet und EPA zur Verfügung gestellt wurden. Ergänzend dazu setzt sich CATF in einer Kampagne gegen Kritik der Industrie und für die weitere Stärkung der Regulierung ein. 
  • Auf Ebene der US-Bundesstaaten hat Kalifornien einen CATF-Vorschlag zur öffentlichen Finanzierung neuer Stromübertragungsleitungen übernommen. Dadurch konnte eine Blockade überwunden werden in diesem für die Energiewende elementar wichtigen Bereich. Gleichzeitig hat der Ansatz Modellcharakter für die USA insgesamt.
  • In der EU hat das Europäische Parlament mit Unterstützung von CATF eine starke Position zur EU-Methanverordnung verabschiedet. Außerdem wurden wichtige CATF-Vorschläge zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung sowie für den Wasserstoff-Bereich in den Vorschlag für den Net-Zero Industry Act aufgenommen. Darüber hinaus hat die Europäische Kommission auch als Ergebnis der CATF-Anstrengungen eine Strategie für das Kohlenstoffmanagement auf den Weg gebracht, die auf der #TenETuesday-Kampagne von CATF und Bellona und des CATF-Berichts „Eine CCS-Strategie für Europa“ aufbaut.

Aufbauend auf diesen Erfolgen arbeitet CATF in der zweiten Jahreshälfte an den folgenden Schwerpunkten:

  • CATF setzt sich weiterhin ein für eine technologieoffene, „optionsbasierte Klimastrategie“ für Europa,  um Klimaneutralität durch ein möglichst breites Spektrum an politischen und technologischen Lösungen sicherzustellen. Dazu zählt auch der Ausbau der neuesten Generation der Kernenergie, wozu CATF noch in diesem Jahr ein neues Großprojekt plant.
  • CATF will sicherstellen, dass die vom US-Kongress beschlossene Finanzierung für saubere Energie in Höhe von 1 Billion US-Dollar erfolgreich umgesetzt wird, um die rasche Verfügbarkeit von CO2-freiem Strom und Kraftstoffen zu gewährleisten. Das betrifft insbesondere auch die Arbeit auf Ebene der US-Bundesstaaten.
  • Die Arbeit an einer afrikanischen Vision für die Dekarbonisierung setzt CATF fort. Dazu hat CATF in einer neuen Untersuchung gerade einen klaren Bedarf an zusätzlichen Mitteln für eine von Afrika selbst geleitete Energie- und Klimaforschung festgestellt, die den Entwicklungsbedarf des Kontinents ins Zentrum seiner Untersuchungen stellt. .
  • Die Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Dubai will CATF auch nutzen, um die globale Öl- und Gasindustrie zu mobilisieren für eine realistische, kohlenstoffarmen Zukunft, in der die Industrie ihre Kernkompetenzen im Kohlenstoffmanagement und in der Umsetzung großer Infrastrukturprojekte einbringt.

Carbon180

Fonds-Mittel aus H1/23 insgesamt: 75.000 EUR

Wofür werden die Mittel verwendet? Auch Carbon180 konnte im ersten Halbjahr bereits gute Fortschritte in seiner Arbeit erzielen. Zu den “Wins” bisher im Jahr 2023 zählen z.B.:

  • Veröffentlichung des Berichts „From the Ground Up”: Dieser gemeinsam mit XPRIZE Carbon Removal erstellte Bericht gibt einen Überblick darüber, wie Innovatoren im Bereich Carbon Dioxide Removal (CDR) Umweltgerechtigkeit verstehen – und enthält eine Reihe von spezifischen Empfehlungen für Startups in der Frühphase, um Umweltgerechtigkeit in jeder Phase ihrer Arbeit zu berücksichtigen. Das Team von Carbon180 hat zusammen mit anderen führenden Vertretern des Felds diese konkreten Schritte für Innovatoren erarbeitet, um somit den den Aufbau und das Wachstum einer CDR-Industrie zu unterstützen, die gerecht und nachhaltig ist. 
  • Gesetzesentwurf für Carbon Removal in der Landwirtschaft: Der neu eingebrachte Gesetzentwurf Advancing Research on Agricultural Climate Impacts Act (ARACI) stellt einen dringend benötigten Fahrplan für die Überwachung, Berichterstattung und Überprüfung (MRV – Monitoring, Reporting and Verification) von Kohlenstoffsenken in der Landwirtschaft auf. ARACI spiegelt viele der Empfehlungen aus dem Carbon180-Bericht Soil Carbon Moonshot wider, der darlegt, wie wichtige Forschungsinvestitionen das volle Potenzial der US-Landwirtschaft erschließen können, CO2 in den Böden zu binden und zu speichern. 

Weitere Prioritäten für die zweite Jahreshälfte und darüber hinaus beinhalten unter anderem Folgendes:

  • Regionale Zentren für Direct Air Capture (DAC): Das historische, 3,5 Mrd. US-Dollar schwere DAC-Hubs-Programm der US-Regierung ist ein riesiger Schritt auf dem Weg zum Ausbau von CDR im Gigatonnen-Maßstab. Carbon180 hat zwei White Papers veröffentlicht, die zeigen, wie eine erfolgreiche Umsetzung aussehen kann. Mit der baldigen Bekanntgabe der ersten Vergaberunde der DAC-Hubs wird Carbon180 sich weiterhin dafür einsetzen, dass das Energieministerium Umweltgerechtigkeit, kommunale Partnerschaften und technologische Vielfalt in den Mittelpunkt des Programms stellt. 
  • Farm Bill: Das US-Landwirtschaftsgesetz 2023 ist das wichtigste Instrument, um das Potenzial der US-Landwirtschaft als massive Kohlenstoffsenke zu erschließen. Carbon180 setzt sich dafür ein, dass dieses Gesetzespaket, das nur alle fünf Jahre verabschiedet wird, solide Investitionen in die Erforschung des Kohlenstoffs in Böden und MRV umfasst, damit sowohl das Klima als auch Erzeuger davon profitieren können. 

Das Team von Carbon180 wächst. Um mit den Ambitionen in dieser für CDR so spannenden Zeit Schritt zu halten, hat Carbon180 sein Team aufgestockt. Dazu gehörte die Einstellung einer Direktorin für Technologiepolitik (Sasha Stashwick, ehemals Direktorin für Industriepolitik beim Natural Resources Defense Council (NRDC)) und der Aufbau neuer Teams für Entwicklung, Finanzen und Umweltgerechtigkeit. Bis Ende 2023 plant Carbon180 noch einige weitere Neueinstellungen in den Bereichen Landwirtschaft, Kommunikation sowie Personal und Betrieb. 

Unterstützung für weitere besonders vielversprechende Initiativen

Future Matters

Fonds-Mittel aus H1/23 insgesamt: 157.000 EUR

Wer ist die Organisation? Wie bereits im vergangenen Update vorgestellt, unterstützt das Future Matters Team Akteure des gesellschaftlichen Wandels (z.B. NGOs, politische Entscheidungsträger und Stakeholder) bei ihrer Arbeit an der Erreichung von wirksamen Policies bzw. gesetzlichen Maßnahmen und öffentlichen Normen mit forschungsbasiertem Wissen, Instrumenten und Strategien. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt dabei auf dem Klimaschutz. 

Wofür werden die Mittel verwendet? Mit den Mitteln unseres Spendenfonds: Klima schützen aus dem 2. Halbjahr 2022 unterstützen wir gemeinsam mit Founders Pledge und Doneer Effectief die Erstellung und Veröffentlichung des EU Climate Policy Priorities (EUCP) Reports. Der Bericht zielt darauf ab, effektive, aber bisher vernachlässigte politische Hebel und Einflusskanäle für die EU zu identifizieren und zu empfehlen, um den Beitrag der EU zur globalen Emissionsreduktion und -vermeidung weiter zu stärken. 

Mit Hilfe evidenzbasierter Methoden zur Priorisierung einzelner Politik- und Regulierungshebel untersucht das Projekt ein breites Spektrum von Sektoren der EU-Klimapolitik und internationalen Einflusskanälen der EU.

Die bisherige Arbeit am Bericht stößt auf viel positive Resonanz, so dass das Future Matters-Team die Chance sieht (und auch aus EU-Institutionen explizit dazu ermuntert wurde), durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zur Veröffentlichung des Berichts die Reichweite und Wirkung des Reports weiter zu erhöhen. Dies unterstützt Doneer Effectief mit weiteren Mittel. Ergänzend dazu möchte das Team seine Strategieberatungs- und Advocacy-Arbeit in denjenigen Bereichen ausbauen, die der EUCP-Berichts als besonders vielversprechende Hebel identifiziert. Dafür stellen wir zusätzliche Mittel aus unserem Fonds bereit.

Weshalb ist der Ansatz besonders vielversprechend? Wesentliche Teile der europäischen Klima-Philanthropie fokussieren sich auf Emissionsreduktionen innerhalb Europas, um das “Netto-Null”-Ziel der EU bzw. einzelner Mitgliedsstaaten zu erreichen. Ein Großteil der zukünftigen weltweiten Emissionen wird aber außerhalb der EU in Ländern des globalen Südens entstehen. 

Genau dort setzt der EUCP-Bericht an. Anstatt sich darauf zu konzentrieren, wie die EU möglichst schnell klimaneutral werden kann, fragt das Projekt, mit welchen Hebeln und Maßnahmen die EU einen möglichst großen Beitrag zur globalen Dekarbonisierung leisten und entscheidende legislative und finanzielle Hürden für Klimaschutz abbauen kann. 

Angesichts der hohen Aufmerksamkeit, die der Klimaschutz in Europa genießt, und des Potenzials Europas, einen erheblichen positiven Einfluss auf die globale Dekarbonisierung auszuüben, können selbst kleine Verbesserungen der europäischen Klimapolitik und Klimaphilanthropie in dieser Hinsicht von großem Wert sein. Wir glauben, dass sowohl die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zum EUCP-Bericht als auch die Unterstützung wichtiger Akteure für den Klimaschutz entlang der im Bericht aufgezeigten Prioritäten geeignete Hebel sind, um diese wertvollen Veränderungen auszulösen.

Weitere Updates aus bisheriger Förderung

GermanZero

Auch zur letzten Organisation, die aus Fonds-Mitteln zu Beginn des Jahres gefördert wurde, wollen wir transparent informieren. Um das geringe Tempo der deutschen Klimapolitik bei Emissionsminderungen und die fehlende Ausrichtung an einem Treibhausgas-Restbudget zu adressieren, hat GermanZero auf Bundesebene inzwischen ein Klimanotstandspaket veröffentlicht mit 39 konkreten Maßnahmen aus dem 1,5-Grad-Gesetzespaket der Organisation.  (Dabei spielt auch die Einbettung in die globale Dekarbonisierung eine wichtige Rolle.) Zu den fehlenden Fortschritten im Verkehrssektor äußert sich CEO Julian Zuber in einem Gastbeitrag im Tagespiegel. Einen Rückblick auf die bereits im Jahr 2022 von GermanZero geleistete Arbeit bietet der kürzlich veröffentlichte Jahresbericht 2022

Über den Autoren

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